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Unser täglich’ Brot: Arbeiten in der Lebensmittelbranche




Mein Einstieg: Küche statt Hörsaal

Antonia, 19, wollte richtig kochen lernen und entschied sich für eine Lehre zur Köchin in der Bullerei, dem Hamburger Lokal von Tim Mälzer.Schon seit frühester Kindheit war die Küche für mich ein magischer Ort. Das lag wohl an meiner Oma: Gemeinsam mit ihr habe ich oft gebacken. Ich durfte mit dem Teig manschen, sie zauberte Kuchen oder leckeres Brot. Im Laufe der Zeit wuchs auch das Interesse für das Kochen. In der Schulzeit machte ich deshalb ein Praktikum in der Küche eines Gasthauses und jobbte als Aushilfe in einem kleinen Bistro an der Elbe. Nach dem Abitur stand für mich fest, dass ich eine Ausbildung zur Köchin machen möchte. Ein Studium wäre mir einfach zu theoretisch. Was lag also näher, als meine große Leidenschaft zum Beruf zu machen? Bei vielen Freunden und Verwandten stieß die Entscheidung für eine Kochausbildung erst mal auf Skepsis. Die Bezahlung sei schlecht, die Arbeit anstrengend und man müsse am Wochenende, in der Nacht und sogar an Feiertagen arbeiten. Von meiner Entscheidung für die Küche abgebracht, hat mich das nicht. [pullquote]Ich wollte unbedingt richtig kochen lernen[/pullquote] - Den Umgang mit Messern, das Gefühl für die Lebensmittel, das Gespür für verschiedene Geschmäcker. Also bewarb ich mich bei verschiedenen Restaurants und Hotels. Die Bullerlei war ein echter Glücksfall. Die Atmosphäre und das Team in der Küche waren mir sofort sympathisch. An diesem positiven Eindruck hat sich bis heute nichts geändert. Aus vielen Kollegen sind Freunde geworden, entgegen aller Klischees ist der Ton in unserer Küche sehr respektvoll. Als Auszubildende habe ich von Anfang an Verantwortung übernommen. Im Moment kümmere ich mich zum Beispiel um die Patisserie – also die Nachspeisen. Ich koche Eis, backe Schokokuchen oder verarbeite Sorbet. Auch meine eigenen Ideen kann ich dabei einbringen. Das macht unheimlich Spaß, ist aber auch ziemlich anstrengend. [pullquote]Körperlich und geistig muss man immer voll dabei sein.[/pullquote] Mein Arbeitstag beginnt um 14 Uhr, meistens bin ich schon etwas früher im Restaurant und frühstücke mit den Kollegen. Um 18 Uhr beginnt der Abendservice, meistens geht gegen 23 Uhr der letzte Teller raus. Wenn ich für den Nachtisch zuständig bin, muss ich am längsten am Herd stehen. Spätestens um Mitternacht ist aber auch bei mir Feierabend. Wenn die letzten Gäste gegangen sind und die Küche sauber ist, sitzen wir oft noch zusammen. [pullquote]Meine Entscheidung für die Ausbildung habe ich noch keinen Tag bereut.[/pullquote] Was ich nach der Lehre machen will, weiß ich aber noch nicht. Vielleicht gehe ich eine Zeit lang ins Ausland und lerne neue Küchen kennen. Auch ein kleines Restaurant oder eine eigene Frühstückspension könnte ich mir gut vorstellen.

