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Das ist wie Medizin: Alternativen zum Medizinstudium




[pullquote]Meine Ausbildung macht mich tough und sensibel zugleich.[/pullquote]Rona (Name durch die Redaktion geändert), 21, macht eine Ausbildung zur Krankenschwester, um ihre Chancen für das Medizinstudium zu erhöhen. Mein Traum ist es, Medizin zu studieren. Was mich daran reizt, sind die täglichen Herausforderungen im Beruf. Man merkt schon jetzt in der Ausbildung zur Krankenschwester, dass das medizinische Feld ein Komplex aus Menschennähe und logischem Denken bildet. Auch in meinem Abitur mit der Fachrichtung Gesundheit habe ich schon erste Einblicke erhalten. Für ein Medizinstudium war mein Abitur leider nicht gut genug. Daher habe ich versucht, über die Bundeswehr Medizin zu studieren. Das war letztlich aber nicht mein Ding. Klar, es hätte noch den Medizinertest gegeben, aber bei meinem NC von 1,9 lohnt es sich erst, den in Kombination mit einer Ausbildung zu machen. Also habe ich mich für die Ausbildung zur Krankenschwester entschieden.Aus meiner Ausbildung nehme ich einiges mit. Man wird tough und  lernt mit Situationen und Menschen besser umzugehen. Außerdem wird man sehr sensibel. Man lernt Menschen in verschiedenen Lebenssituationen kennen. Und man wird mutig, lernt schnell Entscheidungen zu treffen. Wenn es nach der Ausbildung mit dem Medizinstudium trotzdem nicht klappt, kann ich mir vorstellen, weiter als Krankenschwester zu arbeiten. Eine andere Option wäre Betriebswirtschaft, weil man damit auch im Gesundheitsbereich arbeiten kann. Pflegewissenschaften oder Pflegepädagogik finde ich auch interessant. Mein Tipp: Nimmt Euch Zeit zum Überlegen! Es muss schon eine richtige Leidenschaft sein, wenn man den Weg gehen möchte. Und wenn es mit dem Studium nicht klappt, gibt es so viele Möglichkeiten sich auszuprobieren. Eine Ausbildung in einem medizinischen Bereich ist eine gute Art und Weise herauszufinden, ob die Arbeit in diesem Umfeld etwas für einen wäre.  [pullquote]So konnte ich meine Interessen verknüpfen.[/pullquote]Nico, 24, hat sich für Medizintechnik entschieden. Mich interessiert Medizin und Zahlen, daher ist meine Entscheidung auf Medizintechnik gefallen, da das eine coole Mischung aus technischem und medizinischem Wissen ist. Der Anteil an Medizin unterscheidet sich allerdings von Uni zu Uni. Von Anatomie, über Physiologie bis hin zu Pathologie habe ich in meinem Studium in Stuttgart und Tübingen einiges an medizinischer und biochemischer Grundlagen durchgenommen. Ab dem vierten Semester geht es dann richtig los, da haben wir uns medizintechnische Innovationen angeschaut. Meinen Schwerpunkt im Studium habe ich in den sogenannten bildgebenden Verfahren gefunden, das fasst alles rund um MRT und Röntgen-Geräte zusammen. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung war ich sogar schon einmal bei einer OP dabei. Im Vergleich zum Medizinstudium ist der NC nicht so hoch und das Auswahlverfahren berücksichtigt die Abschlussnoten in relevanten Fächern wie Biologie oder Chemie. Auch eine berufliche Qualifikation, zum Beispiel eine Ausbildung zum Rettungssanitäter, hebt den Schnitt bei der Zulassung. Eine Ausbildung in einem medizinischen Bereich oder ein fachverwandtes Studium haben den Vorteil, dass man sich ausprobieren, Interessen verknüpfen oder seine Chancen auf ein Medizinstudium verbessern kann, falls man das im Anschluss noch angehen möchte.  [pullquote]Ich wusste, dass es mit meinem Abischnitt nicht leicht wird.[/pullquote]Sonja, 22, studiert Medizin in Polen im dritten Semester.Ich war mir erst nicht sicher, ob ich den Schritt ins Ausland gehen möchte. Da ich aber wusste, dass es mit einem 1,9er-Abitur schwer sein wird, einen Studienplatz an einer Deutschen Uni zu bekommen, habe ich Unis im Ausland recherchiert und bin schnell auf die Uni in Stettin gestoßen und habe mich beworben. Ich finde es ungerecht, dass es den NC gibt. Andererseits ist es ja auch logisch, dass man irgendein Auswahlkriterium haben muss, um die begrenzten Studienplätze zu verteilen. Ich finde Österreich ein gutes Beispiel, denn dort gibt es an jeder Uni einen Medizinertest, bei dem wissenschaftliches Wissen und kognitive Fähigkeiten abgefragt werden. Ich finde das fair, weil die Abiturnote da keine Rolle spielt. In deutschen Unis zählt der Medizinertest meist nur einen geringen Prozentsatz. Ein Vorteil meines Studiums in Stettin ist, dass ich auf englisch studiere. Wir haben außerdem sehr kleine Klassen von 15 bis 25 Studenten und daher einen sehr individuellen Unterricht. Andererseits ist es dadurch sehr verschult. Man hat zum Beispiel anwesenheitspflicht. Ich persönlich finde es toll, da ich dadurch sehr viel lerne und so am Ball bleibe. Ein Nachteil ist, dass das Studium im Ausland aufgrund der hohen Studiengebühren sehr teuer ist. Denjenigen, die keine Chance auf einen Studienplatz in Deutschland haben, empfehle ich, den Test in Österreich zu machen, weil es dort auch keine Studiengebühren gibt. Man sollte sich für die Vorbereitungen auf diesen Test ungefähr ein Jahr Zeit geben. Wenn man genug Unterstützung durch die Familie oder durch ein Stipendium hat, würde ich aber auch ein Medizinstudium an anderen ausländischen Unis mit Studiengebühren empfehlen.  
 
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