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Was lernen wir daraus: Sind diese Lerntricks wahr oder nur ein Mythos?




1. Lerntrick: Vor dem Einschlafen ist das Gehirn besonders aufnahmefähig, also sollte man bevorzugt am Abend lernen.

Stimmt nicht!Das sagt die Expertin:Diese These ist sehr allgemein und nicht wissenschaftlich belegt. Auf jeden Fall ist es aus Sicht des Gehirns nicht vorteilhaft, dass man das Lernpensum auf den Abend verschiebt, wenn man schon müde ist. Da lernt das Gehirn allein deswegen, weil die Aufmerksamkeit nachlässt, nicht wirklich „in vollen Zügen“. Belegt ist dagegen, dass Schlaf unsere Gedächtnisinhalte festigt. Darum sollten wir zwischen dem Lernen und der Zeit, in der wir die Information abrufen müssen, unbedingt schlafen. Die Nacht vor der Prüfung durchzumachen, um sich auf den letzten Drücker noch die wichtigsten Infos zu merken, ist daher keine gute Idee.

2. Lerntrick: Längere Texte kann man besser erfassen, wenn man sich einzelne Abschnitte vornimmt, statt den ganzen Text am Stück zu lesen.

Stimmt!Das sagt der Experte: So fällt das Lernen tatsächlich leichter. Wer einen Text von vorn bis hinten liest, läuft Gefahr, den Überblick zu verlieren. Gerade bei großen Textmengen kommt man dann nicht voran und verliert sich leicht in den Details. Hilfreich ist es auch, sich Fragen zum Text aufzuschreiben. Die kann man dann abarbeiten, so schließt man aus, dass man einzelne Punkte nicht versteht.

3. Lerntrick: Wenn man den Lernstoff aufschreibt und/oder in verschiedenen Farben markiert, behält man ihn besser.

Stimmt!Das sagt die Expertin:Inhalte werden besser aufgenommen, wenn wir sie bearbeiten – dazu gehört auch das Aufschreiben. Auch Notizen oder Schummelzettel (die man im Idealfall dann während der Prüfung nicht mehr braucht) zu erstellen gehört dazu. Markieren wir gewisse Stellen mit Leuchtstift, haben wir sie im Text bereits ausgesucht, also haben wir eine Selektion betrieben, dem Inhalt unsere Aufmerksamkeit geschenkt. All das unterstützt das Gedächtnis.

4. Lerntrick: Wer Post-its und andere Zettel in der Wohnung verteilt, lernt den Stoff ganz nebenbei.

Stimmt!Das sagt der Experte:Das Aufhängen von Zetteln und Plakaten zu Hause ist sehr nützlich. Beim Lernen im Vorbeigehen oder in Momenten, in denen man nichts zu tun hat, spart man viel Zeit. Orte wie der Kühlschrank oder der Spiegel im Bad eignen sich dazu. Wichtig ist, die Zettel, die man schon gut im Kopf hat, regelmäßig auszutauschen. Am besten kommen sie dann fürs spätere Wiederholen in einen Ordner.

5. Lerntrick: Wer Vokabeln in unterschiedlichen Dialekten ausspricht, kann sie sich besser merken.

Stimmt!Das sagt der Experte:Wer die Vokabeln mal auf Bayrisch, mal auf Sächsisch ausspricht, hat viel Spaß beim Lernen. Dadurch erzeugt man beim Lernen positive Gefühle. Das Ergebnis: Man lernt schneller und merkt sich den Lernstoff besser. Diese Art zu lernen klappt auch bei Mathe. Zum Beispiel kann man aus Formeln eine Geschichte machen: „Ein A mit einer 2 auf dem Kopf trifft ein B mit einer 2 auf dem Kopf. Sagt das A zum B: Gleich treffen wir ein C mit einer 2 auf dem Kopf.“ Gerade weil es albern ist und man es sich gut vorstellen kann, merkt man sich das besser als a² + b² = c².

6. Lerntrick: Beim Lernen herumzulaufen kann das Gehirn zu besseren Leistungen animieren.

Stimmt!Das sagt die Expertin:Als Mönche früher in den Klöstern lange Litaneien gelernt haben, gingen die Novizen im Klostergang spazieren und wiederholten dabei die Texte. Der positive Einfluss von Bewegung auf das Lernen war damals kein Forschungsgegenstand, aber es muss wahrnehmbare Vorteile gehabt haben. Heute ist es nachgewiesen, dass Bewegung vor, während, nach dem Lernen einen positiven Einfluss auf die Behaltensleistung hat.

7. Lerntrick: Den Lernstoff mit Gegenständen zu verbinden und in Gedanken durch den Raum zu gehen hilft beim Auswendiglernen.

Stimmt nicht!Das sagt die Expertin:Die sogenannte „Loci-Methode“ assoziiert Gegenstände, Körperteile etc. mit Begriffen. Sofern ich mir eine Einkaufsliste merken muss, kann diese Memotechnik eventuell genutzt werden. Für komplexe Inhalte und Wissen, das sich erst im Lauf der Zeit aufbaut, ist diese Methode jedoch nicht zu gebrauchen.

8. Lerntrick: Wer sich vorstellt, wie es sein wird, eine tolle Note nach Hause zu bringen, wird auch in der Realität erfolgreich sein.

Stimmt nicht!Das sagt die Expertin:Das, was wir nicht gelernt haben, werden wir nicht abrufen können, auch nicht mit aller Vorstellungskraft dieser Welt! Es gilt die Devise: Früh genug mit dem Lernstoff anfangen, oftmals wiederholen, sich am besten von anderen Schulkameraden abprüfen lassen und immer wieder gut schlafen! So wird man am ehesten erfolgreich sein!Dr. Manuela Macedonia arbeitet am Max Planck-Institut für kognitive Neurowissenschaften Leipzig und am Institut für Information Engineering der Johannes Kepler Universität Linz.Wolfram Rollett ist Professor für Bildungsforschung mit dem Schwerpunkt Schulentwicklung.
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