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Luisa Neubauer: Das deutsche Gesicht der Klimaproteste




[pullquote]Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut![/pullquote] Eine Sprechparole mit Gänsehautfaktor. Lauthals streiken zahlreiche Jugendliche seit mehreren Wochen unter anderem an der Seite von Luisa Neubauer für das Klima. Die 22-jährige Geografiestudentin organisierte die ersten Friday's for Future”- Streiks in Berlin. Die Jugendlichen schwänzen die Schule oder Uni, um sich für Klimaschutz einzusetzen. Denn warum sollten sie für eine Zukunft lernen, für die momentan keiner kämpft? Wir sprechen mit Luisa über Forderungen, Ghandi und die Zukunft.

Wann hast du beschlossen, dich für das Klima einzusetzen?

Das beschließt man nicht wirklich, sondern das macht man einfach. Ich habe aber beschlossen, dass wir für das Klima streiken sollten. Wie das mit Engagement eben so ist. Ich habe mich schon lange eingesetzt und hatte Anfangs das Gefühl, dass es noch viel Schlimmer ist, als wir uns das vorstellen können und, dass noch viel weniger gemacht wird als notwendig.[yaez-box]Die damals 15-jährigen Greta Thunberg aus Schweden hat die Bewegung ins Leben gerufen, als sie sich im August 2018 entschloss, einen Schulstreik für das Klima zu starten. Seitdem sitzt die junge Klimaschutzaktivistin jeden Freitag vor dem schwedischen Reichstagsgebäude, bis die Klimapolitik Schwedens den Grundsätzen des Pariser Klimaabkommens entspricht. Damit erzeugte sie eine internationale Welle unter dem Hashtag #FridaysforFuture. Luisa lernte Greta auf der Klimakonferenz in Katowice kennen und wollte daraufhin den Protest nach Deutschland bringen.[/yaez-box]https://www.instagram.com/p/BuJ9NYQh6jb/

Gandhi hat einmal gesagt: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du”Was meinst du, in welcher Phase befindet ihr euch momentan?

Tatsächlich glaube ich, dass wir in der Bekämpfungs-Phase angekommen sind. Die Bundesregierung lobt die Bewegung sehr, wie beispielsweise Frau Merkel, aber in der Umsetzung wird das Gegenteil getan. Das ist eine Taktik um uns den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es berührt mich wahnsinnig, wie viele sich für die Bewegung einsetzten. Es gibt ja nicht nur mich, sondern zehntausende junge Menschen – die teilweise auch viel jünger sind als ich – die so irre Sachen machen. Das finde ich sehr inspirierend. [pullquote]Der größte Fehler ist anzunehmen, dass Andere für dich die Welt retten werden[/pullquote] schreiben einige auf ihre Plakate. Ich glaube dieser Erkenntnis-Moment ist auch ganz wichtig.

Doch gab es schon spürbare Veränderung?

Nein wir sehen ja, dass es keine Veränderung gibt. Die Emissionen haben sich nicht reduziert und wir haben bisher kein Gesetz, dass das in Aussicht stellt. Es gibt mehr Studien, die das bestätigen und wir haben viele Unterstützer.[pullquote] Das bringt dem Planeten aber erstmal nichts.[/pullquote]

Was sind eure konkreten Forderungen und was wollt ihr durch den Streik erreichen?

Wir wollen, dass die Regierung eine Politik fährt, die kompatibel mit dem Paris Abkommen ist. Es braucht dafür einen konkreten Plan, wie das erreicht werden kann und die Durchführung in der Praxis. Eine ganz wichtige Forderung ist der Kohleausstieg bis spätestens 2030. https://www.instagram.com/p/BumtzvBHYWa/?utm_source=ig_embed

Bist du optimistisch gestimmt bei einem Blick in die Zukunft oder eher besorgt?

[pullquote]Besorgt ist noch eine Untertreibung[/pullquote]Was mich und wahrscheinlich auch viele andere Menschen antreibt: Was passiert, wenn wir uns nicht wirklich Mühe geben den Planeten zu schützen und die Klimaziele einzuhalten?Ich denke aber auch man unterschätzt die Macht von Menschen, die etwas erreichen wollen. Das Dilemma in dem wir uns befinden ist von Menschen gemacht und kann deshalb auch von Menschen beendet werden – das gibt dann doch Ansatz zum Optimismus.

Was willst du jungen Menschen noch mit auf den Weg geben?

[pullquote]Hinterfragt, warum sich Dinge nicht schneller ändern! Seid ungemütlich, seid unbequem, seid fordernd, seid laut, seid vehement! [/pullquote][yaez-box]Durch Greta Thunberg, Luisa Neubauer und die vielen jungen Menschen ist Klimaschutz wieder in den Fokus gerückt. Beim ersten großen Streik „Global Strike for Future” am Freitag den 15. März 2019 streikten rund 1,6 Millionen Schüler und Studenten auf der ganzen Welt. Derzeit wird „Fridays for Future” von über 23 000 Wissenschaftlern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich unterstützt, die sich unter dem Namen „Scientists for Future” zusammengeschlossen haben. Alle haben eine Petition unterschrieben und sind der Meinung, dass die derzeitigen Maßnahmen zum Klimaschutz nicht ausreichen. Bei der Pariser Klimaschutzkonferenz im Dezember 2015 verpflichteten sich 195 Länder verbindlich, die globale Erwärmung deutlich unter 2 °C zu halten sowie Anstrengungen zu unternehmen, um die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Für dieses Ziel gehen die Jugendlichen jeden Freitag auf die Straße.[/yaez-box] 
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