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Generation Praktikum: Warum mehr manchmal mehr ist




Charly in StuttgartWir treffen Charlotte, kurz Charly, in einer versteckten Hinterhof-Werkstatt in Stuttgart. Durch einen kleinen Eingangsraum, in dem mehrere Grabsteine ausgestellt sind, gelangt man in eine helle Halle. Zwischen Skulpturen aus Stein, großen Maschinen und Werkzeugen, steht die 20-Jährige Rekordpraktikantin für die Journalisten bereit. Ab und zu schweift ihr Blick ins Leere ab und man erkennt: Viel Zeit hat sie dafür nicht. Trotzdem nimmt sie etwas für die Ewigkeit mit: Einen Stein mit ihrem Nachnamen.Zwei Tage hier, zwei Tage dortHinter dem ganzen Projekt steckt eine Menge Organisation. Die Organisation Das Handwerk steht mit dem Motto #einfachmachen der Praktikantin zur Seite und plant alles im Hintergrund. Charly besucht Betriebe und lernt so die unterschiedlichsten Berufe kennen. Sie war schon als Friseurin, Feinwerk-Mechanikerin, Baugeräteführerin und Dachdeckerin unterwegs. Sie übernachtet in Hotels, Hostels und auch airbnb-Wohnungen und reist von einer Stadt zur nächsten. Am Abend hält sie ihre Eindrücke fest und postet Videos aus dem Hotelzimmer oder von unterwegs.https://www.instagram.com/p/BcndmuplClb/?taken-by=dierekordpraktikantenAnders als AustralienWie kommt man eigentlich dazu 44 Praktika im Handwerk zu machen? Bei Charly war es eher ein Zufall. Sie hat bereits ein Auslandsjahr in Amerika gemacht und wollte eben nicht nach Australien. Von dem Projekt hat sie über Facebook erfahren. Eine Freundin hat sie unter dem Beitrag markiert und sie hat sich einfach beworben. Sie gibt zu, dass ihr nicht alle Berufe gefallen – aber das sollen sie ja auch gar nicht. Charly findet, dass wir manchmal vergessen, wozu ein Praktikum eigentlich auch da ist: Herausfinden, ob der Beruf was für einen ist. Also: #einfachmachen.Sattler, Seiler und Social MediaDie Praktikanten bekommen Einblicke in Berufe, von denen sie vorher nicht mal wussten und teilen die Eindrücke nach der Arbeit auf YouTube, Instagram und Facebook. Der klassische Praktikumsbericht wird durch den Social Media Auftritt ersetzt. Charly findet das richtig gut: „Ich könnte mir vorstellen, sowas später auch beruflich zu verknüpfen.“ Da sie viel Leistungssport in ihrer Freizeit macht, überlegt sie, später Sportjournalistin zu werden.https://www.instagram.com/p/BcYBQW0lnMB/?taken-by=dierekordpraktikantenAber wer weiß, was das Handwerk noch so für die Flensburgerin bereithält - die Arbeit auf Baustellen gefällt ihr eher nicht so gut, dafür wäre sie beim Fotografen aber gerne länger geblieben. Eine Option auf Verlängerung wäre vielleicht gar nicht schlecht gewesen. Als Kurzzeit-Sattlerin hat sie für ihr Pferd einen eigenen Stirnriemen gefertigt: [pullquote]Ich mag das Gefühl, etwas fertig gemacht zu haben. Was einfach alle sehen können.[/pullquote]
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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