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Nocturama: Eine Gruppe französischer Hipster wird zu Terroristen




Eine Gruppe jugendliche Franzosen (Finnegan Oldfield, Laure Valentinelli, Hamza Meziani, Jamil McCraven, Manal Issa, Martin Guyot, Ilias Le Doré, Rabah Naït Oufella) hat sich etwas in den Kopf gesetzt: Sie wollen an besonders beliebten und belebten Orten in Paris Sprengsätze hochgehen lassen. Allein oder zu zweit gehen sie los, holen Pakete ab, lassen Smartphones in Mülleimer fallen, checken in Hotelzimmer ein, verschaffen sich Zugang zum Innenministerium oder auch zu einem leerstehenden Hochhaus. Bis es überall zum großen Knall kommt. Aber als das so weit ist, verbarrikadieren sie sich alle in einem Luxuskaufhaus. Dort angekommen, beginnen sie mehr und mehr ihre Taten zu hinterfragen – und Klarheit gibt es für keinen von ihnen.

Wie real kann Fiktion sein?

Man möchte meinen, Regisseur Bertrand Bonello habe sich bei seiner Geschichte von den Paris-Attacken im November 2015 beeinflussen lassen. Denn schaut man sich Nocturama an, wirkt es wie die Bewältigung eines Traumas. Wir sehen, wie sinnlos Gewalt ist. Wir sehen, dass sie jeden treffen kann. Überall und zu jedem Zeitpunkt. Doch tatsächlich hatte Bonello schon fünf Jahre vor den Anschlägen in der französischen Hauptstadt das Drehbuch für sein Drama beendet. Bereits damals überkam ihn das Gefühl, dass sich einfach alles in der nächsten Minute in Staub und Luft verwandeln könnte. Ein beängstigender Gedanke, den er so auch perfekt inszeniert in seinen rund zweistündigen Film hat einfließen lassen. Ein Grund mehr, warum man Nocturama nicht einfach hinnehmen kann, sondern noch lange darüber diskutieren will.

Was macht das mit uns?

Es sticht besonders hervor, dass Bertrand Bonello eine so große und sehr unterschiedliche Gruppe von Attentätern zeigt. Manche von ihnen nehmen in ihrer Freizeit am liebsten Schaumbäder, manche von ihnen sind besonders arrogant, manche intellektueller, manche wütender als andere. Aber eines ist sicher: Man kann sie nicht über einen Kamm scheren. Bonello zeigt nichts Schwarzweiß und schon gar keine stereotypen Terroristen. So klar sie alle noch ihr Ziel bei der Platzierung ihrer Sprengsätze vor Augen zu haben scheinen, so sehr zweifeln sie teils auch im Nachhinein. Dadurch wird der zweite Teil des Films, bei dem sie in diesem unglaublich dekadenten Kaufhaus festsitzen, zum Kammerspiel. Hier haben sie Zeit ihren Gedanken und Gefühlen nachzuhängen. Das ist der Part, der das Drama zum Meisterstück macht.

Fazit

Nocturama ist ein stylisches Drama mit einem unpopulären Thema: Ein paar Freunde wollen ihrer Wut freien Lauf lassen, indem sie unschuldige Menschen ins Unglück stürzen. Und was kommt danach? Das große Nichts. Die Inszenierung sitzt, genauso wie die Dialoge. Dennoch bleiben viele, komplett ambivalente Gefühle nach dem Schauen des Dramas übrig – und das noch für lange Zeit.https://www.youtube.com/watch?v=4ifbUJjqQ3EFrankreich, Deutschland, Belgien 2016; R: Bertrand Bonello; D: Finnegan Oldfield, Laure Valentinelli, Hamza Meziani, Jamil McCraven, Manal Issa, Martin Guyot, Ilias Le Doré, Rabah Naït Oufella; FSK ohne Angabe; Kinostart: 18.05.2017 
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