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Berufswahl: Auf der Suche nach Sicherheit




[pullquote]Ich wollte Action, aber auch Sicherheit![/pullquote]PolizeiAm Münchner Hauptbahnhof herrscht der übliche Trubel: Züge fahren zischend ein, durch die Lautsprecher schallen Durchsagen, Reisende ziehen ihre Koffer hinter sich her und kaufen auf den letzten Drücker noch einen Fahrschein oder einen Kaffee.Irgendwo dazwischen läuft Jamie, ausgerüstet mit Uniform, Schlagstock, Pfefferspray und Waffe, zusammen mit ihren Kollegen zuständig für die Sicherheit an allen Bahnhöfen und S-Bahn-Strecken der Stadt. Schon als Grundschülerin wusste die gebürtige Bayerin, dass sie einmal Polizistin werden möchte. Als sie später auf die Realschule und dann auf die Fachoberschule wechselt, um Abitur zu machen, wird der Plan konkret: „Ich wollte einen Beruf, mit dem ich etwas verändern und bewirken kann und der mir als Vollzugsbeamtin des Staates eine gewisse Sicherheit bietet.“

Ein Test, der es in sich hat

2012 bewirbt sie sich um einen Ausbildungsplatz bei der Bundespolizei. Bei einem umfangreichen Eignungstest muss sie sich beweisen: Wie steht es um ihre Englischkenntnisse? Wie gut ist ihre Konzentrationsfähigkeit? Und ganz wichtig: Ist sie sportlich genug für den Polizeidienst? Keine einfache Sache, dennoch bewerben sich jedes Jahr Zehntausende um einen Ausbildungsplatz im mittleren und gehobenen Dienst der Bundespolizei. Allein im Jahr 2017 waren es 21.000 Interessierte – nur 375 für den gehobenen Polizeivollzugsdienst und 2.264 für den mittleren Polizeivollzugsdienst wurden angenommen.Auch Jamie konnte sich bei ihrer Auswahlrunde vor sechs Jahren durchsetzen und lernte in mehrwöchigen Praktika die unterschiedlichen Einsatzbereiche wie Flughafen, Grenze und See kennen. „Die Entscheidung für den Bahnhof habe ich schnell getroffen. Ich liebe es, viel draußen zu sein, am Gleis oder auf der Straße im Viertel rund um den Bahnhof mit Menschen in Kontakt zu kommen.“

Diebstahl, Streit und Platzverweis

Sie hilft Reisenden, die auf der Suche nach dem richtigen Zug sind, verfolgt Diebstähle, schlichtet verbale und körperliche Streitigkeiten, überprüft die Identität von Personen, erteilt Platzverweise und muss hin und wieder sogar einen verlorenen Hund zu seinem Herrchen zurückbringen.[pullquote]Kein Tag ist wie der andere und genau das macht den Reiz aus.[/pullquote]Die einzige Stringenz in ihrer Tätigkeit ist die Dauer ihrer Schichten. Zwölf Stunden am Stück arbeitet die 25-Jährige, meistens drei Tage die Woche – mal von sieben Uhr morgens bis 19 Uhr abends, mal von 19 Uhr abends bis sieben Uhr morgens. Um sich von diesen intensiven Einsätzen zu erholen und Kraft zu tanken, hat sie anschließend einige Tage frei, ehe sie wieder für eine Schicht eingeteilt wird.In ihrer Dienstgruppe am Bahnhof ist Jamie eine von fünf Frauen. Polizist gelte nach wie vor als Männerberuf, sagt sie, aber eine Veränderung sei langsam spürbar: „Immer öfter kommen junge Mädchen als Praktikantinnen und die merken, dass das traditionelle Bild des großen, breiten, körperlich robusten Polizisten so gar nicht stimmt, sondern dass Frauen genauso gut für den Beruf geeignet sind“, sagt Jamie, die selbst 1,67 Meter groß und zierlich ist.

Worte sind unsere Waffen

Probleme sich Respekt zu verschaffen hat Jamie keine. „Als Bahnpolizistin sollte man natürlich nicht auf den Mund gefallen sein. Ein selbstsicheres, mutiges Auftreten muss man definitiv mitbringen. Meine Kollegen sagen immer, dass ich das wandelnde Beispiel dafür bin, dass die beste Waffe immer noch das gesprochene Wort ist“, lacht sie. Angst verspüre sie sehr selten. „Natürlich geraten wir hin und wieder in brenzlige Situationen, die drohen zu eskalieren, aber darauf werden wir in regelmäßigen Schulungen vorbereitet. Außerdem entwickelt man mit der Zeit eine gute Intuition.“ Eine gewisse Aufregung sei aber immer da: „Und das ist auch gut so. Die Anspannung sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit nicht nachlässt.“

Im Ausland die Sicherheit verbessern

Im Frühjahr des kommenden Jahres wird Jamie ihr gewohntes Arbeitsumfeld für einige Monate verlassen. Dann wird sie für elf Monate in einer deutschen Botschaft im Ausland arbeiten und dort mithelfen, das Sicherheitspersonal zu schulen. Wohin es genau geht, weiß sie noch nicht – das Ziel wird für gewöhnlich erst wenige Monate vor Abreise festgelegt. Eines allerdings ist sicher: Nach München wird Jamie in jedem Fall zurückkehren – der Bahnhof ist ihr mittlerweile ziemlich ans Herz gewachsen.[yaez-box]Auf der Suche nach SicherheitEine Umfrage des Marktforschungsinstituts Trendence im vergangenen Jahr unter 20.000 Schülern ergab: 26 Prozent wollen nach ihrem Abschluss in den öffentlichen Dienst. 2016 waren es nur rund 17 Prozent. Bereits damals löste der öffentliche Dienst die Automobilhersteller als populärste Branche ab. Ganz vorn auf der Beliebtheitsskala liegt ein Job bei der Polizei: Jeder sechste Schüler plant, sich dort zu bewerben. Die Bundeswehr liegt auf Rang drei, der Zoll auf Rang neun – somit sind mittlerweile drei Organisationen des öffentlichen Sektors in den Top Ten; neben bekannten Unternehmen wie Adidas, BMW, Audi und Daimler.Berufe im öffentlichen Dienst: von der Sozialversicherung bis zur BundeswehrZum öffentlichen Dienst gehören Jobs in der Verwaltung von Behörden, bei Sozialversicherungen, auf Ämtern wie der Bundesagentur für Arbeit, als Lehrer an Schulen oder Dozent an Hochschulen, als Mitarbeiter von staatlichen Krankenhäusern, als Angestellter im im Justizdienst und bei der Bundeswehr, als Teil der Bundesbank, des Kriminaldienstes oder beim Zoll.Infos findest du auf der Internetseite des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat oder direkt von der Bundespolizei.[/yaez-box] 
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