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Klischee-Check Medizinstudium: Drei angehende Ärzte klären auf




Wie anspruchsvoll ist das Studium?

Vor allem im ersten Studienabschnitt ist das Studium extrem lernintensiv. Im klinischen Teil baut dann vieles aufeinander auf und die Krankheitsbilder werden nicht nur in der Theorie, sondern auch am echten Patienten behandelt. Die Stoffmenge ist trotzdem enorm und Durchhaltevermögen absolut notwendig. Wir schreiben das ganze Semester über Klausuren, sodass ich – bis auf ein paar Tage Pause zwischendurch – im Prinzip 14 Wochen lang kontinuierlich lerne.[pullquote]Jeder, der sich darauf einlässt, kann es schaffen[/pullquote]Nur weil jemand kein 1,0er-Abi gemacht hat, heißt das nicht, dass das Studium nicht machbar oder derjenige für den Beruf ungeeignet ist. Das Studium kann jeder schaffen, der sich darauf einlässt und an der Medizin interessiert ist. Ein wenig Ehrgeiz und Fleiß schaden dabei nicht.Zu Anfang habe ich immer stundenlang gelernt und erst aufgehört, wenn wirklich alles saß. Das zehrt unglaublich an den Nerven, deshalb lerne ich inzwischen viel strukturierter und plane bewusst Lernpausen ein. Die sind wichtig, um danach wieder konzentriert lernen zu können. Ich teile mir die Lernthemen auf und weiß genau, wie viel ich an einem Tag schaffen will. Wenn das erledigt ist, kann ich abschalten und die freie Zeit genießen. Und wenn nichts mehr geht – ein kurzer Powernap hilft immer! - Lea, 23, studiert im zehnten Semester Medizin an der Uni Leipzig 

Wie stressig ist der Arbeitsalltag?

Als Kinderarzt an einer Uniklinik sind meine Patienten Kinder und Jugendliche. Dazu gehören zum Beispiel auch Frühgeborene, die nur wenige Hundert Gramm wiegen. Besonders viel Freude macht es mir, wenn ich mich ausführlich mit einem kranken Patienten auseinandersetzen und eine Lösung für seine Probleme finden kann. Am abwechslungsreichsten ist dabei die Arbeit in der Notaufnahme.In meinem Arbeitsalltag fallen Aufnahmen, Entlassungen, Visiten, Patientengespräche, Besprechungen und dazwischen akute Notfälle an. Außerdem muss die erledigte Arbeit natürlich auch dokumentiert werden. Dabei darf man nie vergessen, dass wir uns immer wieder mit besonderen Schicksalen beschäftigen. Das kann auf der einen Seite sehr belastend sein, allerdings schöpfe ich auf der anderen Seite aus dem Kontakt mit den Patienten auch sehr viel Kraft und Motivation.[pullquote]Strukturiert und belastbar sein[/pullquote]In dem Beruf gibt es verschiedene Anforderungen: Als Arzt muss ich gut strukturiert und belastbar sein und mir immer wieder neues Wissen aneignen, da wissenschaftliche Studien laufend neue Erkenntnisse über Behandlungsmethoden liefern. Wichtig ist außerdem ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität, damit ich den Bedürfnissen der einzelnen Patienten gerecht werden kann. Aber: Niemand startet in den Beruf und hat diese Dinge perfektioniert. Während des sechsjährigen Studiums und später im Arbeitsalltag lernt man immer weiter dazu.Grundsätzlich ist der Beruf zeitintensiv. Viele Ärzte leiden unter einer hohen Arbeitsbelastung mit vielen zusätzlichen Diensten an den Wochenenden und Überstunden. Es entstehen langsam aber immer mehr Modelle, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und flexibles Arbeiten ermöglichen. Es ist wichtig, dass die Politik etwas unternimmt, damit in den Kliniken und Praxen mehr Personal beschäftigt werden kann. Außerdem muss die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorangetrieben werden, damit wir Ärzte weniger Zeit vorm Computer und mehr Zeit am Patientenbett verbringen können – darauf kommt es schließlich an!- Theodor, 28, arbeitet als Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover 

Haben Ärzte kaum Freizeit?

Als ich noch studiert habe, fand ich es immer etwas nervig, Dinge für Klausuren und Examina lernen zu müssen, von denen ich sicher war, dass ich sie später nicht brauchen würde. Schließlich umfasst das Studium alle Fachbereiche der Humanmedizin, während man sich später im Beruf auf einen festlegt. Jetzt ist es eher umgekehrt: Am liebsten würde ich alles sofort lernen und können, weil ja auf einmal alles, was ich sehe und mache, wichtig ist. Aber die Facharztausbildung dauert wohl nicht umsonst fünf Jahre.Als Assistenzärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe mache ich jeden Tag Visiten, bin bei Geburten dabei, schreibe Entlassbriefe, untersuche Patienten und spreche mit ihnen über die weitere Behandlung. Im OP bin ich auch häufig. Je nachdem, wie erfahren man ist, assistiert man bei den Operationen oder ist selbst Operateur und wird von den Oberärzten oder dem Chefarzt angeleitet. Neben den Fachkenntnissen ist es besonders wichtig, dass ich als Ärztin empathisch bin. Denn ich habe tagtäglich mit Menschen zu tun, die Sorgen und Ängste haben. Dessen sollte man sich immer bewusst sein. [pullquote]Es gibt 20 Dinge gleichzeitig zu tun[/pullquote]Als Studentin hatte ich viel mehr Freizeit als jetzt, aber ich glaube, so geht es den meisten nach dem Studium. Es ist schon manchmal stressig. Gefühlt habe ich oft 20 Dinge gleichzeitig zu tun. Nicht selten kommt ein Notfall rein und ich muss deutlich länger bleiben als geplant. Notfälle kann man eben nicht aufschieben. Genaue Uhrzeiten zu verabreden ist da manchmal schwierig, der Klinikalltag ist schlecht planbar. Aber bisher hatten immer alle meine Freunde Verständnis, wenn ich gesagt habe, dass ich noch nicht genau weiß, wann ich Feierabend habe. Dafür habe ich dann aber auch immer mal wieder tagsüber frei, das ist ziemlich praktisch.- Leoni, 26, arbeitet als Assistenzärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe im Bethesda Krankenhaus in Wuppertal[yaez-box]Jens Homberg verrät, wie es auch ohne 1er-Abi  mit dem Medizinstudium klappen kann: https://www.yaez.de/zukunft/plaetze-fuers-medizinstudium-schon-alle-vergeben-diese-alternativen-gibt-es/[/yaez-box]
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