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In Europa zu Hause: Freiwilligenarbeit im Ausland




„Ich will am Konzept Europa mitarbeiten“

Maike, 18, betreut gerade Kinder in Lettland

Nach meinem Abitur wollte ich nicht sofort studieren, sondern stattdessen raus von zu Hause, etwas von der Welt sehen. Meine Schwester hatte vergangenes Jahr einen Europäischen Freiwilligendienst absolviert, so kam ich auf die Idee mich ebenfalls dafür zu bewerben. Meine Entsendeorganisation schlug mir ein Projekt in Lettland vor. Lettland? Ich hatte keine Ahnung von dem Land, von der Sprache, der Kultur und dachte aber: Ja, warum eigentlich nicht? Vier Stunden von der Hauptstadt Riga entfernt und nur wenige Kilometer unweit von der russischen Grenze, in einem kleinen Örtchen mitten auf dem Land, kümmere ich mich nun seit ein paar Monaten um Kinder und Jugendliche aus der Region, gebe ihnen Englischunterricht oder bastle mit ihnen.

Wenn ich nicht arbeite, versuche ich möglichst viel zu reisen, durch die Nachbarstaaten Estland und Litauen, aber auch nach Russland: Dort hatte ich vor ein paar Wochen eine Begegnung, die mich sehr nachdenklich gemacht hat: In Moskau traf ich in einem Hostel einen jungen Mann. Er wollte wissen woher ich komme und wo ich überall schon war. Dann erzählte er mir, dass er sein Heimatland noch nie verlassen habe. Viele Menschen nehmen Privilegien, die wir EU-Bürger genießen, wie die Freizügigkeit, als Selbstverständlichkeit, statt als einzigartige Möglichkeit. Eigentlich hatte ich den Plan, nach meiner Rückkehr aus Lettland Deutsch und Anglistik zu studieren, aber nun habe ich ein anderes Ziel: Ich werde in Passau mit European Studies beginnen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, eines Tages in einer EU-Organisation zu arbeiten und dort am Konzept der Europäischen Union mitzuwirken, es weiterzuentwickeln und es mehr Menschen zugänglich zu machen.“

„Vergesst die Menschen in den ländlichen Regionen nicht“

Thomas, 22, war für ein Jahr als Erzieher in Frankreich

 „Vor fast vier Jahren wurde ich über Nacht von Thomas, dem Schüler, zu Thomas, dem Erzieher. Nach dem Abitur zog ich für zehn Monate nach Frankreich, um dort im Rahmen des EFD in einem Heim für Kinder und Jugendliche zu arbeiten, die aus schwierigen Verhältnissen kommen. Die Mischung aus sozialem Engagement, der französischen Kultur und dem Austausch auf Seminaren mit jungen Menschen aus der ganzen Welt erschien mir verlockend.So erlebte ich die Vorzüge der Freiheiten der Europäischen Union, und gewann gleichzeitig durch Berichte von Freiwilligen aus der Türkei und Tunesien auch einen Blick auf die Schattenseiten einer EU, die sich nach außen abschottet. Mein Einsatzort war ein 200-Seelen-Dorf in der nordfranzösischen Picardie. Während meines Aufenthalts fanden dort Regionalwahlen statt. Dabei holte der rechtsradikale Front National im ersten Wahlgang vielerorts die meisten Stimmen – auch in meinem Dorf.Ich habe mich gefragt, wie es sein kann, dass so viele Menschen eine Partei wählen, die sich gegen das europäische Projekt mit offenen Grenzen und dem Euro ausspricht – und somit auch gegen meinen Aufenthalt als europäischer Freiwilliger –  und sich gleichzeitig mir gegenüber oft offen und herzlich zeigten. Eine Antwort ist vielleicht, dass sich viele Einwohner in dieser ländlichen Region, wo es viele schlecht bezahlte Jobs und viel Arbeitslosigkeit gibt, abgehängt fühlen. Ich finde: Wenn die EU als Projekt fortbestehen soll, die wir gerade im Kampf gegen globale Herausforderungen wie den Klimawandel brauchen, muss die Politik auch an die ländlichen Regionen und nicht nur die angesagten Städte denken – und das nicht nur in Frankreich.“

„Jugendarbeitslosigkeit und Finanzkrise kannte ich nur aus den Medien“

Marie, 21, bekam in Spanien ganz neue Einblicke

„Zwölf Jahre Schulbank drücken war genug: Nach meinen letzten Prüfungen und der Zeugnisausgabe überfiel mich ein richtiger Schulkoller und der Drang etwas Neues zu erleben. Ich wollte einfach weg, egal wohin, also bewarb ich mich für ehrenamtliche Einsätze bei den unterschiedlichsten Organisationen, in allen möglichen Ländern. Zusagen bekam ich unter anderem aus Peru und Spanien. Ich fand den Austauschgedanken, der hinter dem EFD steckt, toll und entschied mich für eine Stelle an der Universität Madrid, wo ich unter anderem Studierende mit Behinderung in ihrem Unialltag unterstützte. Meine Arbeit war spannend, am meisten beeindruckt und geprägt hat mich aber das Zusammentreffen mit jungen Menschen aus aller Welt, die ebenfalls am EFD teilgenommen haben. Sie haben mir einen neuen Blick auf Europa verschafft: Darauf, dass wir eine Einheit sind, aber dank der Orte, an denen wir aufgewachsen sind, doch Unterschiedliches erlebt haben, und dass jeder EU-Bürger somit seine Sorgen und Nöte hat, an denen wir aber nur gemeinsam arbeiten können. Themen wie Jugendarbeitslosigkeit und Finanzkrise kannte ich bis dahin nur aus den Medien, durch meine neuen Freunde erlebe ich sie ganz real. Diese Erfahrung hat mich auch dazu gebracht, nach meiner Rückkehr Politikwissenschaft zu studieren und mich ehrenamtlich für Europa zu engagieren, beispielsweise in einer Stiftung, die Schülerinnen und Schülern die Geschichte und die Aufgaben der Europäischen Union nahebringt, weil ich hoffe, dass so mehr junge Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und mitentscheiden, was für ein Europa wir in ein paar Jahren haben werden. Außerdem arbeite ich in der Redaktion von http://www.treffpunkteuropa.de/, dem Webmagazin der Jungen Europäischen Föderalisten, das Artikel in sieben Sprachen publiziert.“
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