Mein Einstieg: Schule auf dem Acker

Im Studium beschäftigte sich Johannes, 25, mit Stadtökologie. Heute arbeitet er als Regionalmanager bei Ackerdemia und hilft Schulen und Kindergärten beim Gemüseanbau.  Eigentlich habe ich Geografie studiert und mich mit urbaner Landwirtschaft beschäftigt – also mit der Frage, wie wir in der Stadt Obst und Gemüse anbauen können. In dieser Zeit stieß ich auf den Verein Ackerdemia. Anfangs kümmerte ich mich als Werkstudent um die Homepage. Inzwischen bin ich für das Regionalmanagement in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zuständig. Ich bin dabei der Ansprechpartner für unsere Schulen und Kindergärten. [pullquote]Wir unterstützen die Bildungseinrichtungen dabei, eigene Schuläcker mit Gemüse anzulegen.[/pullquote] Von uns bekommen sie passendes Saatgut, Unterrichtsmaterialien und wöchentliche Tipps zur Pflege der Gemüsekulturen. So sollen die Kinder erfahren, wie Gemüse angepflanzt wird und wie viel Mühe die Lebensmittelproduktion erfordert. Inzwischen gibt es in Deutschland über 250 Schulen und Kindergärten, die mit uns zusammenarbeiten. Gemeinsam mit unseren AckerCoaches stehen wir ihnen das ganze Jahr über zur Seite und beraten sie von der Aussaat bis zur Ernte. Als Projektmanager bin ich dafür zuständig, dass die Pflanzen und das Unterrichtsmaterial pünktlich an der Schule ankommen. Außerdem organisiere ich regelmäßige Fortbildungen für die Pädagogen aus der Region und kümmere mich um neue Partnerschaften, zum Beispiel mit Gesundheitskassen oder regionalen Unternehmen. [pullquote]Die Vielzahl von Aufgaben macht meine Arbeit abwechslungsreich und anspruchsvoll zugleich.[/pullquote] Ich muss einfach sehr viele Dinge bedenken und im Auge behalten. An einem Tag stelle ich unser Programm auf einem Kongress vor, an einem anderen sitze ich am Schreibtisch und organisiere neue Veranstaltungen oder stehe mit Kindern auf dem Acker und erkläre ihnen den Gemüseanbau. Dieser Teil der Arbeit ist besonders erfüllend: Die Kinder lernen neue Gemüsearten kennen, haben große Freude an der Arbeit in der Natur und entwickeln ein ganz neues Verständnis für die Zusammenhänge in der Lebensmittelproduktion. Einen ganz ähnlichen Prozess habe ich auch bei mir erlebt. Seit ich bei Ackerdemia arbeite, kaufe ich viel bewusster ein. Nur zum selbst kochen komme ich leider noch viel zu wenig.

Mein Einstieg: Essen als Wissenschaft

Finn, 23, sitzt für sein Studium nicht nur im Hörsaal, sondern steht auch im Labor und in der Versuchsküche. Er studiert nämlich Food Science an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.[pullquote]Nach dem Abitur wusste ich nicht, was ich studieren soll.[/pullquote] Ideen hatte ich schon, nur entscheiden konnte ich mich nicht. Also nahm ich mir sechs Monate Bedenkzeit und jobbte nebenbei als Küchenhilfe in der Gastronomie. Ich liebe Kochen und interessiere mich schon länger für gesunde Lebensmittel. Auf das passende Studium stieß ich beim Tag des offenen Hörsaals an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und zwar Ökotrophologie, also Ernährungswissenschaften. Der Studiengang ist sehr vielseitig. Wir beschäftigen uns mit den Besonderheiten von Lebensmitteln und ihrer Verarbeitung, mit rechtlichen Fragen oder der Vermarktung von Produkten. Auch gesundheitliche Inhalte wie der Stoffwechsel im Körper oder die Verdauung stehen auf dem Stundenplan. Außerdem können wir einen von vier Schwerpunkten wählen – Ernährungsberatung, die Entwicklung von neuen Lebensmitteln, die Gemeinschaftsverpflegung von vielen Menschen, zum Beispiel in einer Mensa und das Qualitätsmanagement. Ich persönlich interessiere mich vor allem für die Produktentwicklung. [pullquote]Ich finde es unheimlich spannend, wie neue Lebensmittel entstehen und auf den Markt kommen.[/pullquote] Auch mit Inhaltsstoffen und ihren Vor- und Nachteilen habe ich mich intensiv beschäftigt – zum Beispiel mit dem Zucker im Joghurt und der Möglichkeit gesündere Alternativen zu finden. Die tägliche Auseinandersetzung mit Lebensmitteln verändert natürlich auch die eigenen Essgewohnheiten. [pullquote]Ich esse inzwischen deutlich weniger Fleisch und Süßigkeiten. [/pullquote] Das ist nicht nur gesünder, sondern im Fall von Fleisch auch nachhaltiger. Gemeinsam mit meinen Kommilitonen habe ich außerdem den Verein Fair-Teiler Bergedorf gegründet. Das ist ein Foodsharing-Projekt für unsere Hochschule.Die Vereinsmitglieder sind Studierende, aber auch Professoren oder andere Hochschulmitarbeiter. An unserem Standort mit abschließbarem Kühlschrank kann ein Austausch von übrig gebliebenen Lebensmitteln stattfinden. So verhindern wir, dass noch gute Lebensmittel in den Müll wandern. [pullquote]Nachhaltigkeit ist mir auch bei meinem späteren Arbeitgeber sehr wichtig.[/pullquote] Nach meinem Master würde ich am liebsten bei einem kleinen oder mittleren Unternehmen arbeiten und nicht bei einem großen Konzern. Ich hoffe darauf, in einem kleineren Unternehmen mehr Mitspracherecht und Gestaltungsfreiheit zu haben. Besonders für Getränke interessiere ich mich im Moment, Fleisch oder Milchprodukte kommen dagegen nicht infrage. Auch die Arbeit für eine Hilfsorganisation oder die Verbraucherzentrale könnte ich mir vorstellen. 
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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