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Ausbildung und Karriere: Wenn’s dir nicht mehr gefällt, mach‘ neu




[pullquote]Ich bin immer den Weg gegangen, der sich gut angefühlt hat![/pullquote]Laura, 26, hat nach dem BWL-Studium gemerkt: Ich will nicht nur mit Zahlen jonglieren, sondern mit Menschen arbeiten! Bald startet sie als Fellow bei Teach First.Du bist gerade in den Endzügen deines Masters in International Management Studies. Wie geht es danach weiter? Nach meiner Masterarbeit werde ich als Fellow für Teach First anfangen. Das ist eine soziale Initiative für Bildungsgerechtigkeit an Schulen. Da kann man sich als Absolvent jeder Fachrichtung bewerben und Jugendliche an Brennpunktschulen unterstützen. Wie kam es damals zu der Entscheidung, dass du BWL studieren wolltest? Ich wurde in der Schule und auch in meiner Au-pair-Gastfamilie nach dem Abi viel mit Wirtschaftsthemen konfrontiert. BWL hat mich jetzt nie sehr begeistert, ist aber eben breit gefächert und man kann danach total viel verschiedenes machen. Hat sich damals einfach richtig angefühlt. Ich bin immer schon den Weg gegangen, der sich in dem Moment gut angefühlt hat. Gab es diesen einen Moment, in dem du dachtest: Ich will was anderes machen? Den gab es eigentlich nie so richtig. Ich wusste aber schon immer, dass ich mit Menschen zusammenarbeiten möchte. Auf die Stellenanzeige für das Fellowship bin ich über einen Facebook-Post meiner Uni aufmerksam geworden. Da habe ich mich einfach spontan beworben. Aber nur weil ich das jetzt mache, heißt das nicht, dass ich nicht trotzdem irgendwann in einem Wirtschaftsunternehmen im Personalbereich arbeiten werde.Wie hat dein Umfeld auf deine Pläne reagiert? Am Anfang haben mich schon einige gefragt, ob ich dafür jetzt einen Bachelor und einen Master gebraucht hab. Aber inzwischen verstehen sie, dass es mir einfach um die Schülerinnen und Schüler geht, die ich unterstützen möchte. Gibt es Inhalte aus deinem vorherigen Studium die du auch als Fellow brauchen kannst? Ja auf jeden Fall. Nicht fachlich, aber ich werde einige Schlüsselkompetenzen anwenden können. Im Studium lernt man zum Beispiel, sich selber zu organisieren und zu reflektieren. Was möchtest du jungen Menschen sagen, die auf der Suche nach ihrem Weg sind? Hört auf euer Bauchgefühl, lasst euch nicht beeinflussen und sitzt nicht nur zu Hause und wartet darauf, dass was passiert! Meine Devise ist: Immer viel ausprobieren und flexibel bleiben. [pullquote]Der Stress kommt meistens von außen[/pullquote]Johannes, 25, startete nach seinem Volontariat mit 19 in der Medienbranche durch, merkt aber schnell: Das macht mich nicht glücklich.Du studierst Lehramt in Würzburg, hast davor aber schon ganz schön viel anderes gemacht. Erzähl mal! Direkt nach dem Abi habe ich Praktika bei einer lokalen Zeitung und einem Radiosender gemacht. Das hat mir so gut gefallen, dass ich bei dem Radiosender geblieben bin und ein zweijähriges Volontariat, also eine redaktionelle Ausbildung, angehängt habe. Das war zu dem Zeitpunkt mein absoluter Traum, ich wollte schon immer Radiosprecher werden!Und dann hast du einen Abstecher in die Politik gemacht … Ja, die hat mich schon immer total interessiert, deshalb habe ich nach dem Volontariat ein Praktikum im Bundestag in Berlin gemacht. Danach habe ich angefangen, Geografie zu studieren und hatte einfach eine gute Zeit in Berlin. Nur taugte mir das Studienfach dann doch nicht und ich kehrte für eine kurze Zeit zurück zum Radio. Ehrlich gesagt hatte ich danach die Schnauze voll von der Medienbranche! Es hat sich einfach nicht mehr richtig angefühlt. Alles war so oberflächlich. Du wolltest einen Job mit Sinn? Genau. Durch einen Tipp kam ich an ein Pflegepraktikum an einem Berliner Klinikum und hatte das erste Mal das Gefühl, wirklich was geschafft zu haben. Meine Arbeit hat Sinn ergeben und Menschen eine Freude bereitet. Tja, und jetzt studiere ich auf Lehramt und bin wirklich sehr zufrieden. Was hast du aus deinem turbulenten Werdegang gelernt? Für mich war es eine Bereicherung, dass ich viele Praktika gemacht haben. Gerade, wenn man noch flexibel und jung ist, sollte man das ausnutzen, um neue Dinge zu lernen. Die Pflege hat mich persönlich geerdet. Und ich habe gelernt, dass der Stress, den man sich selber macht, meistens von außen kommt. Hast du einen Tipp für unsere Leserinnen und Leser, die noch nicht so recht wissen, wo sie beruflich hinwollen? Schaut euch viel an! Macht Praktika und kümmert euch rechtzeitig darum. Lasst euch aber auch nicht ausbeuten. Ein Monat in einem Bereich reicht oftmals, um eine Tendenz zu entwickeln, ob es einem gefällt. Und: Egal was ihr anfangt, ihr könnt euch immer umentscheiden. [pullquote]Ein Praktikum ist eine super Entscheidungshilfe[/pullquote]Samy, 26, hat nach einer Ausbildung und dem Nachwuchsförderprogramm im Einzelhandel den Job hingeschmissen und sich bei der Bundeswehr verpflichtet.Wie ging es nach dem Schulabschluss bei dir weiter? Nach der Schule war ich für sechs Monate an der Landespolizeischule, habe das aber abgebrochen, weil es einfach nicht zu mir gepasst hat. Zur Überbrückung habe ich im Einzelhandel als Aushilfskraft angefangen und eine verkürzte Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel gemacht. Anschließend war ich dann fast drei Jahre lang als Marktleiter dort. Warst du dort unglücklich? Das nicht. Ich hatte Spaß an meiner Arbeit und dem Kundenkontakt. Aber leider wurde meine Arbeit wenig wertgeschätzt und die Work-Life-Balance kam oft zu kurz. Dann habe ich mich nach dem Gegenteil umgeschaut und eine Bewerbung bei der Bundeswehr abgegeben.Wie haben Familie und Freunde auf deine Pläne reagiert? Die meisten haben mir Mut gemacht: „Junge, das passt zu dir!“ Die Bundeswehr wird zwar in Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen, aber die Menschen in meinem Umfeld haben mich bei diesem Schritt unterstützt. Ein bisschen Wehmut war natürlich auch dabei, denn ich habe neben Ort und Arbeit auch den Verein und die Freunde gewechselt. Wie kannst du deine Fähigkeiten aus dem Einzelhandel heute bei der Bundeswehr anwenden? Obwohl ich jetzt in einem komplett anderen Bereich arbeite, habe ich Kompetenzen durch die Mitarbeiterführung im Markt mitgenommen. So was wie Kommunikations- und Konfliktlösekompetenzen kannst du in jedem Bereich anwenden. Was würdest du heute anders machen? Ich würde das Studium bei der Polizei ernster nehmen, aber würde auch die Bundeswehr nicht direkt nach dem Abi machen. Die Berufserfahrung hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Deshalb der Tipp an alle, die das lesen: Macht mehrere Praktika, um herauszufinden, was zu euch passt. Und man sollte nicht vergessen, dass man ausprobieren darf und auch mal etwas nicht passt.
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