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Junge Piraten: Löchriges Programm mit lockeren Strukturen




Die Piraten haben Grund zum Feiern: Am Sonntag ist die Partei mit 8,8 Prozent in den Landtag von Schleswig-Holstein eingezogen. Auch ihre Chancen, bei der anstehenden Bundestagswahl die Regierung zu entern, stehen nicht schlecht. Doch so erfolgreich die Piraten derzeit sind, so stark ist auch der Gegenwind, der ihnen entgegen bläst: Vor allem stören sich Kritiker am löchrigen Programm der Partei mit den lockeren Strukturen. Mit diesem Vorwurf setzen sich Paul Meyer-Dunker und Sören Siegismund-Poschmann täglich auseinander. Als stellvertretender Vorsitzender der Jungen Piraten und Kapitän des Berliner Stammtischs helfen die beiden 19-Jährigen aktiv mit, die deutsche Piratenbewegung in die erste Liga der Politik zu treiben. Und wenn man sie fragt, wie die Piraten langfristig bestehen und Kritiker verstummen lassen können, dann sind sie sich ebenfalls einig: Nur zusammen mit der Jugendorganisation der Piratenpartei, den sogenannten JuPis.

Ein Auge auf andere Themenbereiche

Zum einen diene die Jugendorganisation der großen Partei als eine Art Kontrollorgan, stellt Sören fest. „Wir haben beispielsweise die parteiinterne Debatte über sexistische und rassistische Aussagen einzelner Mitglieder vorangetrieben - und somit auch die konkrete Distanzierung davon.“ Die JuPis seien aber nicht ausschließlich als Kontrolleure der Piraten wichtig, ergänzt Paul. „Wir sind vor allem auch eine Gruppe, die ein Auge auf andere Themenbereiche hat, die von den Piraten nicht ausführlich oder gar nicht abgedeckt werden.“ Viele Jugendthemen würden sowieso hauptsächlich von den JuPis beackert. Beispielsweise das Thema Jugendschutz beim Gaming. „Wir haben Jugendschutzanträge beschlossen und sie auch in die Piratenpartei eingebracht“, erklärt Paul. „Die wurden inzwischen weitestgehend übernommen, weil sich dort niemand sonst damit beschäftigt hatte.“ Somit würden die Jungen Piraten dazu beitragen, das Programm zu ergänzen und zu schärfen.

Lernen, wie Politik funktioniert

Vor allem aber bleibt es die Aufgabe der Jugendorganisation, für Parteinachwuchs zu sorgen. Selbst in der Piratenpartei, deren Altersdurchschnitt mit 40 Jahren im Vergleich zu anderen Volksparteien relativ niedrig ist, finden sich junge Menschen nicht auf Anhieb problemlos zurecht. Das wissen Sören und Paul aus eigener Erfahrung. „Ich bin erst 2009 bei den Piraten eingetreten“, erzählt Paul. „In der Piratenpartei waren alle um die 30. Da war es gar nicht so einfach, sich mit unter 20 direkt einzugliedern. Deshalb bin ich 2010 auch bei den JuPis eingestiegen.“ Sören bringt es auf den Punkt: „Für viele Mitglieder sind die Jungen Piraten ein Herantasten an die große Partei. Es gibt keine Altersbeschränkung, es gibt keine Zwangsaufgabe. Bei uns kann man sich erst einmal angucken, wie Politik eigentlich funktioniert.“ Politik ausprobieren - das macht die Piratenpartei derzeit im großen Stil. Und so gut sie in Umfragen damit auch stehen mag: Wenn die Partei langfristig und ernstzunehmend Politik betreiben will, dann braucht sie mehr engagierte Menschen mit Ahnung und Mut. Dann braucht sie nicht zuletzt auch die Jungen Piraten.
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