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Gar nicht brotlos: Kreativberufe im Branchenfokus




Die Modistin

Gina, 19, macht eine Ausbildung zur Modistin am Niedersächsischen Staatstheater in Hannover.Mit der Schule war ich oft in der Oper und im Theater. Auf mich übte die Bühnenwelt immer eine magische Anziehung aus. Deshalb wollte ich nach dem Abi unbedingt hinter die Kulissen blicken und absolvierte Praktika in verschiedenen Theatern in Niedersachsen. Dabei wurde mir klar, dass ich mir keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen kann, als ein Theater. Es gibt so spannende Theaterberufe: Bühnen- und Kostümbildner, Rüstmeister und eben Modisten. Also bewarb ich mich für die Ausbildung zur Hutmacherin – eine absolute Bauchentscheidung. Nähen war schon immer mein Hobby. Mit Kopfbedeckungen kannte ich mich dagegen kaum aus. Umso interessanter erschien mir diese Ausbildung. Meine eher ungewöhnliche Berufswahl habe ich bisher nicht bereut, auch wenn ich ziemlich oft erklären muss, was eine Modistin eigentlich macht. Mein Alltag am Theater ist sehr vielseitig und unheimlich kreativ. Zusammen mit meinen Kolleginnen kümmere ich mich um sämtliche Kopfbedeckungen auf der Bühne – vom Chor bis zu den Hauptdarstellern. Meistens haben die Kostümbildner schon ungefähre Vorstellungen über das Aussehen der Hüte, die Details bleiben aber uns überlassen. Von der ersten Idee bis zur endgültigen Anprobe arbeite ich ein bis zwei Tage an einem Hut. Manchmal geht es auch schneller, gerade wenn die Kopfbedeckungen aus dem Fundus kommen und nur aufbereitet werden müssen. Manchmal auch länger, wenn die Arbeitstechnik für mich neu oder der Hut aufwendiger ist. Besonders reizvoll ist für mich die Kombination aus Kunst und Handwerk. Ich arbeite mit vielen verschiedenen Materialien – Textilien, Filz, Stroh oder Federn – und entwickle daraus Kopfbedeckungen, die man so auf der Straße kaum tragen würde. Gleichzeitig habe ich am Ende des Tages etwas Handfestes vor mir. [pullquote]Es ist ein tolles Gefühl, das eigene Handwerk auf der Bühne zu sehen.[/pullquote] Zum Beispiel wurden gleich meine ersten Arbeiten Teil der Operette „König Karotte“ – ein Stück, bei dem vor allem Gemüse auf der Bühne steht. Entsprechend ungewöhnlich waren auch die Kopfbedeckungen.  

Der Mediengestalter

[pullquote] Ich muss kreativ, aber auch sehr präzise sein[/pullquote]Julian, 25, absolviert eine Ausbildung zum Mediengestalter für Print und Digital bei Scholz & Friends Trademarks. Nach der Schule habe ich Koch gelernt und einige Jahre in der Küche gearbeitet. Richtig erfüllt hat mich das aber nicht. Deshalb fing ich an, in meiner Freizeit erste Videos zu schneiden und mich mit Grafikprogrammen wie Photoshop und InDesign zu beschäftigen. Anfangs war es ein reines Hobby. Ich drehte Videos für Freunde oder entwarf hier und da eine Website. Je mehr ich mich aber mit Mediendesign beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass darin meine berufliche Zukunft liegen könnte. Auf der Suche nach einer passenden Einstiegsmöglichkeit stieß ich auf die Ausbildung zum Mediengestalter für Print und Digital. Grundsätzlich kann man die in vielen verschiedenen Unternehmen oder Verlagen machen. Mich reizte vor allem die Werbebranche. Werbung ist ein Teil unseres täglichen Lebens, jeder kommt mit ihr in Berührung. Einen passenden Ausbildungsplatz fand ich bei Scholz & Friends Trademarks. Die Agentur ist auf Handelsmarken spezialisiert und gehört zu einer der größten Agenturgruppen des Landes. Seit August letzten Jahres arbeite ich nun im Bereich Verpackungsdesign für einen großen Discounter. Wir entwerfen die Designs für neue Produkte und überarbeiten bestehende Verpackungen. Das Spektrum reicht von Pizzakartons über Müsliverpackungen bis zu Gourmetprodukten. Ich konnte von Anfang an eigene Ideen einbringen und kleinere Layoutprojekte übernehmen. Neben Kreativität sind dabei auch Gründlichkeit und Zuverlässigkeit wichtig. Die Entwürfe müssen wir rechtzeitig einreichen und uns dabei auf den Millimeter genau an die Maße der Verpackung halten. Diese Mischung aus Präzision und Kreativität gefällt mir gut.[pullquote] Natürlich ist es auch ein schönes Gefühl, seine eigenen Entwürfe tatsächlich im Supermarktregal zu sehen[/pullquote] und zu wissen, dass sie Kunden zum Kaufen animieren. 

Die TV-Redakteurin 

Carina, 27, arbeitet als TV-Redakteurin bei der Produktionsfirma Bavaria Entertainment.Ich habe in Köln „Mehrsprachige Kommunikation“ studiert. Damit kann man alles oder nichts machen – Übersetzen, Kultur oder eben Journalismus. Viel wichtiger für meine Berufsentscheidung war ein Seminar während meines Auslandssemesters in Kolumbien. [pullquote] Die meisten landen per Zufall beim Fernsehen.[/pullquote]  Wir drehten kleinere TV-Reportagen und ich stand als Moderatorin vor der Kamera. Eine tolle Erfahrung. Wieder in Deutschland machte ich dann Praktika bei einer Tageszeitung, in der Nachrichtenredaktion von RTL Hessen und bei der TV-Sendung „Hirschhausens Quiz des Menschen“. Besonders die Arbeit bei der Quizshow gefiel mir gut.Nach dem Studium entschied ich mich deshalb für ein Volontariat bei der Produktionsfirma Bavaria Entertainment. Dort arbeite ich auch heute noch als Redakteurin und bin unter anderem für „Die beste Klasse Deutschlands“ mitverantwortlich. Bei dem Schülerquiz, das bei KiKA und im Ersten gezeigt wird, treten Schulklassen gegeneinander an. Sie müssen Wissensfragen aus den unterschiedlichsten Bereichen beantworten. Wer das wöchentliche Duell und das Wochenfinale gewinnt, kommt ins Superfinale und spielt um eine Klassenfahrt ins Ausland. In diesem Jahr geht es für die Sieger nach Athen. Meine Hauptaufgaben als Redakteurin sind die Themenrecherche und die inhaltliche Betreuung von Drehs rund um die Sendung. Zum Beispiel waren wir gerade mehrere Tage in der griechischen Hauptstadt und haben eine Vorbesichtigung für unser Superfinale gemacht. Dort werden wir vier Antwortclips drehen, die Vorfreude auf die Klassenfahrt machen sollen. Bei den wöchentlichen Sendungen drehen wir diese Clips allerdings meistens in NRW. Außerdem interviewe ich regelmäßig die jungen Kandidaten der Klassen in unserem Studio. Besonders gefällt mir die große Abwechslung in meinem Job – ich bin viel unterwegs und lerne täglich etwas Neues. Über viele der Fragen würde man sich privat wahrscheinlich nie Gedanken machen. Manchmal ist man selbst völlig überfragt. Natürlich ist es auch schön für und mit Kindern zu arbeiten und ihnen Dinge einfach und verständlich zu erklären. Bis heute bin ich deshalb ein großer Fan von „Die Sendung mit der Maus“ und „Löwenzahn“.  
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