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Action für Anfänger: Drei junge Erwachsene über ihre Arbeit im Öffentlichen Dienst




[pullquote]In einer Schicht haben wir etwa zehn Notrufe[/pullquote]Für Meghann war es ein Kindheitstraum Feuerwehfrau zu werden Für Meghann, 23, war es ein Kindheitstraum, Feuerwehrfrau zu werden. Deshalb entschied sie sich für die Ausbildung zur Notfallsanitäterin bei der Berliner Feuerwehr.Mein Stiefvater war bei der Freiwilligen Feuerwehr, und als Kind war ich oft im Gerätehaus. Schon damals stand mein Berufswunsch fest: Mit zehn Jahren ging ich zur Jugendfeuerwehr. Nach der Schule war mein ursprünglicher Plan, Ingenieurwissenschaften zu studieren und mich danach für eine gehobene Beamtenlaufbahn bei der Feuerwehr zu bewerben. Doch an der Uni merkte ich, dass Studieren nicht mein Ding ist – zu theoretisch, zu abstrakt. Stattdessen entschied ich mich für den direkten Weg: drei Jahre Ausbildung zur Notfallsanitäterin und danach ein Jahr Vorbereitung für den feuerwehrtechnischen Dienst. Die Ausbildung besteht neben Praktika auf der Wache auch aus schulischen Blöcken. Dazu gehört viel Theorie: Gefahrenkunde, rechtliche Fragen oder Brand- und Löschlehre. Gleichzeitig zerschneiden wir auch Autos, halten uns fit oder üben die praktische Brandbekämpfung. Am meisten Spaß machen mir die Praxisblöcke. Die meisten Einsätze fahre ich in der Ausbildung mit den Rettungswagen. Bis zu zehn Notrufe sind es in einer 12-Stunden-Schicht, oft sind Drogen und Alkohol im Spiel. Natürlich gibt es auch „echte“ Notfälle – schwere Verkehrsunfälle, gefährliche Stürze oder Herzinfarkte. Bei meinem nächsten Praxisblock im Oktober bin ich Teil des Angriffstrupps in einer Feuerwache. Das heißt: vorderste Front bei den Einsätzen. Dort sind mein ganzes fachliches Wissen sowie körperliche und psychische Belastbarkeit gefragt, auch wenn richtige Brände eher die Ausnahme sind. Viel häufiger werden wir zu technischer Hilfeleistung gerufen – Keller auspumpen, Türen aufbrechen, Menschen aus Autos befreien. Es ist einfach kein „normaler“ Job. Wenn ich morgens auf die Wache komme, weiß ich nie, was mich heute erwartet. Es kann sein, dass wir an diesem Tag um das Leben eines Menschen kämpfen und verlieren oder angepöbelt werden. Gleichzeitig helfen wir Menschen, oft reicht dann ein gutes Gespräch mit den Kollegen und vielleicht ein einfaches Dankeschön, um mit einem Lächeln nach Hause zu fahren. Später würde ich gerne Wachabteilungsleiterin werden und einen Trupp von zehn bis 20 Feuerwehrleuten leiten.[pullquote]Alle vier Jahre heißt es Koffer packen[/pullquote]Moritz kann durch sein Studium beim Auswärtigen Amt Fernweh und Beruf verbindenMoritz, 23, reizt die große weite Welt. Mit einem Studium beim Auswärtigen Amt kann er Fernweh und Beruf miteinander vereinbaren.Meine Eltern sind mit mir immer viel gereist, nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und der arabischen Welt. Deshalb wollte ich immer einen Beruf haben, bei dem ich Arbeit und Fernweh verbinden kann. Deshalb entschied ich mich nach der Schule für ein duales BWL-Studium bei einer Fluggesellschaft. Am Ende hatte ich zwar einen Bachelorabschluss, aber das Unternehmen war pleite und ich musste mir eine neue Herausforderung suchen. Deshalb bewarb ich mich für ein zweites Studium, und zwar zum Diplom-Verwaltungswirt beim Auswärtigen Amt. In der gehobenen Beamtenlaufbahn im Auswärtigen Amt wechselt man später alle vier Jahre das Land und oft auch die Tätigkeit: Organisation von Staatsbesuchen in Berlin, Konsulat in Bangkok, Kulturarbeit in New York. Der Weg dorthin ist anspruchsvoll. An der Hochschule haben wir nicht nur Sprachen und Betriebswirtschaft, sondern auch viel Zivil- und Öffentliches Recht. Dazu kommen Praxisblöcke im In- und Ausland. Meinen ersten Praxiseinsatz hatte ich im „Protokoll“-Referat in Berlin. Vier Monate lang organisierte ich Staatsempfänge, Bürgerfeste und Termine des Außenministers mit. Im Februar werde ich dann ins Ausland gehen. Für neun Monate arbeite ich in der deutschen Auslandsvertretung in Sri Lanka. Verwaltung, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kultur, Presse, ich werde alle Abteilungen dort kennenlernen. Das Land ist touristisch sehr interessant und gleichzeitig so überschaubar, dass ich die Kultur gut kennenlernen kann. Genau darin liegt für mich ein großer Reiz meines späteren Berufs. Ich sehe die Länder nicht nur als Tourist, sondern lebe dort. Gleichzeitig mache ich mir natürlich auch Gedanken um die große Unstetigkeit. Alle vier Jahre heißt es Koffer packen und weiterziehen, manchmal sogar in Länder, die zu den unsichersten dieser Welt zählen. Wie gut das mit einer Familie funktioniert, weiß ich nicht. Trotzdem könnte ich mir im Moment keine bessere Zukunft vorstellen.