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Schluss jetzt: Ich mach nicht mehr mit




Es brummt. Einmal. Zweimal. Im Sekundentakt geht es weiter. Als du nach ein paar Minuten auf dein vibrierendes Handy schaust, hast du 32 ungelesene Nachrichten, die sich im Gruppenchat angesammelt haben. Was am Wochenende geht, fragt Paul. Laya schreibt, dass sie gerade Kaffee trinkt. Yannik will wissen, welche Aufgaben ihr in Mathe bearbeiten sollt. Und du? Bist vor allem genervt. Das meiste darin interessiert dich gar nicht und lenkt nur ab. Vom Arbeiten, Lesen oder auch, wenn du gerade mit einer Freundin zusammensitzt und dich gern in zusammenhängenden Sätzen unterhalten würdest. Schon öfter hast du darüber nachgedacht, dich aus dem Chat einfach auszuklinken. Nicht mehr mitzumachen bei dem Nachrichtenwahnsinn. Du merkst ja, dass du auf das Dauerschreiben keine Lust hast. Da sollte die Entscheidung doch eigentlich klar sein. Oder?

Ein „Nein“ erfordert Mut

Wie schwer es sein kann, „Nein“ zu etwas sagen, das alle in der Klasse, im Freundeskreis machen oder cool finden, weiß die Therapeutin Prof. Dr. Eva Busch: „Am Anfang der Pubertät ist es oft so, dass man das Gefühl hat, ganz genauso sein zu müssen wie alle anderen, die gleiche Kleidung zu tragen, die gleichen Dinge gut zu finden – aus Angst, sonst aus der Gruppe zu fallen.“ Ob es nun darum geht, Teil eines Chats zu sein, sich wie alle anderen bei Instagram zu präsentieren, die gleichen Jeans zu tragen oder ins Fitnessstudio zu gehen: Manchmal tun wir Dinge, die wir gar nicht wirklich wollen. Wir lassen uns von anderen mitreißen, obwohl es uns eigentlich in eine andere Richtung zieht. Wenn es dann auch noch passiert, dass die Eltern etwas nicht erlauben, denkt man schnell: Alle dürfen das, nur ich nicht. „Oft ist das in der Realität nicht so. Aber dass die anderen bei einem ,Nein’ nicht mehr mit einem reden, einen nicht mehr mögen könnten, sind Sorgen, die fast jeder kennt. Damit ist man nicht allein“, sagt Eva Busch. Dabei könne einem ein „Nein“ auch Power geben. „Eine klare Ansage kann einem den Respekt der anderen verschaffen. Es hilft einem dabei, selbstbewusster Entscheidungen zu treffen. Am Ende kann ein ,Nein’ einen also durchaus kräftigen und stärker machen. Man lernt darüber auch, für welche Dinge es sich lohnt zu kämpfen – und was am Ende vielleicht doch nicht so wichtig für einen ist.“

Unser Bauch spürt, was gut ist

Je älter wir werden, umso sicherer werden wir zum Glück mit uns – was die anderen denken, ist dann nicht mehr so wichtig. „Am Ende der Pubertät fällt es einem leichter, sich unabhängig von dem Tun der Gruppe zu entscheiden“, bestätigt Eva Busch. Gleichzeitig entwickeln wir ein Gespür für richtig oder falsch. Wenn sich beim Scrollen durch Instagram und die vermeintlich perfekten Leben der anderen zunehmend ein komisches Gefühl in der Magengegend einstellt, kann es besser sein, sich von der Plattform abzumelden. Pause zu machen. Sich anderen Dingen zuzuwenden. Denn eines steht fest: Der Bauch lügt nicht. „Dem Gefühl, was einem gut tut und was eher nicht so, kann man ruhig trauen“, sagt Eva Busch. Tut man das, wird das „Nein“ zu etwas oder zu jemandem am Ende zu einem großen „Ja“. Einem „Ja“ zu sich selbst.Hier erzählen uns Ehmi, Daniel und Zoe, warum sie nicht mehr mitmachen.
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