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Lernen 2.0: Wie es euch gefällt




Jeden Morgen kurz nach dem Weckerklingeln steigt es wieder hoch, dieses Keine-Lust-auf-Schule-Gefühl. Weil die Lehrer nerven, man sich unter- oder überfordert fühlt oder man das ganze Prinzip als Zeitverschwendung empfindet. Welches Prinzip? Na ,dieses: Ein Lehrer steht vor 30 Schülern und spult sein Programm ab. Die Schüler müssen zuhören, mitschreiben und an einem bestimmten Tag ihr Wissen in einer Prüfung beweisen. Es ist das Prinzip Frontalunterricht, mit dem viele nichts anfangen können.

Die Schüler entscheiden, was sie lernen wollen

Dabei ist die Idee, sich mit Gleichaltrigen zum Lernen zu treffen, eigentlich großartig. Trotzdem mag kaum jemand die Schule. Aber warum? "Schüler machen sich einen großen Druck wegen der Noten, weil die so eindeutig sind. Dabei sagt eine Note doch nichts über die Leistung eines Menschen aus“, sagt Alma. Die 14-Jährige hat mit Jamila, 15, und Lara-Luna, 16, ein Buch über ihre Schule geschrieben ("Wie wir Schule machen“, Knaus Verlag, 19,99 €). Alle drei Mädchen besuchen die Evangelische Schule in Berlin-Mitte. Dort ist alles ein bisschen anders: "Wir haben bis zur achten Klasse keine Noten, sondern bekommen Zertifikate, in denen viel über unsere Persönlichkeit und unsere Art zu lernen steht“, erklärt Alma. Es gibt auch keinen langweiligen Frontalunterricht, sondern Lernbüros. Die Schüler entscheiden selbst, mit welchem Fach sie sich beschäftigen wollen. Dann holen sie sich im Lernbüro ihr Thema ab, suchen sich einen Platz und erarbeiten den Lernstoff in ihrem Tempo. Erst wenn der Schüler den Durchblick hat, meldet er sich zum Test an. "Wir haben Tutoren, die uns helfen. Und es gibt Fächer wie Projektverantwortung oder Herausforderung, die uns auf das Leben vorbereiten“, erzählt Alma.

Das starre System Schule hinterfragen

Die 14-Jährige fühlt sich in ihrer Schule, die als Pilotprojekt von Eltern und Lehrern gegründet wurde, pudelwohl. Was Alma auch klasse findet: Hier lernen alle Schüler gemeinsam, es wird nicht zwischen Haupt- und Realschule und Gymnasium unterschieden. Almas Highlight ist der Freitagnachmittag, da trifft sich die gesamte Schülerschaft in der Vollversammlung. Dort hat auch die Sache mit dem Buch begonnen: Die Direktorin fragte, wer Lust habe, ein Buch über seine Schule zu schreiben. Alma, Jamila und Lara-Luna meldeten sich. "Hier ist alles möglich, die Lehrer glauben an uns“, freut sich Alma. Sie möchte mit ihrem Buch allen Mut machen, das starre Prinzip Schule zu hinterfragen. Deshalb kann man auf www.wiewirschulemachen.de einen Fragebogen zur persönlichen Traumschule ausfüllen. "Wir Jugendlichen haben so viele tolle Ideen, wie wir besser lernen könnten. Man muss uns nur fragen.“ Ben, 23, hat beschlossen, sein Studium selbst in die Hand zu nehmen. Auf seinem Blog berichtet er über seine Erfahrungen. Wir wollten von ihm wissen, wie es dazu kam und was das genau bedeutet.[pullquote]Ich unterteile meine Bildung in drei Bereiche.[/pullquote]

Welchen Lebensplan hattest du nach dem Abi?

Da war ich sehr auf dem Karrierepfad. Ich kannte meine Stärken und Interessen kaum. Aber ich glaubte zu wissen, wie der perfekte Weg für mich aussehen würde: Jura an einer Elite-Uni studieren, ein wildes Studentenleben führen und nach meinem Abschluss viel Geld verdienen. Die Realität sah anders aus: Ich saß von morgens bis abends in der Bibliothek, paukte vor mich hin und fragte mich immer mehr, ob ich den Stoff wirklich für mein späteres Leben brauche.

Da hast du entschieden, das Studium abzubrechen?

Erst mal habe ich mich für ein Jahr beurlauben lassen – mit dem Plan danach weiterzumachen. Beim Freiwilligendienst in Nicaragua wurde mir dann bewusst, dass ich auf keinen Fall wieder in das gleiche Hamsterrad zurückkehren möchte. Ich habe dann überlegt, im Ausland zu studieren, habe mich aber letztendlich dagegen entschieden, weil ich in Berlin ein tolles Umfeld für meine Weiterentwicklung gefunden habe und mich mit Themen wie Unternehmensgründung beschäftigen kann.

Das heißt im Klartext, dass du dir jetzt selbst beibringst, was dich interessiert. Wie kann man sich das vorstellen?

Mittlerweile unterteile ich meine Bildung in drei Bereiche: erstens praktisch arbeiten und Dinge ausprobieren. Ich habe zum Beispiel einen Workshop ins Leben gerufen und ich schreibe viel für meinen Blog (anti-uni.com). Zweitens versuche ich jeden Tag bis zu 100 Seiten zu lesen. Anfangs habe ich vor allem Selbsthilfe-Literatur gelesen, jetzt streue ich mehr. Nach dem Lesen fasse ich die Bücher noch mal für meine Leser kurz zusammmen und stelle die Texte online. Außerdem besuche ich Workshops zu Themen, mit denen ich mich gerade beschäftige. Und auch Onlinekurse schaue ich mir von Zeit zu Zeit an, auf iversity.org oder creativelive.com gibt es echt gute Kurse. Der dritte Bereich ist das Reisen. Das erweitert meinen Horizont und ich bin davon überzeugt, dass uns Reisen zu mitfühlenderen und intelligenteren Menschen macht. 
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