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GoStudent: Wie eine App den klassischen Nachhilfeunterricht ablöst




Eure App soll Schülern das Lernen erleichtern. Was genau steckt hinter GoStudent?

Mit der GoStudent-App kannst du ganz einfach im Chat, wie du das von WhatsApp oder Facebook kennst, eine Frage zu einer Hausaufgabe oder zu anderen sozialen Themen stellen. Diese Frage wird an eine Community von Tutoren weitergeleitet, die die Frage dann beantworten, wenn sie die Frage spannend finden und eine Antwort kennen.

Und wer kann Tutor werden?

Die Tutoren werden häufig über die Facebook-Gruppen verschiedener Universitäten rekrutiert. Beispielsweise Lehramtsstudenten sind oft daran interessiert, Schülern weiterzuhelfen und schon mal auszutesten, welche Fragen später auf sie zukommen werden.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, so eine App zu entwickeln?

Als ich im Mai 2015 in England studiert habe, hat mir mein kleiner Bruder immer wieder Fragen zu Matheaufgaben zugeschickt. Über WhatsApp konnte ich ihm auch tatsächlich sehr gut helfen, und nach einer Weile sind immer mehr Mitschüler auf meinen Bruder zugekommen und wollten meine Hilfe am liebsten auch in Anspruch nehmen. An diesem Punkt war die Idee für GoStudent geboren.

Wie verteilt ihr bei euch im Team die Aufgaben?

Mein Bruder Moritz ist zuständig für die Schnittstelle zwischen uns und den Schülern, die die App dann tatsächlich nutzen. Er ist selbst noch Schüler und kennt sich daher sehr gut mit den Bedürfnissen unserer Nutzer aus. Gregor übernimmt die Aufgaben rund um das Endprodukt. Wie sieht das Produkt aus? Was sind die wichtigen Leistungen? Die technische Komponente übernimmt Ferdinand. Er leitet das Entwicklerteam. Ich selbst bin zuständig für die Strategie, also übernehme die Planung weiterer Schritte oder spreche mit Investoren.

Wer hat euch bei der Umsetzung unterstützt? Habt ihr das alles allein auf die Beine gestellt?

Als wir den ersten Prototyp der App entwickelt hatten, haben wir 2016 die erste Finanzierungsrunde eingeleitet. Von externen Investoren haben wir dabei 200.000 Euro bekommen. Das war eine ganz schön spannende Zeit, weil wir die Investoren von unserer Idee überzeugen mussten. Mit dem Geld haben wir dann angefangen, die aktuelle Version der App zu entwickeln.

Wo steht GoStudent jetzt und was sind eure Ziele?

Momentan nutzen 30.000 Schüler pro Woche unseren Dienst. Unser Ziel ist es natürlich, so vielen Schülern wie möglich zu helfen. In unserem Fall gibt es ungefähr sieben Millionen Schüler in Deutschland, denen wir mit unserer App das Lernen erleichtern können. Wichtig ist uns in jedem Fall, eine moderne Alternative zum traditionellen Nachhilfeunterricht zu bieten und gezielt auf die Schüler einzugehen.

Warum brauchen Schüler eine App wie eure so dringend?

Traditionelle Nachhilfe ist sehr teuer. Laut der Bertelsmann Stiftung geben Familien im Schnitt bis zu 100 Euro im Monat dafür aus. Wer alternativ nach Antworten im Internet sucht, merkt schnell, dass diese oft kompliziert und ungenau sind. Wenn ich eine Antwort brauche, gibt es meist eine Vielzahl davon, oft auch von unqualifizierten Antwortgebern. Unser Ansatz ist hier, individuell auf jeden Einzelnen einzugehen. Wenn wir von einem Nutzer beispielsweise wissen, dass ihm Antworten mit Bildern gut weiterhelfen, wollen wir ihm in Zukunft verstärkt Bilder zuschicken.

Was waren die größten Probleme bei der Umsetzung, und wie habt ihr sie überwunden?

Die größte Herausforderung ist, die App so zu gestalten, dass die Schüler die Anwendung gern und immer wieder benutzen. Wir haben mit der Zeit festgestellt, dass die Schüler eigentlich auch selbst gern Antworten geben würden. Deshalb sind wir gerade dabei, das möglich zu machen. Ein anderes Problem ist die Finanzierung. GoStudent ist und bleibt eine kostenlose Anwendung. Trotzdem gibt es bei unserem Produkt laufende Kosten, die gedeckt werden wollen. Wie das in der Zukunft konkret funktionieren soll, planen wir gerade.

Dein Bruder Moritz und du seid in Österreich aufgewachsen. Kannst du erklären, was in der Schule in Österreich anders läuft als in Deutschland?

Grundsätzlich ist das Bildungssystem in Österreich dem deutschen Bildungssystem ähnlich. Trotzdem gibt es einige Unterschiede, wie zum Beispiel, dass es in Österreich keine Realschule gibt. Die Schüler haben nach der Volksschule die Möglichkeit, auf die Hauptschule oder auf das Gymnasium zu gehen. Das Gymnasium endet bei uns mit der Matura, das entspricht dem deutschen Abitur. Nach der Hauptschule kann man entweder eine Lehre machen oder das Abitur nachholen. Momentan wird auch eine andere Schulform, die Gesamtschule, getestet.

Welche Lern-Apps nutzt ihr selbst?

Ich hatte schon immer viel Spaß daran, im Internet verschiedene Lernquiz zu lösen. Die Plattform brilliant.org ist besonders cool. Hier kann man verschiedene Fragen, vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich, beantworten. Die Macher der Plattform verfolgen auch, woher besonders begabte Schüler kommen, und haben es ab und zu schon geschafft, dass die ein Stipendium bekommen haben.

Die GoStudent-App ist schon im App-Store erhältlich. Gibt es noch mehr Ideen, die ihr umsetzen wollt?

Neben der App bauen wir gerade eine Art Lernblog auf. Dort wollen wir Themen, die in der App häufig erfragt werden, zusammenfassen und auch für Schüler zugänglich machen, die die App eher weniger verwenden. Zusätzlich wollen wir gemeinsam mit Schülern Schritt-für-Schritt-Lösungen zu ihren Schulbuchaufgaben erarbeiten und somit jedem Schüler helfen.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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