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Anton Eickel im Interview: „Es reicht nicht, ständig online zu sein“




Du hast für ein Online-Magazin über die Digitalisierung an deutschen Schule geschrieben, wie kam es dazu?Wir haben an unserer Schule gerade mal zwei Whiteboards – es gibt Lehrer, die immer noch mit VHS-Kassetten und Röhrenfernsehern ankommen. Ich denke, dass jetzt einfach mal etwas passieren muss, damit wir global nicht abgehängt werden. Denn es geht ja auch darum, dass sich der Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung verändert – uns wird aber überhaupt nicht vermittelt, wie wir darauf reagieren könnten.Ist die fehlende Ausstattung das Hauptproblem?Nicht unbedingt. Es nützt ja nichts, 200 Tablets anzuschaffen, wenn die Lehrer die dann überhaupt nicht einsetzen. Und das liegt ja nicht nur an der technischen Unfähigkeit, sondern auch daran, dass sie nicht gelernt haben, wie sie die Tools einsetzen können. Der erste Schritt wäre also, den Lehrern zu vermitteln, dass ihr Unterricht von ihnen profitieren kann und sogar spannender wird. Für die Lehrer ist es doch auch ein Erfolgserlebnis, uns zu begeistern.Wie könnte das aussehen?Statt einem Interview, das im Lehrbuch abgedruckt ist, könnte die Klasse mit einer interessanten Person skypen, das wäre viel mitreißender. Oder nachdem der Lehrer einen Film zeigt, können die Schüler auf dem Tablet in einem Quiz dazu gegeneinander antreten …es gibt so viele Möglichkeiten.Reicht es denn nicht, dass wir in unserer Freizeit ständig online sind?Nein, eben nicht. Klar, wir lassen uns von YouTubern Algebra oder Photosynthese erklären und tauschen uns auf Whatsapp über die Hausaufgaben aus – aber insgesamt ist das eine sehr oberflächliche Mediennutzung. Die eigentlichen Auswirkungen der Digitalisierung verstehen wir dadurch nicht.Was meinst du damit?Es ist wichtig, dass uns auch die gefährlichen Seiten der neuen Medien vermittelt werden. Viele meiner Mitschüler finden Mediensicherheit überhaupt nicht wichtig, da kommen dann Kommentare wie: Interessiert mich nicht, wer meine Nachrichten liest, so spannend sind die nicht. Da braucht es jemanden, der das einordnet und vielleichtjkl auch erklärt, woran man Fake News erkennt und warum Datenschutz und Privatsphäre-Einstellungen wichtig sind.  Wie könnte das aussehen?Der erste Schritt ist eine verpflichtende Unterrichtseinheit zum verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien. Sonst rutscht unser Leben in die sozialen Netzwerke ab und wir verlieren das echte Leben aus dem Blick. Kurz gesagt: Wir müssen lernen, die sozialen Medien zu kontrollieren und nicht anders herum. Hier sind nicht nur die Lehrer gefragt, sondern vor allem auch die Bildungspolitik – denn die Lehrer können ja nur umsetzen, was sie in ihrer Ausbildung gelernt haben.Anton Eickel besucht die Stufe 11 des St.-Ursula-Gymnasiums in Arnsberg in Nordrhein-Westfalen. Seinen Text zur Digitalisierung findet ihr hier: demokratiefsinn.wordpress.com
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