www.yaez.com

Charles Bahr: „Im Hotel wird schon mal nach dem Muttizettel gefragt“




Charles hat nach der zehnten Klasse die Schule beendet und absolviert jetzt eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation. Sein Unternehmen tubeconnect media macht Marketing von Teenagern für Teenager.Wie kommt man mit 14 darauf, ein eigenes Unternehmen zu gründen?Ich habe damals einfach beobachtet, dass viele Marken Teenager erreichen wollten, aber gar nicht so recht wissen, wie. Mit zwei Freunden habe ich dann angefangen, Kunden dazu zu beraten. Seit etwas mehr als einem Jahr sind wir auch eine richtige Firma, die immer weiter wächst. Ist es seltsam, Firmenchef zu sein, aber viele Dinge nicht selbst entscheiden zu können?Das ist im Alltag gar nicht so schwer, wie die meisten denken. Klar, manchmal werde ich im Hotel beim Einchecken nach einem Muttizettel gefragt, aber meistens bin ich ja mit volljährigen Mitarbeitern unterwegs, da lassen sich solche Situationen immer recht einfach klären.Agenturgründer Charles BahrWie sieht denn ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?Ich stehe meist schon morgens um fünf Uhr auf. Oft bin ich auf Veranstaltungen in ganz Deutschland unterwegs, dann muss ich zum Bahnhof oder Flughafen und sowieso früh aufstehen – unterwegs kann ich eh besser arbeiten. An zwei Tagen in der Woche gehe ich zur Berufsschule und konzentriere mich in dieser Zeit auch total darauf. [pullquote]Meetings dauern bei uns intern oft nicht länger als 15 Minuten[/pullquote], wenn alle schnell auf den Punkt kommen. Manchmal sitze ich auch einfach nur zwei Stunden im Büro und beantworte offene Fragen aus dem Team. Hilft dir das, was du in der Schule gelernt hast, in deinem Arbeitsalltag?Ich habe in der Schule vor allem Strategien gelernt, mit denen ich Probleme lösen kann. Und den sozialen Umgang mit anderen. Aber ich muss sagen, dass mich die Lehrer nicht großartig bei der Umsetzung oder Entwicklung meiner eigenen Firma unterstützt haben. [pullquote]Ich würde mir wünschen, dass Schülern individueller dabei geholfen wird, ihre Stärken weiterzuentwickeln.[/pullquote] Was weißt du, was ein 40-Jähriger nicht weiß?Natürlich habe ich nicht die Lebenserfahrung, die ein älterer Firmenchef hat, aber ich weiß, wie meine Generation tickt und welcher Art von Werbung sie kritisch oder eben offen gegenübersteht. Das ist für Marken extrem viel wert. Unser Team möchte ja nicht vermitteln, dass wir in allem die besten sind und schon Bescheid wissen, sondern oft nur unsere Perspektive anbieten.Was rätst du Schülern, die ihre Idee umsetzen wollen und sich nicht so recht trauen?Ich habe als Schüler in der neunten Klasse ein Pflichtpraktikum in einer Marketingagentur gemacht. Ich kann jedem nur empfehlen, diese Möglichkeit zu nutzen. Und nicht den erstbesten Praktikumsplatz zu nehmen, nur weil dem Onkel die Firma gehört. [pullquote]Schaut euch um, in welchen Bereichen ihr noch mehr lernen möchtet![/pullquote] Ich bin damals über meine drei Wochen Praktikumszeit hinaus geblieben, einfach, weil es mir Spaß gemacht hat und ich viel lernen durfte.Machst du auch ganz normale Teenager-Sachen?Klar, an Wochenenden nehme ich mir viel freie Zeit, gehe mit Freunden feiern, schlafe bis zwölf Uhr aus und mache einfach mal nichts. Ich bin wirklich nicht so anders als andere in meinem Alter, ich habe nur das große Glück, schon das gefunden zu haben, was mir unglaublich viel Spaß macht und was ich gern jeden Tag tue. 
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
URL: