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Ich nehm noch was dazu: Duale Studiengänge




Handwerk plus BWL

Christoph, 19, Elektroniker im ersten Lehrjahr und dualer Student Betriebswirtschaft für kleine und mittlere UnternehmenDas Handwerk liegt bei uns in der Familie, mein Vater führt einen Elektrobetrieb. Trotzdem konnte ich mir lange nicht vorstellen, einmal ins elterliche Unternehmen einzusteigen. Das Umdenken kam erst kurz vor dem Abitur. In den Sommerferien jobbte ich bei einem Hausmeister, übernahm kleinere Reparaturen und kümmerte mich um den Sperrmüll. Die praktische Arbeit hat mir viel Spaß gemacht, gleichzeitig war ich ziemlich angeödet von der Schule. Ein reines Studium kam deshalb auch nicht in Frage. Durch Zufall erfuhr ich von der Möglichkeit eines dualen Studiums im Handwerk. Neben der Ausbildung kann man dabei an einer Berufsakademie seinen Bachelor machen. Meine Lehre zum Elektroniker mit Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik mache ich nun bei meinem Vater. Außerdem studiere ich Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt auf kleine und mittlere Unternehmen. Diese Kombination ist eine gute Vorbereitung auf die Übernahme unseres Familienunternehmens. Im Moment bin ich aber noch ein ganz normaler Lehrling. Unser Betrieb arbeitet vor allem für Privatpersonen, saniert Wohnungen oder übernimmt den Service für Hausverwaltungen. Ich fahre jeden Morgen mit den Gesellen auf die Baustelle oder zu Kunden und übernehme dort kleinere Elektroarbeiten – zum Beispiel die Befestigung von Leitungen in der Wand oder die Montage von Steckdosen. An ruhigeren Tage helfe ich außerdem im Büro. So lerne ich alle Abläufe im Unternehmen kennen. Im Oktober hat auch mein Bachelorstudium begonnen. Alle zwei Wochenenden habe ich Vorlesungen und Seminare, außerdem gibt es drei größere Unterrichtsblöcke im Jahr. Dazu kommen noch Hausarbeiten und Klausuren. Natürlich ist ein duales Studium auch manchmal anstrengend, gerade wenn man sich nach einem langen Arbeitstag noch zum Lernen „motivieren“ muss. Bereut habe ich die Entscheidung trotzdem noch nicht.

Gummireifen plus Technologie

Tristan, 19, dualer Student Bachelor of Business Administration bei einem TechnologieunternehmenIch wollte nach meinem Abitur aus zwei Gründen dual studieren: Ein duales Studium ist besonders praxisnah. Außerdem garantieren viele Unternehmen nach dem Abschluss eine Übernahme. Diese Sicherheit hätte ich nach einem normalen Hochschulstudium nicht. Natürlich spielte für mich auch das feste Ausbildungsgehalt eine wichtige Rolle. Deshalb schrieb ich kurz vor dem Abi rund 30 bis 40 Bewerbungen und bekam einige Zusagen. Am Ende entschied ich mich für das duale Studium bei Continental. Deren Produkte sagten mir zu – ich interessiere mich sehr für Autos und Technik. Das Unternehmen produziert nämlich nicht nur Reifen und Gummischläuche, sondern beschäftigt sich auch mit spannenden Themen wie dem autonomen Fahren oder der Elektromobilität. Anders als in einem normalen Studium wechseln sich bei mir Theorie und Praxis alle drei Monate ab. In jeder Praxisphase lerne ich eine neue Abteilung kennen. Während der drei Monate übernehmen wir schnell Verantwortung und führen eigene, kleine Projekte durch. Auch eine Hausarbeit zu einem aktuellen Thema aus den Abteilungen gehört dazu. Bisher war ich zweimal im Vertrieb. Dort war ich mit den Kundenbetreuern unterwegs und habe mich um die Bestellungen von Reifenhändlern gekümmert. In meiner dritten Praxisphase war ich im Produktmanagement von Gummischläuchen. In den Theoriephasen an der Fachhochschule bekommen wir das nötige Hintergrundwissen für unsere Arbeit. Wir beschäftigen uns mit Handelsrecht, Kalkulationen von Aufträgen oder der Entscheidungsfindung von Kunden. Durch die Einblicke aus der Praxis lassen sich die theoretischen Inhalte ziemlich gut einordnen. Besonders freue ich mich auf den Praxisblock im Sommer. Ich gehe für drei Monate nach Ecuador. Von der dortigen Firmenzentrale aus wird die gesamte Reifenproduktion der südamerikanischen Andenregion verwaltet. Höchstwahrscheinlich werde ich dort in der Controlling-Abteilung arbeiten. Natürlich hoffe ich auch etwas von dem Land zu sehen. Als Vorbereitung darauf lerne ich gerade Spanisch.

