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Typisch deutsch: So sehen uns Leute aus der ganzen Welt




Wenn man Menschen in anderen Ländern fragt, wie sie sich einen „typischen Deutschen“ vorstellen, dann bekommt man oft die gleichen Antworten. Er ist tüchtig, sehr pünktlich und ordentlich ist er sowieso. Leider versteht er aber auch keinen Humor und besonders herzlich ist er auch nicht. Aber gilt dieses zugegebenermaßen nicht besonders ansprechende Bild auch für die jüngere Generation? Sind deutsche Jugendliche denn angeblich genauso pflichtbewusst und langweilig wie ihre Eltern oder gibt es vielleicht ganz andere Vorurteile, von denen wir noch gar nichts wissen?Andrew ist im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder von England nach Deutschland gezogen. Mit im Gepäck waren auch ein paar Vorurteile: „Ich hatte schon die Vorstellung, dass deutsche Schüler ziemlich ordentlich und brav sind. Das sagt man ja über die Deutschen“, erzählt Andrew. Nach einer Begegnung mit seiner damaligen Klasse hätte das aber wohl niemand mehr behauptet: „Gleich in den ersten zwei Minuten habe ich alle Vorurteile über Bord geworfen. Meine Mitschüler sind über die Bänke geklettert und rumgesprungen wie Affen! Das hätte ich mich in England niemals getraut. Meine Eltern waren total geschockt wie unerzogen deutsche Kinder sein können.“ Auch in seiner weiteren Schullaufbahn bis zum Abitur hat Andrew die „ziemlich lockere“ Atmosphäre im Unterricht genossen. Trotz der ganzen Blödeleien ist der deutsche Humor für ihn aber immer noch nicht ganz nachzuvollziehen: „Alle deutschen Jugendlichen, die ich kenne, stehen auf Mr. Bean. Auch wenn das keiner glaubt: in England findet das wirklich keiner lustig. Humor ist in Deutschland aber sowieso nicht so wichtig, glaube ich.“Dass wir weniger lachen als andere Nationalitäten, konnte Amanda während ihres Austauschjahres nicht bestätigen. Die damals 16-jährige Brasilianerin sagt heute, dass das Jahr in Deutschland eines der lustigsten ihres Lebens war – von Langeweile keine Spur! „Wir haben so viel Quatsch gemacht und waren ständig unterwegs. Meine Freunde haben mich sofort integriert und waren total herzlich. Das hab ich mir vorher schon anders vorgestellt.“ Außerdem findet sie toll, dass Jugendliche in Deutschland so selbstständig sind, weil sie überall ohne ihre Eltern hingehen dürfen – und können. In Rio de Janeiro kann Amanda nicht alleine mit dem Rad fahren oder auf Parties gehen, weil es einfach zu gefährlich ist. Und wie sieht es mit der Ordnung und Pünktlichkeit aus? „Deutsche sind definitiv viel ordentlicher und vor allem organisierter als wir. Aber das stört mich nicht – im Gegenteil. Das riesige Chaos bei uns geht mir oft auf die Nerven!“ Ein Vorurteil habe sich für die Südamerikanerin dann aber doch bestätigt, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu: „Bei uns sagt man, dass Europäer ein bisschen steif und verklemmt sind. Und es gibt eine Sache, bei der ich das wirklich gemerkt habe: besonders gut tanzen könnt ihr ja nicht.“
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