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Lernen für das Leben: Unterrichtsfächer, die wir wirklich bräuchten




„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete und Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ Dieser Tweet der damaligen Abiturientin Naina ging 2015 viral. 3 Jahre später fragen sich viele Abiturienten immer noch, ob sie für das Erwachsenenleben bereit sind. Obwohl dieses Thema oft aufgegriffen und diskutiert wurde, hat sich nicht viel verändert. Die Kritik bleibt immer noch dieselbe:  Viele Schüler fühlen sich in der Schule einfach nicht gut genug auf das Berufs- und eigenständige Leben vorbereitet. Viel Theorie, aber zu wenig Praxis. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, wäre, ein Schulfach „Leben“ einzuführen. Denn Erwachsenwerden funktioniert oft gar nicht so leicht, Erwachsenwerden muss gelernt werden. Zu einem Teil zumindest.

12 Jahre Schule, doch was nehmen wir mit?

Eine Gesamtschule in Berlin hat bereits ein Schulfach für die Oberstufe eingeführt, das sich Studium und Beruf nennt. Berufsorientierung wird nicht nur in Deutsch oder Sozialkunde kurz angeschnitten oder findet außerhalb der Schulzeit statt, sondern ist ein komplettes Fach. Schüler/innen lernen, wie man eine Bewerbung schreibt oder ein Vorstellungsgespräch führt und besuchen zusammen Berufsmessen. Klausuren werden in diesem Fach keine geschrieben, sondern am Ende wird ein Portfolio abgegeben, welches benotet wird.Praktisches ökonomisches Wissen fehlt in der Schule nach wie vor. Welche Arten von Steuern gibt es? Wie ist ein Mietvertrag aufgebaut? Welche Versicherung braucht man wofür? Welche Rechte habe ich? Alles Fragen, die die Schule oft nicht beantwortet, aber wichtig für selbstständiges Wohnen und Arbeiten ist. Arbeitsleben als Schulfach, das wünschen sich ja die meisten von uns. Das wäre zudem ein Fach, in dem viele vorrangig für das Wissen aufpassen würden anstatt nur für die guten Noten.

Schule sollte auch ein soziales Bewusstsein schaffen

Sich mit Krankheit und Tod auseinanderzusetzen, lernen wie man Erste Hilfe leistet und alte Menschen pflegt, ist wichtig, fehlt vielen jedoch. Gesundheit und Pflege ist an den meisten allgemeinbildenden Gymnasien kein Schulfach, sondern wird meistens nur an Schulen mit Gesundheitsschwerpunkt angeboten. Dort, wo sich Schüler schon von vornerein für Pflege interessieren. Doch das Thema betrifft uns alle, unabhängig von der Schulform.Genau wie Pflege sollte Psychologie an jeder Schule angeboten bzw. näher behandelt werden. Genauso offen wie über physische Krankheiten sollten auch über psychische Krankheiten gesprochen werden. Laut der deutschen Depressionshilfe leiden drei bis zehn Prozent aller Jugendlichen unter einer Depression, viele in Verbindung mit Mobbing und Selbstzweifeln. Darüber zu sprechen fällt aber vielen schwer,denn die Angst, komisch angeschaut und nicht verstanden zu werden ist groß. Die Schule könnte an dem Punkt doch ansetzen und eine Plattform bieten.

Vision eines Pflichtfaches

Die Idee: All diese oben genannten Themen als das Schulfach Leben zu kombinieren. So steigt die Anzahl neuer Schulfächer auch nicht ins Unendliche. Natürlich sollten Kenntnisse in Mathe oder Deutsch durch praktische Schulfächer nicht ersetzt werden, aber es ist wichtig, sich im Hinterkopf zu behalten, dass man auch für das Leben lernen sollte.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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