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Die Pflicht des Erinnerns: Patrick Mölleken im Interview




Mit 25 Jahren hat Patrick Mölleken bereits in mehreren historischen Filmen mitgespielt. Zum 85. Jahrestag der Machtergreifung Hitlers erscheint heute sein neuer Kino-Film Das letzte Mahl als bundesweites Event. Im Film spielt er einen 18-Jährigen Juden, der sich vom Nationalsozialismus mitreißen lässt. „Die Weitläufigkeit des ganzen Themas wird mir mit jedem Gespräch, jedem Projekt und jedem einzelnen Schicksal bewusster.“Am Sonntag war Holocaust Gedenktag, heute jährt sich der Tag von Hitlers Machtergreifung. Welche Bedeutung haben solche Tage für dich?Das sind wichtige Gedenktage für mich. Das sehe ich aber nicht nur aus meiner eigenen, subjektiven Sicht so, sondern das sollte man aus der Perspektive eines jeden jungen Deutschen sehen. Natürlich ist das Thema mit unserer Geschichte so extrem verbunden, dass es auch für die Nachkriegsgenerationen durchaus eine Belastung darstellt, obwohl diese für das dunkle Kapitel unseres Landes nichts können. [pullquote]Aber es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern.[/pullquote] Und Sorge dafür zu tragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.Was machst du an solchen Tagen?Am Holocaust Gedenktag war ich in Berlin am Mahnmal und habe dort darüber nachgedacht, was damals passiert ist. Die Zeit sollte sich jeder nehmen. Eine Kerze anzuzünden, finde ich immer ein schönes Zeichen. Wenn sich dann in der Öffentlichkeit Lichtermeere ergeben, ist das ein emotionales Symbol dafür, dass wir eben nicht vergessen.https://www.instagram.com/p/BtJ6ZS_BwWe/In Das letzte Mahl spielst du den jungen Michael Glickstein, der sich vom Nationalsozialismus mitreißen lässt. Ist es schwierig in eine Rolle zu schlüpfen, deren Ideologie man selbst widerspricht?Das ist eine unglaubliche Herausforderung. [pullquote]Wer bin ich und wo will ich hin?[/pullquote] Für mich war es in dem Sinne schwierig, weil ich nie Probleme damit hatte, meinen Weg zu finden - meine Filmrolle aber schon. Ich bin ein absoluter Familienmensch und meine Familie steht in allem hinter mir und gibt mir auch viel Kraft. Diese Figur ist aber eben auf der Suche nach der eigenen Identität. Der Nationalsozialismus kommt zur falschen Zeit auf Michael zu. Das zeigt, wie gefährlich das gerade in solchen Findungsphasen ist.Wie hast du es dann geschafft, dich mit der Rolle auseinanderzusetzen?Eine Methode von mir ist es, Tagebucheinträge für meine Rollen zu schreiben. Der Film spielt ja nur an einem Tag. Aber wer ist dieser Michael vorher und warum ist er so, wie er ist? Auch wenn im Film nur ein Bruchteil gezeigt wird, ist es mir wichtig, die Rolle authentisch zu spielen und ihr den nötigen Raum dafür zu geben.Du hast mit dem Antirassismus-Video ABER mit Eko Fresh ein politisches Zeichen für die heutige Zeit gesetzt. Wie kam es dazu?Eko ist ein guter Freund von mir und hat mich für die Rolle angefragt. Ich hatte erstmal großen Respekt davor, ob ich das wirklich machen soll. Aber es hat nicht lange gedauert, bis ich für mich entschieden habe: Ich muss klare Kante zeigen. Und wenn das bedeutet, auch mit Gegenwind zu rechnen. Man muss aufstehen und laut sein.Deine Großmutter ist Zeitzeugin. Welche Geschichte von ihr hat dich nachhaltig geprägt? Mein Urgroßvater war ein renommierter Stahlkonstrukteur in Düsseldorf. Am Tag der Reichsprogromnacht kam er nach Hause und hat direkt seine Frau und auch meine Oma mitgenommen, weil er ihnen etwas zeigen wollte. Er fuhr mit ihnen in die Friedrichsstraße. Dort wurde von SA-Männern eine Wohnung zerstört und leer geräumt. Ein Stutzflügel flog aus dem Fenster. Mein Urgroßvater meinte dann: [pullquote]Da seht ihr, was Hitler uns bringt. [/pullquote]Er hat auch weiter heimlich seine jüdischen Angestellten beschäftigt, das flaggen der Hakenkreuz-Fahne ebenso wie die Parteimitgliedschaft verweigert.Die nächste Generation hat diese Möglichkeit wahrscheinlich nicht mehr. Denkst du, das ist problematisch? Definitiv. [pullquote]Kein Buch kann einen Zeitzeugen ersetzen.