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Das (Bildungs)system: „Man muss den Lehrern die Digitalisierung erklären!“




Wie seid ihr zum Filmemachen gekommen?

Bis auf Julian waren wir alle in der gleichen Grundschulklasse. Schon damals haben wir einen Abschlussfilm für unsere Lehrerin gemacht. Auf dem Gymnasium haben wir für die Toleranzwoche der ARD eine Reportage gedreht. Dabei haben wir gemerkt, dass es gar nicht so schwer ist, Interviewpartner zu bekommen und komplexe Themen zu beleuchten.

Und woher kam euer Interesse am Bildungssystem?

Das ist einfach ein Thema, das uns als Schüler jeden Tag beschäftigt. Wir bekommen Dinge mit, die man als Außenstehender nicht sieht. Zum Beispiel, dass es nicht genug Lehrer für Vertretungsunterricht gibt. Das wollen wir kritisch bewerten, aber eben auch versuchen, Lösungsansätze zu finden.

Was sagen denn eure Lehrer zum Projekt?

Bei unserem vorherigen Projekt haben uns unsere Lehrer unterstützt. Wir durften auch den Film in der Schule zeigen. Das ist jetzt nur noch teilweise so. Von manchen Lehrern lassen wir uns zwar noch beraten – aber insgesamt ist das ein schwieriges Thema.

Ihr sagt, dass eure Lehrer teilweise noch Videokassetten zeigen. Was sagen eure Eltern dazu?

Die waren schon etwas geschockt. Selbst meine Oma war entsetzt darüber, dass wir noch Videokassetten in der Schule anschauen, und findet das nicht mehr zeitgemäß!

Was müsste sich denn ändern?

Es reicht eben nicht, Dokumentenkameras ins Klassenzimmer zu stellen. Man muss den Lehrern auch erklären, wie sie damit umgehen. Wir haben Lehrer, die die Kameras zwar zwei Schulstunden anlassen, während sie etwas auf eine Folie schreiben, aber das Gerät auf unscharf gestellt haben. Das heißt, wir sehen nicht, was sie schreiben, obwohl sie die neue Technik nutzen. Man muss ihnen erklären, wie sie mit der Digitalisierung umgehen.

Was sagen denn eure Mitschüler zu eurem Film? Freuen sie sich nicht, wenn mal eine Stunde ausfällt?

Na klar! Ein Großteil der Schüler hat nicht so viel Spaß in der Schule. Und das liegt wohl daran, dass das System nicht das bietet, was sie kreativ sein lässt und ihnen Spaß macht. Deshalb freuen sie sich, wenn Unterricht ausfällt. Oft ist das Problem nicht, dass der Unterricht ausfällt, sondern, dass man zum Beispiel „Vertretung ohne Lehrer“ hat. Und dabei nur die Zeit absitzt und auf den Gong wartet. Wenn wir überhaupt den Raum von einem anderen Lehrer aufgesperrt bekommen. Sonst sitzen wir halt davor. Und natürlich würde man lieber nach Hause gehen. „Vertretung ohne Lehrer“ – das widerspricht sich ja schon selbst!
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