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„Festivalistin“ und Autorin Simone Bauer: „Festivals? Ein extremes Extrem“




Wenn das Leben die besten Geschichten schreibt, dann sind Festivals auf jeden Fall ein Kapitel für sich. Jeder, der sich schon mal in diesen Strudel aus Musik, Matsch und Menschmassen geworfen hat, bringt nicht nur einen heftigen Sonnenbrand mit nach Hause, sondern auch eine Menge skurriler Erlebnisse. 33 davon hat Autorin Simone Bauer in ihren „Matsch-Memoiren“ zusammengetragen – authentische Geschichten von lustig bis lästig. YAEZ traf die bekennende „Festivalistin“ zum Interview.

In deinem Buch „Alkoholfrei“ hast du dein Leben ohne Bier und Co. beschrieben. Aber ist es nicht ziemlich anstrengend, nüchtern auf Festivals zu gehen?

Nein, eigentlich nicht. Die Menschen auf Festivals sind da sehr tolerant. Ich wurde eher komisch angeguckt, wenn ich mir mal die Lippen nachgezogen oder die Haare gekämmt habe. Es gibt auch viele Besucher die ganz bewusst auf Alkohol verzichten, um mehr von der Musik mitzubekommen. Und man behält nüchtern ja auch mehr in Erinnerung, was mir für meine Arbeit an dem Buch sehr geholfen hat.

Du besuchst seit du 16 bist regelmäßig Festivals. Hast du eigentlich ein Lieblingsevent?

Rock im Park! Das war mein erstes Festival und hat – finde ich – auch meistens das beste Line-Up. Außerdem ist es ja ganz bei mir in der Nähe.

Würdest du auch hingehen, wenn die Bands dich mal nicht so überzeugen? Einfach wegen der Atmosphäre?

Nein, das machen zwar viele, aber ich gehör zu den echten Fan-Girls die eigentlich nur wegen der Bands hingehen. Es kam natürlich auch schon mal vor, dass das Line-Up nicht so toll war und dann bin ich auch nicht hingegangen.

Und gibt’s ein Festival auf dem du noch nie warst, aber unbedingt mal hinwillst?

Glastonbury! Das schlammigste Festival überhaupt (lacht). Eine Freundin und ich hatten sogar schon mal Tickets, aber wir waren da noch in der Ausbildung und konnten dann leider doch nicht hin. Die Arbeit ging einfach vor (lacht).

Und während der Schulzeit? Hast du da auch nie geschwänzt, um auf ein Festival zu gehen?

Nein, ich war brav (lacht). Ich bin immer nur hingegangen, wenn sowieso frei war, z.B. in den Pfingstferien. Aber aus meiner Klasse haben das schon welche gemacht, klar.

In deinem Buch erzählen sehr unterschiedliche Leute von ihren ganz persönlichen Festivalerfahrungen. Glaubst du, dass man sich beim Lesen deines Buches trotzdem wiedererkennen kann? Oder steht für dich die Unterhaltung im Vordergrund?

Beides. In erster Linie sollen die Geschichten natürlich unterhalten. Aber irgendwer wird immer auch einen Zusammenhang zu sich selbst entdecken. Wenn nicht zu den Erlebnissen – denn ich hoffe nicht, dass sich jeder schon mal ein Bein auf einem Festival gebrochen hat (lacht) – dann zu einer der Figuren. Es ist auf jeden Fall ein sehr authentisches Buch; die Geschichten sind ja alle wirklich so passiert.

Du hast mal gesagt, dass Festivals etwas für alle Altersgruppen sind. Aber wäre es dir nicht peinlich, wenn deine Eltern auf dasselbe Festival gehen würden wie du?

Lustigerweise waren meine Eltern zum Teil sogar auf denselben Festivals wie ich – also 30 Jahre zuvor (lacht). Aber ich war auch schon öfter mit meinem Vater auf Konzerten. Damit habe ich also wirklich kein Problem. Ich find’s auf Festivals auch immer süß, wenn 50-jährige mit Wohnwägen kommen oder im Hotel schlafen. Es ist also auf jeden Fall etwas für alle Generationen. Außer vielleicht für kleine Kinder. Das ist zwar auch irgendwie süß, aber ich weiß trotzdem nicht, ob ein Festivalgelände der richtige Ort für sie ist.

Es gibt ja auch Bands und Musikliebhaber – prominente Beispiele sind etwa Tocotronic oder Sarah Kuttner – die offen sagen, dass sie mit großen Festivals wenig anfangen können. Wie erklärst du dir das? Ist das einfach Typsache?

Es ist auf jeden Fall Typsache. Auf Festivals sind einfach wahnsinnig viele Menschen; es ist ein extremes Extrem. Das liegt natürlich nicht jedem. Aber es gibt ja auch kleinere, ruhigere Festivals, auf denen auch mal Lesungen stattfinden und so. Aber klar: Wer gern auf intime Clubkonzerte geht, kann mit Festivals unter freiem Himmel nicht unbedingt was anfangen. Ich hoffe aber, dass mein Buch auch solchen Leuten gut gefällt. Allein aus voyeuristischen Gründen (lacht).

Gibt es irgendwas für dich, was auf keinem Festival fehlen darf? Irgendwas, das du immer mitnimmst?

Ich habe immer Ohropax dabei. Dadurch, dass ich auch schon auf Festivals gearbeitet habe, schrabbel ich eh schon knapp am Tinitus vorbei, da ist das ganz wichtig. Und Kaubonbons! Wenn man mitten in der Menge ist, kommt man manchmal stundenlang nicht raus. Da sind Kaubonbons ein richtiger Lifesafer. Achso und Gaffa-Tape. In jeder Lebenslage (lacht). Das sollte man einfach immer dabei haben und wenn’s nur zum Quatsch machen ist (lacht).

Und wie sieht’s diese Festival-Saison bei dir aus? Warst du wieder bei Rock im Park oder steht noch etwas anderes an?

Ich wär total gerne zu Rock im Park gegangen, weil das Line-Up dieses Jahr wieder super war. Nur: Wegen des Buchs war das leider nicht möglich. Aber ist auch ok, letztes Jahr war ich ja auf fünf Festivals. Ich mache das öfter so, dass ich in einer Saison richtig viel besuche und es dann im nächsten Jahr etwas ruhiger angehen lasse. Aber vielleicht ergibt sich ja noch was Last Minute!

Die „Matsch-Memoiren“ und andere Bücher von Simone Bauer sind überall im Handel erhältlich.

Simone Bauer: Matsch-Memoiren. 33 Festivalgänger erinnern sich an die krasseste Party ihres Lebens, Schwarzkopf&Schwarzkopf, Berlin 2013, 9,95 Euro.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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