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Marching Band Moop Mama: „Die Leute sind völlig ausgeflippt“




Ihr bezeichnet euch selbst als Marching Band und seid gerade auf Tour in Europa. Wie ist das Verhältnis von Auftritten auf echten Bühnen und Gigs auf der Straße?Momentan spielen wir definitiv häufiger auf Bühnen in Clubs und Konzerthallen. Das liegt zum einen daran, dass wir gerade auf Tour sind und ein neues Album herausgebracht haben, zum anderen wird es gerade Winter und damit viel zu kalt, um draußen zu spielen. (lacht)

Was macht mehr Spaß, Splash Festival oder Fußgängerzone?

Da möchte ich mich eigentlich nicht festlegen. Es ist cool in großen Hallen vor einer großen Menschenmenge zu spielen. Ich mag den Flash, den mir ein solches Publikum gibt und es ist einfach schön, wenn ich mir überlege, dass die alle wegen uns da sind. Bei unseren Gigs auf der Straße spielen wir an unterschiedlichen und außergewöhnlichen Plätzen. Dadurch erleben wir eben auch oft außergewöhnliche Situationen.

Wer hatte die Idee Moop Mama zu gründen?

Unser Saxophonist Marcus hat damals versucht, die Truppe zusammenzustellen. Er wollte eine Band, die mobil und bläserlastig ist und hat sich die Leute zusammengesucht.

Gibt es eine Geschichte von einem Straßengig, die ihr auch nach Jahren immer noch erzählt?

Da gibt es mehrere Klassiker, aber die schönste Geschichte hat sich auf dem Münchner Gärtnerplatz abgespielt. Der Platz ist sowieso beliebt bei Leuten, die abends noch ein Bier trinken und entspannen wollen. Wir haben uns an den Theaterstufen aufgestellt und losgespielt. Binnen kürzester Zeit hörten uns um die 200 Leute zu, machten Party und drängten sich sogar bis auf die andere Straßenseite. Die ganze Aktion war zu einem richtigen Konzert ausgeartet und hat einen Riesenspaß gemacht. Wir haben natürlich währenddessen immer wieder in alle Ecken geschielt, weil wir sicher waren, dass irgendwann die Polizei kommen wird. Als sie dann wie erwartet kam, haben wir über Lautsprecher durchgesagt: „Wir glauben wir sind fertig“ und dann aufgehört zu spielen. Die Polizisten waren wirklich freundlich, allerdings hatte sie irgendein frustrierter Anwohner gerufen.

Eure Band ist mit 10 Mitgliedern so groß wie zum Beispiel Seeed oder ähnliche Mammutcombos. Was ist die Herausforderung an großen Bands? Musikalisch wie persönlich?

Disziplin. Auf der einen Seite potenzieren sich die Möglichkeiten Spaß zu haben und mit den anderen Bandmitgliedern allen möglichen Schwachsinn zu treiben. Auf der anderen Seite müssen auch mehr Leute sich auf den Punkt am Riemen reißen, wenn es darum geht konzentriert zu arbeiten.

Was sind die wichtigsten Dinge in eurem Tourbus?

Für mich persönlich ist mein Laptop wichtig, da ich unterwegs sehr viel schreibe, wie zum Beispiel ein Bandtagebuch. Mehr fällt mir gerade nicht ein, aber eines ist sicher: Man sollte wissen, ob der Tourbus ein Benziner ist oder mit Diesel läuft. Wir hätten beinahe einen Gig bei Bochum verpasst, weil wir diese Regel missachtet haben.

Auf "dem roten Album" hört man mehr elektronische Effekte als auf "Deine Mutter". Geht das konform mit dem Flair einer Straßenband?

Ja. Wir möchten auf dem Album nicht unseren Livesound abbilden. Wer auf ein Konzert geht, erlebt immer etwas anderes, als zu Hause im Wohnzimmer vor dem CD-Player. Wir haben diese Studioplatte mit den Mitteln eines Tonstudios produziert und dabei versucht eine besonders detailreiche Produktion hinzubekommen. Die Sounds, die man hört, sind ja trotzdem alle von uns selbst gemacht.

Im Song "Roboter" ist das Leben des Protagonisten von seiner Arbeit bestimmt. Glaubst du, dass heute viele Menschen im Hamsterrad der Arbeitswelt gefangen sind?

Ich denke schon. Von meiner Seite aus ist damit aber eher eine Horrorvision gemeint. Ich sage quasi selbst zu mir: "Oh Gott, bitte werde nicht so!" Allerdings meine ich damit nicht, dass ich Arbeit nicht leiden kann. Im Gegenteil macht mir Arbeit großen Spaß – sofern sie mich mit Sinn erfüllt, das ist die entscheidende Komponente dabei.

Welcher Song gefällt dir auf dem roten Album persönlich am besten?

"Die Stadt, die immer schläft". Der Song löst bei mir immer noch viele Emotionen aus, wenn ich ihn höre oder spiele. Das ist schon etwas besonderes, wenn man bedenkt, dass wir die Songs auf der Platte im Laufe der Produktion unzählige Male gehört haben.

Für das Video zu "Liebe" habt ihr eure Fans zum Videodreh eingeladen und mit ihnen gefeiert. Wie ist das abgelaufen?

Es hat großen Spaß gemacht und war einer der krassesten Momente bisher. Wir hatten über Facebook den Ort und die Zeit angekündigt und dass wir grillen wollen. Letztendlich kamen richtig viele Menschen und wir fingen an zu spielen und zu drehen. Als es dann zu regnen begann und wir den Dreh abbrechen wollten, skandierten die Leute: "Brücke, Brücke". Genau dort stellten wir uns dann unter und spielten weiter. Die Leute sind völlig ausgeflippt und bescherten uns auf diese Weise tolle Aufnahmen für das Video.{youtube video="N6xd8542AVg" height="344" width="458"}Moop Mama - "Das Rote Album" / 01. November 2013 / Millaphon Records
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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