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Games: Traumjob Weltenbauer, Figurentwerfer, Spielkonzepter




Leicht fiel Helen die Aufnahmeprüfung an der HTW Berlin nicht. Vier Monate lang tüftelte sie für ihre Bewerbungsmappe an einem kompletten Spielkonzept, erdachte ein Setting, klügelte eine Handlung aus und entwarf schließlich Figuren für ein eigenes Adventure. Am Ende zahlte sich Helens Mühe aber aus: Seit Oktober vergangenen Jahres ist die 19-Jährige eine von 41 Erstis, die im dritten Jahrgang Game Design in der Hauptstadt studieren - und befindet sich damit auf dem besten Weg, später professionell Videospiele zu entwickeln.Ungewöhnlich findet Helen ihren Berufswunsch ganz und gar nicht. „In den vorangegangenen Jahrgängen gab's an der Uni zwar spürbar mehr Männer“, geht sie auf die Klischeevorstellung ein, dass sich vornehmlich Jungs für den Job interessieren. „Aber bei mir besteht die Hälfte des Kurses aus Mädchen.“ Ebenso wenig ist Game Design ein nerdiges Nischenfach: Dass Helens Studiengruppe so überschaubar ist, liegt keinesfalls an mangelndem Interesse. „Man munkelt, dass sich um die 300 Leute auf das Studium beworben haben“, erzählt Helen. Doch die HTW Berlin hält die Studiengänge bewusst klein, um ein straffes Curriculum durchziehen zu können.Pro Woche absolvieren Helen und ihre Kommilitonen derzeit neun Vorlesungen, Seminare, Übungen und Projektfächer. Die reichen von der grundlegenden Theorie der Spiele bis zu deren kreativer Gestaltung. „In Digitale Werkzeuge lernen wir gerade die Basics in digitaler Gestaltung, also zum Beispiel Photoshop oder Flash“, berichtet Helen. Aber auch Informatik, 3D-Modellierung und mehrere Wahlfremdsprachen sieht der Lehrplan vor, um die jungen Spielentwickler allumfassend auf ihren Beruf vorzubereiten.

Kreativ im kleinen Team

Die Jobchancen der Game-Design-Studenten sind gut. Nicht nur, weil ihr Fach an der HTW Berlin deutschlandweit einzigartig ist und die Konkurrenz mit ähnlichem Profil entsprechend gering. Die Branche boomt derzeit ohnehin, der Games-Sektor ist inzwischen der weltweit am schnellsten wachsende Zweig der Unterhaltungsindustrie. Mit Bigpoint, Wooga oder Travian Games, die für Spiele wie „Seafight“, „Diamond Dash“ und „Travian“ verantwortlich sind, kommen einige innovative Player der Branche sogar aus Deutschland. Und die brauchen Nachschub an jungen Kreativen.In ein großes Unternehmen zieht es Helen nach ihrem Bachelor-Abschluss jedoch nicht zwingend. „Ich habe mehr Lust darauf, später in einem kleinen Team zu arbeiten“, erklärt sie. „Das ist vielleicht nicht ganz so lukrativ, man hat aber auf jeden Fall mehr Mitspracherecht.“ Aktiv mitgestalten zu können, ist Helen wichtig: „Spiele können dir intensiver als ein Buch oder ein Film dieses Gefühl geben, die Geschichte selber voranzutreiben. Und mein Ziel ist es, dazu beizutragen, eine glaubhafte und dichte Atmosphäre zu vermitteln, in der man sich gerne verliert.“Sieben Semester muss Helen noch meistern. Danach sind ihr als Storytellerin oder Designerin keine Grenzen mehr gesetzt. Außer der ihrer eigenen Fantasie.
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