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Stichwort Jugendwort: „Knorke triff BÄM“




Ist Jugendsprache für den ,Verfall’ der deutschen Sprache verantwortlich? Dr. Nils Uwe Bahlo, Linguist mit dem Forschungsschwerpunkt Jugendsprache an der Universität Münster, verneint vehement. Die Veränderung von Wortschatz und grammatikalischen Strukturen sei "Teil jeder aktiven Sprachgemeinschaft“ und als Wissenschaftler gehe es ihm um die Analyse, nicht um die Bewertung, dieser Entwicklungen. Somit ist "Läuft bei dir“ — das Jugendwort des Jahres 2014 — auch kein missglückter, sondern ein für den umgangssprachlichen Gebrauch pragmatisch verkürzter Satz: Aus "Es läuft offensichtlich gut bei dir“ wird einfach "Läuft bei dir“. Das Auslassen solcher, für den Informationsgehalt der Aussage unwichtiger, Wörter ist zudem kein neues oder rein jugendsprachliches Phänomen. Laut Bahlo besteht in der gesprochenen Sprache seit jeher eine solche "Tendenz zur Sprachökonomie“.

Abgrenzung von Älteren

Dennoch haben Jugendliche einen großen Anteil an der Entwicklung von Sprache. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht ergibt sich dieses innovative Potential aus einer — zum Teil humorvollen — Abgrenzung von der ,Welt der Erwachsenen’, wie Dr. Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut erklärt. Er betont aber auch, dass die meisten Jugendlichen sehr genau zwischen Gesprächssituationen mit Gleichaltrigen auf der einen und Lehrern, Eltern oder Arbeitgebern auf der anderen Seite zu unterscheiden wüssten und sich neben jugendsprachlicher Ausdrücke auch einer elaborierteren Ausdrucksweise bedienen könnten.

Soziale Netzwerke als Quelle

Die eine Jugendsprache gibt es ohnehin nicht: Wer was wie sagt, wird stets durch den regionalen und sozialen Hintergrund des Sprechenden mitbestimmt. Das hat auch die Wahl zum Jugendwort des Jahres 2014 gezeigt: "Läuft bei dir“ konnte sich bei der Jury nämlich vor allem deshalb durchsetzten, weil die Redewendung — im Gegensatz zu vielen anderen eingereichten Begriffen — regionen- und milieuübergreifend Anwendung findet.

Die wohl wichtigste Quelle für die Entstehung und Verbreitung solcher Ausdrücke sind Soziale Netzwerke und andere Online-Plattformen: "Neue Kommunikationsformen erfordern neue Bewältigungsstrategien“, wie Bahlo erklärt, und viele der aus dem Internet bekannten Abkürzungen, Zeichen und Begriffe finden schnell Einzug in die Alltagssprache.

Keine Sprachverrohung

Dass dabei auch rassistische, sexistische oder in irgendeiner anderen Form beleidigende Begriffe von Jugendlichen kreiert und aufgegriffen werden, ist nicht von der Hand zu weisen. Solche Fälle gilt es aber im Einzelnen zu bewerten, anstatt Jugendsprache deshalb kategorisch mit Sprachverrohung gleichzusetzen — zumal Beleidigungen nun wirklich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts sind.

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