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Berufe aus der Zukunft: Jobtesterin Jannike Stöhr im Interview




Du bist selbst ernannte „Jobtesterin“ und probierst Zukunftsberufe aus. Wie bist du auf die Idee gekommen?Ich habe schon einmal Jobs getestet, um meinen Traumberuf zu finden. Heute bin ich Berufsberaterin und musste feststellen, dass es auf dem Arbeitsmarkt viele Veränderungen gibt. Daraufhin habe ich das Projekt gestartet: Ich möchte wissen, was kommt und welche neuen Jobs es geben wird. Du warst Service Designerin, Data Scientist oder Reputationsmanagerin. Was macht denn einen Beruf zu einem Zukunftsberuf?Zukunftsberufe entstehen aus Trends und Gegentrends. Ein Trend ist zum Beispiel die Digitalisierung. Was aber nicht heißt, dass wir alle Programmierer werden müssen. [pullquote]Auch in der Zukunft wird es verschiedene Berufe geben, die sich total unterscheiden.[/pullquote] Nur die Rahmenbedingungen sind gleich, weil in Zukunft eher selbst organisiert gearbeitet wird. Das heißt, die Verantwortung liegt bei den Mitarbeitern selbst.Neben unseren Berufen ändert sich in der Zukunft auch unser Arbeitsalltag … Genau. Früher hat der Chef etwas zu seinem Mitarbeiter gesagt, der hat das wiederum weitergegeben, und ganz unten waren die Leute, die den Auftrag ausgearbeitet haben. In Zukunft wird es wichtig, eigene Entscheidungen treffen zu können, kreativ zu sein und sich selbst zu kennen. Die klassischen Karrierewege wird es so nicht mehr geben. Stattdessen werden wir den Beruf wechseln und uns neu erfinden können. Das finde ich schön. Ein lückenloser Lebenslauf ist in Zukunft also nicht mehr so wichtig?So ist es. Ich habe auch sehr viel ausprobiert und gedacht, dass mir das meinen Lebenslauf kaputtmacht. Das Witzige ist, dass genau das Gegenteil passiert ist. Ich hab so viele Erfahrungen gesammelt, die ich jetzt miteinander verknüpfen kann, und das hat den Unternehmen gefallen. In Zukunft wird viel mehr anerkannt werden, wenn wir uns umentscheiden und den Beruf oder Bereich wechseln. [pullquote]Wir brauchen keinen lückenlosen Lebenslauf mehr.[/pullquote]Jobtesterin Jannike testet Berufe mit Zukunft und informiert als Berufsberaterin, wie sich unsere Berufswelt verändertWas rätst du Jugendlichen, die einen Beruf suchen?Stellt Thesen auf. Überlegt, welche Berufe gut zu euch passen könnten, und probiert sie im Anschluss aus. Nur durch das Testen bekommt ihr alle Informationen, um festzustellen, ob ein Beruf passt. Ihr müsst dabei nicht die perfekte Antwort finden. Ich glaube, es gibt heute mehr als einen passenden Beruf. Wenn ihr euch mit euch selbst auseinandersetzt und euch selbst gut kennt, dann findet ihr auch einen Job, in dem ihr zufrieden seid.Viele Zukunftsberufe haben Namen, unter denen wir uns nichts vorstellen können. Was macht denn eine Social Dreamerin?Social Dreaming ist ein Konzept, das das Unterbewusstsein aktiviert. Die Idee ist, spirituelle Methoden in der Wirtschaft zu nutzen. Eine Social Dreamerin leitet in Unternehmen Traumgruppen an, die gemeinsam zu einer internen Entscheidung „träumen“. Ein Traumthema ist zum Beispiel „Wir wollen besser zusammenarbeiten“. Zwei Wochen lang tragen die Mitarbeiter ihre Träume in ein Tagebuch ein. Anschließend teilen sie ihre Erfahrungen und wo sich ein Knotenpunkt bildet, zeigt sich unterbewusstes Wissen. Einmal wurde so sogar ein Dieb in einem Unternehmen entlarvt.Müssen wir superdigital sein, um in den Zukunftsberufen arbeiten zu können?Nicht unbedingt, aber es hilft. Neulich war ich mit dem Zug unterwegs, in dem es die Tickets bald nur noch über das Handy geben wird. Was ich damit sagen will: Wenn wir nicht digital sind, dann werden uns irgendwann Lebensbereiche verschlossen, und das betrifft auch die Berufe. [pullquote]Wir müssen nicht programmieren können.[/pullquote] Aber es kommen Techniken dazu, mit denen wir umgehen können und die wir verstehen müssen. Digitales Verständnis ist auf jeden Fall hilfreich.In welchem Zukunftsberuf hattest du am meisten Spaß?Ein sehr cooler Job war Reputationsmanagerin. Reputation heißt ja, einen guten Ruf bewahren, und in Zeiten des Internets ist das sehr wichtig. Ein Ruf kann sehr schnell zerstört werden und die Firma dadurch pleitegehen. In meiner Woche haben wir mit einer Firma den Ernstfall einer Krise geprobt: ein Datenleck und einen Social-Media-Shitstorm. Geschäftsführer, Reporter und ein Erpresser waren auch dabei. Das war megaspannend, fast ein bisschen krimimäßig. Welche Berufe würdest du gern noch testen?Space Stewardess finde ich zum Beispiel extrem cool. Der Job ist ein Zukunftsberuf und wird kommen. Flugtaxi-Betreiber finde ich auch spannend. Es gibt auch Kuschler als Job, weil viele Menschen sehr vereinsamt sind. Die Vereinsamung ist leider ein Trend, und Kuschler ist ein Job, der daraus entsteht. Das ist eigentlich nichts für mich, weil ich einfach kein körperlicher Mensch bin, der Fremde gut anfassen kann. Aber es ist eine Herausforderung, und der stelle ich mich gern.https://www.youtube.com/watch?v=GX-s5z1YVAA&t=8s[yaez-box]Tim, Fiona, Luca und Salomé arbeiten bereits in Zukunftsberufen. Warum VR Developer, Reputationsmanager, E-Sport-Manager und Ingenieure in Zukunft wichtig sind lest ihr hier: https://www.yaez.de/zukunft/das-ist-mein-zukuenftiger/[/yaez-box]
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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