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Gar nicht brotlos: Ein Einblick in Kunstberufe




„Unsere Arbeiten findet man in New York, Sevilla oder Hongkong“

Julian, 25, absolviert eine Ausbildung zum GlasveredlerMein Start ins Berufsleben war holprig: Nach der Schule machte ich eine Ausbildung zum Industriemechaniker, doch der Beruf war mir zu eintönig. Ich bin ein kreativer Mensch, male sehr viel. Darum beschloss ich einen Neuanfang zu wagen und bewarb mich für eine Ausbildung zum Glasveredler. In meinem Ausbildungsbetrieb absolvierte ich zunächst ein einwöchiges Praktikum und bekam dann sofort die Zusage. Ich glaube, meine Chefin hat sich gefreut, dass sich ein Mann für das Thema interessiert, denn männliche Glasmaler gibt es nur sehr wenige. Im Verlauf der dreijährigen Ausbildung lernen wir Glasfenster, -türen und -bilder anzufertigen, sie mit den entsprechenden Motiven zu bemalen, einzusetzen und bei Bedarf zu restaurieren. Vor allem das Malen auf Glas, ob mit Pinsel oder Airbrush, macht mir unheimlich viel Spaß. Wenn ich einmal angefangen habe, vergeht die Zeit wie im Flug. Plötzlich ist der Arbeitstag rum und ich habe es nicht einmal gemerkt.Meine Zukunftsperspektive ist sehr gut, mein Betrieb hat mehr Aufträge, als er annehmen kann, Glasmaler werden dringend gesucht. Unsere Arbeit findet man weltweit, wir restaurieren zum Beispiel die Fenster der Kathedrale in Sevilla, haben Fenster für den Flughafen in Hongkong, für verschiedene U-Bahn-Stationen in New York und für das Ulmer Münster umgesetzt. Kürzlich bauten wir für die chinesische Stadt Shenzhen fünf Skulpturen aus Glas mit einer Höhe von rund 15 Metern. Unser Beruf wird auch niemals durch Maschinen ersetzt werden können, da bin ich mir sicher: Als Glasmaler braucht man handwerkliches Geschick, eine ruhige Hand und ein ausgeprägtes Gefühl für Farben. Das kann kein Roboter leisten.

„Malen ist für mich ein großes Glück“

Lasse, 27, studiert Malerei in HalleNach dem Abitur war ich als Freiwilligendienstler in Mittelamerika: In Nicaragua habe ich mit Kindern und Jugendlichen Wandbilder gemalt und dabei meine Begeisterung für die Malerei entdeckt. Zurück in Deutschland schrieb ich mich zunächst für das Fach Außerschulische Kunstpädagogik ein und bewarb mich nach meinem Bachelorabschluss für den Studiengang Malerei an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Ich hatte Glück – ich bekam einen Platz als einer von vieren unter über hundert Bewerbern. Meine Bilder zu beschreiben fällt mir nicht so leicht. Ich male Landschaften, Formen und Figuren und beschäftige mich dabei intensiv mit den Farben. Meine Werke sollen eine bestimmte Stimmung oder ein Gefühl transportieren. So handeln manche Bilder einfach nur vom Glücklichsein, andere erzählen von einer Wanderung in den Bergen oder von einem Traum. Jedes Bild auf seine Art und Weise. Ohne Kunst kann ich mir den Menschen nicht vorstellen. Malerei ist eine der ältesten und elementarsten Ausdrucksformen – dass ich ein Teil davon sein kann, ist fantastisch. Ob ich mit meiner Malerei finanziell erfolgreich sein werde, lässt sich nicht voraussagen, ist aber auch nicht das Entscheidende in meinem Leben. Ich habe großes Vertrauen in mich selbst und hoffe, dass ich immer Arbeits- und Lebensformen finden werde, auch mit weniger Geld erfüllt zu leben.Ich bin zufrieden im Hier und Jetzt. Wenn ich in meinem Atelier an der Hochschule bin, auf der Leinwand malen kann, meine Bilder mit meinen Kommilitonen bespreche oder mir Ratschläge von meiner Professorin einhole, dann bin ich zufrieden. Malerei ist für mich ein großes Glück.

„Ein Hut ist eine Anschaffung fürs Leben“

Johanna, 23, ist angehende HutmacherinDass ich Modistin werden möchte, wusste ich schon mit 13. Damals habe ich für ein Schulpraktikum nach einer passenden Stelle gesucht und bin bei einem Streifzug durch meine Heimatstadt Würzburg zufällig in einem Hutladen gelandet. An diesem Tag hat mich die Leidenschaft für das Thema gepackt und in den letzten zehn Jahren nicht mehr losgelassen. Heute lerne ich Hutmacherin in einem Betrieb in Witten im Ruhrgebiet. Ich liebe es, mit den Händen zu arbeiten, mit verschiedenen Materialien und Techniken zu experimentieren und nach einigen Stunden oder Tagen das Ergebnis in der Hand zu halten. Die Begeisterung der Kunden zu sehen, wenn sie das fertige Stück anprobieren, macht mich glücklich. Wenn ich mit meiner Ausbildung fertig bin, möchte ich zurück nach Bayern und dort meine eigene Werkstatt aufmachen. Ich glaube daran, dass ich damit erfolgreich sein kann, denn Hüte liegen wieder im Trend. Gerade in Bayern sind sie sowieso ein Dauerbrenner, schließlich gibt es dort viele Trachtenvereine und zu Lederhose oder Dirndl gehört nun mal der passende Hut. Aber auch im Alltag beobachten wir eine Rückkehr der Kopfbedeckungen: In unseren Laden kommen immer öfter junge Leute, die auf der Suche nach einem Hut oder einer Kappe sind. Das ist nicht nur eine Frage des Stylings, sondern berührt auch das Thema Nachhaltigkeit, denn so ein Hut ist tatsächlich auch etwas fürs Leben – man kann ihn immer wieder aufarbeiten lassen und hat so wirklich Jahrzehnte etwas von ihm. Mein eigener Kopf ist übrigens immer bedeckt: Ob Hut, Stirnband oder Kappe, als angehende Hutmacherin ist es Ehrensache, dass die Haare mit etwas Besonderem gekrönt werden.
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