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Selbstversuch: Mein Leben ohne Müll




Wir stellen den Müll vor die Tür, er wird abgeholt und verschwindet aus unseren Köpfen. Vieles wird gesammelt, von Maschinen sortiert und recycelt. Aber oft lassen Menschen Müll auch an öffentlichen Orten liegen. Er wird durch den Wind in die Flüsse und dadurch ins Meer getragen und bleibt dort. Besonders schlimm ist dabei Plastik, da es sich im Laufe eines Menschenlebens nicht zersetzen kann. Die Plastikflasche, die ich kaufe, überlebt mich etwa fünf Mal.

Plastik in meinem Leben

Es beginnt morgens unter der Dusche. Mein Haarshampoo und Duschgel sind in Plastik verpackt – Verpackungen, die ich jeden Monat auswechsle. Weiter geht es mit meiner Zahnbürste, Zahnpasta und Gesichtscreme. Auch andere Kosmetikartikel wie Make-up, Eyeliner oder Concealer sind in kleinen Plastikgefäßen verpackt. Schon beim Frühstück bekomme ich das Gefühl: [pullquote]Plastik beherrscht mein Leben.[/pullquote] Es ist ein durchsichtiger Feind, der mein Brot umhüllt, den Käse verschließt und die Milch ummantelt.

Wie fange ich an?

Erst mal hilft es, sich einen Stichtag zu setzen, sonst trickst man sich immer wieder selbst mit der „letzten Ausnahme“ aus. Vor dem Start der Woche habe ich außerdem bewusst mit vielen anderen Menschen aus meinem Umfeld darüber geredet: [pullquote]Es gibt kein Zurück mehr, da alle davon wissen. [/pullquote] Eine Freundin schließt sich mir an und ich habe schon mal eine Verbündete. YouTuberin Lilies Diary hat mir außerdem den Tipp gegeben, Prioritäten zu setzen. Meine sind: Plastik vermeiden, regional einkaufen und recyceln.

Los geht’s

Ich fange damit an, meine Morgenroutine zu verändern, und kaufe mir eine Bambuszahnbürste, Zahnputztabletten und Shampoo für Körper und Haar in fester Seifenform. Der erste Biss auf die kleine Zahnputztablette fühlt sich komisch an, denn gewöhnlich gibt es mit Zahnpasta direkt nach zwei Bürstenbewegungen eine kleine Schaumexplosion im Mund. Das Frischegefühl nach dem Putzen ist aber gleich. Weiter geht es in der Dusche mit dem neuen ShampooBit. Erst bin ich skeptisch: Ein Seifenstück für 9 Euro, das auch noch für trockenes Haar sein soll. Ich schäume es unter der Dusche auf und es funktioniert besser als gedacht – das Ergebnis überzeugt mich.  Zero Waste

Weiterdenken

Um Müll zu vermeiden, sollte man vorausplanen. Wenn ich regionales Obst und Gemüse ohne Verpackung haben möchte, muss ich schauen, wann der nächste Wochenmarkt in meiner Umgebung ist, und am besten für die ganze Woche einkaufen. Bei mir gab es zum Glück direkt am Dienstag einen Markt ganz in meiner Nähe. Paprika, Tomaten, Salat, Äpfel und auch Käse landeten direkt in meinem Korb.Und auch ein Unverpackt-Laden ist in meiner Nachbarschaft. Ich nehme also mehrere Frischhaltedosen und Gläser mit und fülle mir Nudeln, Haferflocken, Nüsse und Linsen direkt in meine Behältnisse – keine unnötige Verpackung. Irgendwie macht es auch Spaß, die Nudeln aus dem Rohr zu schütten und selbst zu bestimmen, wie viele es sein sollen. Süßigkeiten gibt es hier übrigens auch.Unverpackt Laden Schüttgut

Nie wieder Müll?  

Auch wenn sieben Tage erst mal nicht lang erscheinen: Ich bin in dieser kurzen Zeit schon an meine Grenzen gestoßen. Gar keinen Müll zu produzieren ist fast unmöglich. Vieles dauert einfach länger und ist anfangs mühselig, weil einem nicht wie im Discounter oder Supermarkt die Komplettlösung in Plastik serviert und dreifach verpackt wird. Ich gehe jetzt mit einem aufmerksamen Blick durch die Läden. Die eingeschweißte Gurke oder die in Plastik verpackten Äpfel machen mich ein bisschen sauer. Aber das beste Gefühl: [pullquote]Mein Morgen startet jetzt nahezu plastikfrei.[/pullquote]  
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