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Klischee-Check: Arbeiten in der Finanzbranche




Ist die Ausbildung bei einer Bank nicht sehr altmodisch?

Thomas, 21, ist im dritten Jahr seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Kreissparkasse Heinsberg

Nein, das ist sie ganz sicher nicht. Neben dem Unterricht in der Berufsschule bereiten wir uns zum Beispiel auch mithilfe von Online-Videos auf Prüfungen vor. Um unterwegs lernen zu können, haben wir von der Sparkasse ein iPad bekommen. Außerdem nutzen wir mittlerweile eine App, in der wir unseren Ausbildungsplan bearbeiten, unser Berichtsheft führen, mit den anderen Azubis chatten und uns gegenseitig Dateien zur Verfügung stellen können.Das trifft auch auf die Kleiderordnung zu: Zu Beginn meiner Ausbildung waren Anzug und Krawatte noch Standard. Wenn man wie ich auf einem Bauernhof groß geworden ist, ist das am Anfang auf jeden Fall ungewohnt. Mittlerweile sind die Kleidervorschriften aber lockerer. Die Krawatte habe ich schnell an den Nagel gehängt.Ich wurde schon öfter gefragt, ob Bankkaufmann nicht ein aussterbender Beruf sei. Ich frage dann gern zurück, ob die Leute irgendwann kein Geld mehr brauchen. Natürlich wird auch das Bankwesen immer digitaler und das Berufsbild wird sich verändern, aber aussterben wird der Beruf mit Sicherheit nicht.Am meisten Spaß macht mir die Beratung. Für den Beruf ist es sehr wichtig, dass man reden kann, um mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Wer gern im Kontakt mit Kunden ist und offen auf neue Leute zugeht, ist in diesem Beruf gut aufgehoben.

Hat man den ganzen Tag mit Zahlen zu tun, wenn man bei einer Bank arbeitet?

Julia, 24, absolviert ein Traineeprogramm bei der UmweltBank in Nürnberg

Nach meiner Ausbildung zur Bankkauffrau habe ich BWL studiert und mich anschließend für das Traineeprogramm beworben. Wie bei anderen größeren Unternehmen gibt es auch bei einer Bank verschiedene interne Abteilungen, da unterscheiden wir uns nicht von anderen Branchen. Im Laufe des Traineeprogramms lerne ich drei davon näher kennen. Das ist super, um herauszufinden, was einem am meisten liegt.Die UmweltBank ist die einzige Bank in Deutschland, die den Umweltschutz in ihrer Satzung verankert hat. Man merkt, dass das für alle Kollegen ein wichtiges Anliegen ist. Das Geld wird ethisch und nachhaltig angelegt. Das heißt, die Unternehmen, in welche unsere Fonds investieren, produzieren zum Beispiel keine Waffen und investieren nicht in Kinderarbeit. Stattdessen werden unter anderem Wind- und Solarparks oder der Bau von Kindergärten und Studentenwohnheimen gefördert. Das Arbeitsklima ist sehr familiär, alle sind sehr umgänglich und bodenständig.Man kann sehr zahlenlastig in einer Bank arbeiten, wenn man will, zum Beispiel in der Buchhaltung oder im Controlling – muss man aber nicht. Trocken ist es schon allein deshalb nicht, weil es immer um Menschen geht: In der Finanzierungsabteilung kümmert man sich um die Kunden, in der Personalabteilung um die Mitarbeiter.

Ist ein Versicherungsberuf nicht etwas trocken?

Joleen, 22, absolviert ein duales Studium bei der Versicherungsgruppe Debeka in Koblenz

Anfangs konnte ich mir auch nicht viel unter der Arbeit bei einem Versicherungsunternehmen vorstellen. Schaut man aber hinter die Kulissen, wird schnell klar, dass es sich nicht um einen langweiligen Bürojob handelt. Die Schadenabwicklung in den verschiedenen Versicherungssparten kann sehr spannend sein, je nach Fall arbeitet man wie ein „Detektiv“ und befragt alle Beteiligten, um den Unfallhergang zu rekonstruieren und die Haftungsfrage zu klären. Aber das ist noch nicht alles – vom Juristen, der arbeitsrechtliche Sachverhalte prüft, über den Mathematiker, der die mathematischen Grundlagen festlegt, bis hin zum Grafikdesigner, der die Flyer und Prospekte für die Kunden gestaltet, findet man hier die verschiedensten Jobs.Ich selbst arbeite aktuell in der Personalabteilung. Als duale Studentin lerne ich verschiedene Abteilungen kennen und wechsle alle drei Monate zwischen Unternehmen und Hochschule. So kann ich mein Wissen aus dem Studium direkt in der Praxis anwenden. Dadurch fällt mir das Lernen viel leichter.Die Vorurteile gegenüber Versicherungen kommen vermutlich daher, dass sich viele Menschen ungern mit Negativem wie schweren Krankheiten, Unfällen oder deren Folgen auseinandersetzen. Wie wichtig es ist, finanziell vorzusorgen merkt man leider erst dann, wenn es meist schon zu spät ist. Ein wirklich guter Versicherungsberater ist jemand, der einem dabei hilft, sich individuell abzusichern. Er besitzt das nötige Fachwissen für komplexe Sachverhalte und Hochrechnungen und ist alles andere als ein Klinkenputzer.

Gierige Zocker, Bankenskandale, Finanzkrise – wird man als Bankerin oft mit Vorurteilen konfrontiert?

Carolin, 24, absolviert ein Traineeprogramm bei der Commerzbank in der Vermögensverwaltung

Als ich in meiner Familie erzählt habe, dass ich bei einer großen Bank anfange, waren viele erst mal skeptisch. Natürlich gab es in den letzten Jahren so manchen Skandal bei den großen Banken. Ich denke aber, das schlechte Image tragen Banken zu Unrecht. Im Fall meiner Familie war es eher so, dass ihnen das Kapitalmarktgeschäft relativ fremd ist. Kein Wunder, als Nicht-Banker hat man damit ja auch eher wenige Berührungspunkte. Je mehr meine Familie aber mitbekommt, was genau ich mache, desto mehr verschwindet ihre Skepsis.In der Abteilung Investmentstrategie, in der ich aktuell eingesetzt bin, beobachten wir täglich die weltweiten Aktienmärkte, informieren uns über aktuelle Themen wie Brexit und Handelskonflikt und leiten daraus Investmentchancen für unsere Kunden ab. Außerdem entwickeln wir computerbasierte Modelle, die helfen sollen, das Risiko für unsere Kunden zu minimieren.Die Arbeit ist superspannend und abwechslungsreich. Wenn wir morgens ins Büro kommen, können wir noch nicht ahnen, was an den Märkten passiert. Ob es ein provokanter Tweet von Donald Trump ist oder eine ungeahnte Wendung im Brexit-Verlauf – das alles kann die Märkte aus dem Gleichgewicht bringen. Zu sehen, wie sich die weltweiten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Zahlen niederschlagen, finde ich extrem interessant. [yaez-box]Was ganz wichtig ist für die Arbeit bei der Bank erklärt Silvia Klausing von der Agentur für Arbeit: https://www.yaez.de/zukunft/arbeiten-bei-der-bank-oder-einer-versicherung-silvia-klausing-klaert-auf/[/yaez-box](Fotos: Monika Keiler)
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