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Befragung zum Bachelorstudium: Studierende sind unzufrieden




Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hat erstmals die Daten aus fünf bundesweiten Befragungen von 2009 bis 2012 ausgewertet. Allein 2011 beteiligten sich 26.500 Studierende an der Umfrage, die an Fachhochschulen und Universitäten durchgeführt wurde. Das Ergebnis: Viele Befürchtungen der Gegner des Bologna-Prozesses bestätigen sich in der Praxis.

Studienbedingungen verbessert, aber noch nicht gut

Im Vergleich der jährlichen Umfragen ergibt sich ein klares Bild: Das Bachelor-Master-System hat seine Stärken. Vor allem die inhaltliche Qualität der Lehre und die Erreichbarkeit der Lehrenden werden positiv bewertet. Auch die sächlich-räumliche Ausstattung der Hochschulen und die Verfügbarkeit von Beratungsangeboten konnten optimiert werden. Viel Verbesserungspotenzial steckt allerdings noch in der Organisation des Studienablaufs. Häufig klagten Studierende darüber, dass sie unzureichenden Zugang zu Fachliteratur hätten, keine Rückmeldung zu ihrer persönlichen Lernentwicklung erhielten und die Veranstaltungen inhaltlich zu wenig aufeinander abgestimmt würden. Auch in Bezug auf Beteiligungschancen von Studierenden zeigt die Studie ein doppeltes Bild: „Während das ‚Aufgreifen von Anregungen oder Vorschlägen‘ (nur) von gut zwei Fünfteln positiv beurteilt wird, sind es bei den ‚Diskussionsmöglichkeiten in den Lehrveranstaltungen‘ durchgängig mehr als 60 %“, sagt Dr. Christoph Heine vom DZHW.

Selber denken und entscheiden - Fehlanzeige!

Für viele Studierende beschränken sich die Möglichkeiten der Selbstbestimmung auf die Kurswahl. Diese wollen aber das Studium nach ihren eigenen Interessen gestalten. Mehr als 30% der Befragten gaben sogar an, dass sie nie zu kritischem Denken und ethischem Verantwortungsbewusstsein angeregt werden. Die Autoren der Studie raten den Hochschulen wissenschaftliche Forschungsbezüge herzustellen und Praxisbezüge zu stärken. Angehende Studierende sollten sich eine Hochschule aussuchen, die zu ihnen passt. Dies setze in erster Linie sorgfältige, vielfältige und umfängliche Informationsarbeit voraus, die einem niemand abnehmen könne, so Heine. „Das ist zudem eher eine Sache von Monaten als von Tagen.“

Besonders bemerkenswert

Der Bologna-Prozess wurde eigentlich angestoßen, damit Studierende schneller fertig sind und noch jung ins Arbeitsleben einsteigen können. Jetzt bringt die Studie allerdings zu Tage, dass immer mehr eine Verlängerung ihres Studiums beantragen, weil sie der übertriebenen Stofffülle in der Regelstudienzeit nicht gerecht werden.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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