Ergotherapie plus Management

Ann-Cathrin, 24, Ergotherapeutin und Studentin im Bachelor Interdisziplinäre Gesundheitsversorgung und Management Nach meinem Abi wollte ich eigentlich Profilerin bei der Polizei werden. Allerdings stellte sich mein Pädagogik-, Psychologie- und Soziologie-Studium als ziemlich trocken raus. Danach probierte ich es mit Jura, auch hier sprang der Funke nicht über. Deshalb entschied ich mich für eine Ausbildung zur Ergotherapeutin. Dabei kann ich Kranke oder Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag unterstützen. Eine ziemlich erfüllende Aufgabe, die mich auch dazu motiviert hat, noch einmal an die Hochschule zurückzukehren. In dem Studiengang „Interdisziplinäre Gesundheitsversorgung und Management“ kommen ganz verschiedene Gesundheitsberufe zusammen. Meine Kommilitonen sind Hebammen, Physiotherapeuten, Logopäden oder Alten- und Krankenpfleger. Diese unterschiedlichen Perspektiven sind aus meiner Sicht ein großer Gewinn. Man lernt unheimlich viel über die anderen Berufe Erfahrungen, von denen ich auch im Alltag profitiere. Immerhin arbeiten Ergotherapeuten gerade in Rehaeinrichtungen oder Krankenhäusern, aber auch in einer Praxis eng mit Ärzten, Pflegekräften oder Physiotherapeuten zusammen. Auf unserem Stundenplan stehen außerdem Fächer wie Kommunikation, Personalmanagement oder Betriebswirtschaftslehre. Mit diesen Inhalten werden wir zum Beispiel auf Führungspositionen in Krankenhäusern oder der Teamleitung in Therapieeinrichtungen vorbereitet. Ich interessiere mich vor allem für den Bereich „Gesundheitsförderung und Prävention“ und die Frage „Wie können Menschen gesund leben und arbeiten?“. Die Ansätze dafür sind vielfältig und reichen von gesunder Ernährung über mehr Bewegung im Alltag bis zu rückenschonendem Arbeiten. Ich könnte mir gut vorstellen, in einem größeren Unternehmen oder für eine Behörde Gesundheitsprojekte umzusetzen. Bald beginne ich deshalb auch ein Studienpraktikum im Gesundheitsamt und beschäftige mich dort mit Gesundheitsförderung und Präventionsprojekten.

Die herkömmliche Ausbildung stößt an ihre Grenzen

Welche Studiengänge sind besonders beliebt, welche Angebote gibt’s und wie sind die Perspektiven? Unser dualer Faktencheck schafft Klarheit. Besonders beliebt als duale Studiengänge sind die Ingenieurwissenschaften. Vor allem große Industriebetriebe bieten umfangreiche Nachwuchsprogramme. Die Bandbreite reicht dabei von Robotik über industrielle Produktion bis zu Elektromobilität.Auf Platz zwei der häufigsten dualen Studiengänge liegen die Wirtschaftswissenschaften. Die Grundlage bei fast allen Ausbildungsprogrammen ist ein Betriebswirtschaftsstudium, dazu bieten viele Unternehmen eine Spezialisierung an – zum Beispiel auf Controlling, internationales Management oder Handel.      In der anwendungsorientierten Informatik wächst das Angebot stetig. Gerade Industriebetriebe bilden heute Informatiker sehr technisch aus und setzen sie zum Beispiel als Experten für Robotik oder vernetzte Produktionsstraßen ein. Aber auch in klassischen IT-Arbeitsfeldern wie Webentwicklung oder Cybersicherheit gibt es duale Studienangebote. Inspiriert durch die europäischen Nachbarn steigt auch die Zahl der dualen Studiengänge im Sozial- und Gesundheitswesen. Hauptgrund dafür sind die gestiegenen Anforderungen an die Arbeit. Kranken- und Altenpfleger, aber auch Physio- oder Ergotherapeuten haben es mit immer älteren und immer kränkeren Patienten zu tun. Dazu kommt eine steigende Zahl an Managementaufgaben. Die herkömmliche Ausbildung stößt dabei an ihre Grenzen. Das haben auch immer mehr Kliniken oder Pflegeeinrichtungen erkannt und bieten inzwischen duale Studiengänge mit medizinischem oder Managementschwerpunkt an. [yaez-box]Infos zum dualen Studium gibt’s hier:www.wegweiser-duales-studium.dewww.ausbildung.de/duales-studiumwww.einstieg.com/studium/duales-studium[/yaez-box]Ah so!Etwa die Hälfte aller dualen Studiengänge sind praxisintegrierend. Neben dem Studium an einer Hochschule gibt es immer wieder längere Praxisphasen im Unternehmen. Einen zusätzlichen Berufsabschluss gibt es aber nicht.Die restlichen dualen Studiengänge sind ausbildungsintegrierend. Die Berufsausbildung im Betrieb und das Studium laufen parallel. Am Ende haben die Absolventen einen Studienabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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