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Traumberuf Animator: Wie man von Werner zu Walt Disney kommt




Zoomania ist einer der erfolgreichsten Animationsfilme der Geschichte. Was ist an den Film so besonders?

Ich fand Disney-Tierfilme schon immer gut und es gab schon lange keinen mehr. Außerdem ist Zoomania für mich ganz persönlich etwas Besonderes. Das ist der Film, bei dem ich bei der Produktion am meisten Spaß hatte. Man muss sich das so vorstellen: Ich habe mir eine Stadt vorgestellt und andere haben diese Stadt für mich gebaut. Das ist quasi wie eine große Fabrik, die für mich einen Traum gebaut hat.

Was gefällt dir am Film am besten?

Mir gefällt alles am besten (lacht). Ich finde Judy, den Hauptcharakter, super. Außerdem gefällt mir die Faultierszene sehr gut – und das Nudisten-Yax. Ich finde die Haare super!

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Gab es etwas, das dir bei der Entwicklung am meisten Spaß gemacht hat?

Es gab schwierigere und einfachere Sachen. Manche Dinge, die ich toll fand, sind doch nicht im Film gelandet. Wir haben zum Beispiel einen riesigen Vergnügungspark für Tiere designt. Am meisten Spaß hat es mir gemacht, wenn man sich in die Tiere hineinversetzen musste und sich überlegt hat, was diese Tiere wohl am liebsten hätten. Das war zum Beispiel bei den Hasenhäusern so.

Du arbeitest mittlerweile für Walt Disney. Wie bist du so weit gekommen?

Als Kind habe ich das Dschungelbuch gesehen und bin seither verrückt nach Zeichentrickfilmen. Ich wusste schon damals, dass ich später sowas machen will. Als ich mit dem Zivildienst fertig war, kam der erste Teil von Werner raus. Ich bin einfach zu dem Studio hin und meinte:[pullquote]Ich mache alles! Wie kann ich bei euch anfangen?[/pullquote]Das war die Zeichentrickproduktionsfirma TFC Trickompany. Damals war das das einzige Animations-Studio in Deutschland. Wir haben Werner produziert. Ich habe mich hochgearbeitet. Am Anfang habe ich immer sauber gemacht, dann habe ich bei Produktionen mitgemacht und zum Schluss war ich dann Background-Painter, also Hintergrundmaler. Danach habe ich in Irland studiert, weil es dort die einzige Hochschule mit Animations-Schwerpunkt gab. Mittlerweile gibt es viel mehr davon, zum Beispiel auch in Ludwigsburg bei Stuttgart. Nach dem Studium habe ich jahrelang gearbeitet. Ich bin wieder zurück zu der Firma in Hamburg. Die haben mich für die Ottifanten nach Seoul geschickt. Danach habe ich in Kanada und Dänemark gearbeitet. Es gibt einfach nicht überall Produktionen, deshalb muss man immer zum Reisen bereit sein. Nachdem ich meine Frau, eine Kanadierin, geheiratet habe, sind wir nach Vancouver gezogen. Dort war ich Art Director bei einem Film. Da war jemand dabei, der früher bei Disney gearbeitet hat. Der fand meine Arbeit gut und hat mir einen Kontakt zu einem Art Director bei Disney vermittelt. Wir haben telefoniert und ich habe ihm erzählt, was ich bisher so gemacht habe. Das hat ihm gut gefallen, aber es hat trotzdem noch eine Weile gedauert, bis ich dort einen Job hatte. Timing ist alles. Erst als ich Arbeit gesucht habe und er Arbeit hatte, hat es dann geklappt. Ich wurde zuerst für drei Monate als Illustrator angestellt. Die drei Monate wurden dann immer wieder verlängert und irgendwann wurde ich dann gefragt, ob ich den Film nicht komplett gestalten will. Da habe ich natürlich ja gesagt! (lacht) Jetzt lebe ich seit eineinhalb Jahren in Kalifornien und arbeite dort. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes für mich.

Denkst du, dass man in dieser Branche Kontakte braucht, um weiterzukommen?