[/pullquote] Wenn du es von jemandem hörst, der es erlebt hat, kannst du es einfach mitfühlen und das hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Ein Film kann natürlich auch nie das persönliche Gespräch ersetzen, aber es ist ein Medium, was nah dran ist.r Dreharbeiten warst du oft über längere Zeit nicht in der Schule. Wie hast du deine Lehrer davon überzeugt, dich freizustellen?In der Schule musste ich immer gute Noten bringen. Aber das war für mich kein Problem, da ich ein festes Ziel vor Augen hatte. Ich wollte Schauspieler werden.Hattest du auch mal das Gefühl, etwas zu verpassen? Ich konnte tatsächlich nie so viel auf dem Fußballfeld abhängen, wie meine Kumpels. Die limitierte Zeit, die ich dann hatte, habe ich aber immer bewusst mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht. Mir ist es wichtig, diese wertvollste Währung so sinnvoll einzusetzen, wie nur möglich. Bei einer Menge Menschen da draußen geht zum Beispiel so unglaublich viel Zeit auf Social Media verloren, die ich lieber für andere Dinge nutze.Wenn wir jetzt schnipsen könnten und es gäbe kein Social Media mehr – wäre das besser? So pauschal würde ich es nicht sagen. Es würde unserer Gesellschaft sicher gut tun, wenn wir die Online-Kanäle anders nutzen würden. Social Media zeigt aktuell eher eine Fake-Welt – viele Menschen präsentieren dort nur ihre „Schoko-Seite“. Als Schauspieler sind die gegebenen Möglichkeiten aber auch eine große Bereicherung. Ich suche über die Channels den Kontakt zu meinen Fans und versuche dabei, authentisch zu bleiben. Ich lege grundsätzlich mehr Wert auf Qualität, statt Quantität. [pullquote]Die Botschaften müssen einfach stimmen.[/pullquote]r was muss unsere Generation noch kämpfen? Unsere Generation muss für eine starke Demokratie kämpfen. Bei all der Hetze, die es gibt, dürfen wir den Respekt voreinander nicht verlieren. Extremismus ist immer zu verurteilen, aber nur mit einem offenen Diskurs schaffen wir es, etwas zu bewegen. Pauschalisierungen sind allerdings Gift für unsere Gesellschaft – ob von links, rechts, oder aus der Mitte. [pullquote]Miteinander zu sprechen ist besser, als gegeneinander zu schweigen.[/pullquote] Lasst die Leute sagen, was sie denken. Es ist schlimmer, ihre Gedanken hinter verschlossenen Türen zu halten und dann ohne Vorankündigung miterleben zu müssen, wie das Fass plötzlich überläuft.[yaez-box]Worum geht's im Film? Der historische Kinofilm Das letzte Mahl zeigt das Schicksal der jüdischen Familie Glickstein. Am 30.01.1933, dem Tag der Machtergreifung Adolf Hitlers, kommt die gesamte Familie zusammen und diskutiert über die politischen Ereignisse. Während die 19-Jährige Leah (Mira Elisa Goeres) offenbart, dass sie nach Palästina gehen möchte, will ihr jüngerer Bruder Michael (Patrick Mölleken) am Fackelzug der Nazis teilnehmen.Der bundesweite Event-Kinostart findet am 30.01.2019 – dem 85. Jahrestag der Machtergreifung, statt.Alle Kinos findet ihr hier.[/yaez-box]   
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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