[pullquote]Angst hatte ich bei der Arbeit noch nie[/pullquote]Sona ist in ihrer Ausbildung im Öffentlichen Dienst glücklichSona, 27, wurde im Handel nicht glücklich und entschied sich für eine Ausbildung zur Justizvollzugsbeamtin.Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht. Richtig erfüllt hat mich diese Arbeit jedoch nie. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung stieß ich auf eine Werbung für die Ausbildung zur Justizvollzugsbeamtin. Der Beruf machte mich neugierig, und bereut habe ich den Schritt nie. Ich arbeite jetzt mit Menschen, bin Ansprechpartner für die Insassen und helfe ihnen dabei, ihren Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Die Ausbildung dauert 24 Monate und besteht aus vier Praxisphasen und Theorieblöcken in der Schule. Wir lernen pädagogische und psychologische Grundlagen und beschäftigen uns mit Strafrecht. Auch Selbstverteidigung und Deeskalation sind wichtige Inhalte. Am spannendsten finde ich jedoch die Praxisphasen und die Arbeit in den Hamburger Justizvollzugsanstalten. Angst habe ich bei meiner Arbeit nicht. Natürlich gibt es Situationen, die anfangs ungewohnt sind. Zum Beispiel muss man morgens Zellentüren aufschließen, um zu schauen, ob der Häftling noch lebt. Ganz am Anfang spürte ich dabei schon Unbehagen, genau wie beim Durchsuchen der Zellen nach verbotenen Substanzen. Inzwischen hat sich das gelegt. Wenn man den Insassen respektvoll gegenübertritt, bekommt man das auch zurück. Dabei ist es mir egal, welche Straftat ein Mensch begangen hat. Ich behandle alle gleich. Auch die meisten Häftlinge respektieren unsere Arbeit. Immerhin sind wir für sie wichtige Ansprechpartner. Uns sehen sie am Morgen als Erstes und beim Einschluss als Letztes. Meine Ausbildung werde ich im nächsten Jahr beenden. Sorgen um meine Zukunft muss ich mir keine machen. Die Übernahmequote liegt bei erfolgreicher Abschlussprüfung in Hamburg bei 100 Prozent. [yaez-box]Zahlen und Fakten:
  • Der Staat ist der größte Arbeitgeber Deutschlands: 4,8 Millionen Beschäftigte, darunter 1,7 Millionen Beamte, arbeiten im öffentlichen Dienst. Vom Sachbearbeiter in der kommunalen Verwaltung bis zum IT-Experten, vom Kita-Erzieher und Polizisten über Bundeswehrsoldaten bis hin zu Diplomaten im Auswärtigen Amt.
  • Nachwuchs gesucht: Der Fachkräftemangel trifft auch den öffentlichen Dienst. Bis 2030 werden 800.000 Stellen unbesetzt sein. Wer sich also für eine Laufbahn im öffentlichen Dienst interessiert, muss sich um einen Job nach der Ausbildung oder dem Studium keine Sorgen machen.
  • Öffentlicher Dienst ist ein attraktiver Arbeitgeber: Fast die Hälfte aller Studierenden kann sich vorstellen, im öffentlichen Dienst zu arbeiten. Inzwischen haben Behörden sogar die Automobilbranche als beliebtesten Arbeitgeber abgelöst.
  • Sicherheit ist wichtiger als Geld: Rund 70 Prozent der Studierenden erwarten von ihrem künftigen Job Sicherheit. Nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist noch wichtiger. Ein hohes Einkommen oder gute Aufstiegsmöglichkeiten verlieren dagegen an Bedeutung – das ist das Ergebnis des Studierendensurveys des Bundesbildungsministeriums.
  • Sicherheit und Sinn: Auf den Wunsch nach Sinn und Sicherheit im Berufsleben hat auch der öffentliche Dienst reagiert und wirbt nun explizit mit Verbeamtung und sinnhafter Arbeit für das Gemeinwohl. Damit will man gegen bessere Bezahlung und Aufstiegschancen in der Privatwirtschaft punkten.
  • Sicherheit bietet auch die private Wirtschaft: Das Klischee der Sicherheit im Staatsdienst stimmt nur noch teilweise. Der Fachkräftemangel in vielen Teilen der Wirtschaft führt dazu, dass auch hier die Zahl der befristeten Stellen deutlich abnimmt. Auch in Sachen Überstunden und Familienfreundlichkeit haben viele Unternehmen aufgeholt.[/yaez-box]
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