Ich glaube, dass Kontakte wichtig sind – aber auf eine andere Art und Weise: Es geht darum, sich einen guten Ruf aufzubauen. Wenn jemand deine Arbeit gut findet, dann wirst du auch empfohlen. Manchmal muss man eben ein bisschen Geduld haben, aber das lohnt sich auf jeden Fall. Ich würde jedem, der in die Animationsbranche will, empfehlen, ein Praktikum zu machen. Disney bietet viele Praktika an. Ich kenne viele junge Leute, die nach ihrem Praktikum oder ihrem Sommerjob übernommen wurden.

Wie sieht es mit den Ausbildungschancen aus?

Es gibt mittlerweile gute Hochschulen in Deutschland, an denen man etwas in Richtung Animation studieren kann. Ich glaube allerdings, dass es das Wichtigste ist, in ein Studio rein zu kommen. Dort lernt man in der Produktion unheimlich viel. Ich würde die Ausbildung allerdings trotzdem fertig machen, weil man bei der Bewerbung dann etwas vorzeigen kann. Der erste Job muss übrigens noch nicht der tollste sein – alles entwickelt sich.

Wie kommst du von der Idee zur Produktion?

Ganz am Anfang gibt es eine sehr freie Phase. Ich spreche mit dem Regisseur und der erzählt mir ein kleines Stückchen der Geschichte. Danach habe ich zwei Wochen Zeit, mir dazu etwas auszudenken. Dann treffe ich mich immer wieder mit dem Regisseur, hole mir Feedback und mache weiter. Das geht eine Weile so, bis die Geschichte fertig ist und man genügend Bilder hat, um zu wissen, wie die Welt aussehen soll. Und dann arbeiten plötzlich hunderte von Leuten an der Story. Jeder ist in einem anderem Team, in dem die Aufgaben verteilt werden. Das ist ein bisschen wie Schauspielerei: Ich weiß, was derjenige besonders gut macht und was dem anderen liegt. Als Art Director helfe ich meinem Team. Wenn ich zufrieden bin, gebe ich alles an den Regisseur und den Produzenten weiter. Danach geht es ab ins Modeling, wo alles mithilfe von Computern gebaut wird. Im Look-Department geht es später unter anderem um Farben, Pflanzen und Oberflächen. Bei den Effects kommen zum Beispiel die Wolken dazu. Gleichzeitig kümmert sich die Animation um die Figuren. Wenn die ganzen Departments durchlaufen wurden, kommt die Beleuchtung ins Spiel, der Ton kommt dazu – und wir sind fertig.Matthias Lechner Zoomania

Was findest du besser: Zeichnen per Hand oder Zeichnen am Computer?

Ich bin Fan von Handzeichnungen. Das liegt vielleicht daran, dass ich so alt bin. (lacht) Ich zeichne wirklich gerne auf Papier. So kann ich mehr Gefühl rein bringen. Die meisten zeichnen mittlerweile allerdings auf Tablets. Wahrscheinlich ist das alles Gewöhnungssache. Man kann sich überall verwirklichen – auch im Ton, wenn man will.

Was muss man können, um im Animationsbereich arbeiten zu können?

Zeichnen sollte man können. Aber das kommt mit der Zeit. Anfangs war ich auch nicht so begabt, aber nach hunderttausend Stunden kann man es dann. Für Animatoren ist es wichtig, dass man einen guten Sinn für Humor hat und schauspielern kann – allerdings nicht mit dem Körper, sondern im Kopf. Das Technische kann man lernen, aber das Talent zum Unterhalten muss man mitbringen. Natürlich ist Kreativität wichtig – aber man braucht auch eine unheimliche Ausdauer. Animation ist sehr langwierig. Man arbeitet viel an Kleinigkeiten und verbessert, verbessert, verbessert. Dadurch hat man teilweise auch lange Arbeitstage und es dauert auch lange, bis man ein Ergebnis sieht. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass einem sowas nichts ausmacht.

Gibt es eine Chance für Quereinsteiger?

Auf jeden Fall. Um in der Animation zu arbeiten, muss man kein Animator sein. Es gibt Effects-Animatoren, es gibt Leute, die Hintergründe bauen – es gibt so viele kleine Nischen. Ich kenne Architekten, die jetzt Animatoren sind. Außerdem gibt es ganz viele Berufe für Computerwissenschaftler. Ein Drittel aller Leute ist damit beschäftigt, die Programme zu schreiben. Man muss sich einfach überlegen, was einem besonders Spaß machen würde – und das ist dann das Richtige.ZOOMANIA ist seit 14.7.2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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