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Mit Siebzehn: Du kannst dir nun mal nicht aussuchen, wen du liebst




In den französischen Pyrenäen lebt Thomas (Corentin Fil) mit seiner Mutter auf einem abgelegenen Berghof. Er muss täglich mehrere Stunden damit verbringen zur Schule und wieder zurück zu laufen. Aber als seine Mutter ins Krankenhaus muss, bietet die Landärztin Marianne (Sandrine Kiberlain) Thomas an, bei ihr in der Stadt zu wohnen. Der Haken: Mariannes Sohn Damien (Kacey Mottet Klein) und Thomas gehen schon in der Schule bei der kleinsten Sache aufeinander los. Marianne ahnt jedoch nicht, dass sich die beiden nicht ausstehen können. Und jetzt steht fest, dass sie sich vorerst ein Zuhause teilen. Die Auseinandersetzungen zwischen Thomas und Damien spitzen sich dadurch nur noch weiter zu. Als Marianne von den Prügeleien erfährt, weiß aber keiner der beiden so genau, woher die seltsame Feindschaft eigentlich kommt.

Von der Liebe und Selbstliebe

Mit seinen 74 Jahren beweist Regisseur André Téchinés wieder ein Mal, dass er was von der Jugend versteht. Nach Rendez-Vous (1985) und Wilde Herzen (1994) wandte er sich in den letzten Jahren eher einem älteren Kinopublikum zu. Aber damit sollte jetzt Schluss sein: Im vergangenen Jahr feierte Mit Siebzehn auf der Berlinale Premiere und eroberte sogleich die Herzen der Zuschauer. Das einfühlsame Generationenportrait zeigt, wie zwei Jugendliche mit ihren zunächst ziemlich verwirrenden Gefühlen umgehen. Und es macht klar, dass es nicht so leicht ist, die eigene sexuelle Orientierung zu akzeptieren – dass das aber ein wichtiger Schritt zur Selbstliebe ist. Diese filmische Auseinandersetzung geschieht zum Glück komplett ohne Klischees. Regisseur Téchinés nutzt vor allem die Natur und viele Totalen, um stets alle Beteiligten im Blick zu behalten und so die Entwicklungen darzustellen. Eine Szene, in der sich Damien und Thomas mitten in der Wildnis prügeln, wird so zu einer Explosion der Emotionen. Und ein anderes Mal wirkt Thomas auf seinem Schulweg durch schneeige Landschaften sinnbildlich wie der Außenseiter, der er auch in der Schule ist. Die Bilder sagen in diesem Drama oft alles.

Faszinierende Irritation

Wir wissen: Erwachsenwerden nervt manchmal. Und ein widersprüchliches Innenleben gehört mindestens genauso dazu, wie der Wunsch nach einer starken Außenwirkung. Mit Siebzehn zeigt nun, dass man manche Dinge einfach nicht so steuern kann, wie man das gerne hätte. Und zu diesen gewissen Dingen gehört manchmal auch das Verlangen nach einer bestimmten Körperlichkeit, Wärme und Zuwendung oder auch der heimliche Wunsch, Grenzen zu überschreiten. Sowohl der Schauspieler Corentin Fil, als auch Kacey Mottet Klein spielen so mühelos, dass es große Freude macht die Entwicklungen ihrer Rollen mitzuerleben. Insbesondere wenn man erkennt, dass ihre Charaktere oft nur aufeinander reagieren, ohne bewusst darüber nachzudenken, was sich da gerade zwischen ihnen abspielt. Die Gefühle, die sie eigentlich für einander hegen, bleiben lange Zeit unausgesprochen – und kommen doch dank der schauspielerischen und inszenatorischen Leistung beim Zuschauer an. Das ist beeindruckend und intensiv zugleich.

Fazit

Mit Siebzehn ist ein Film über den Moment, in dem man plötzlich nicht mehr klar denken kann. Die Auseinandersetzungen zwischen Thomas und Damien sind zunächst rau, aber entfachen auch eine eigenwillige Anziehungskraft. Ein Drama, das man sich auf jeden Fall aufgrund seiner Vielschichtigkeit öfter angucken und immer wieder etwas Neues entdecken kann.https://youtu.be/JIkYGz0-hacFrankreich 2016; R: André Téchiné; D: Sandrine Kiberlain, Kacey Mottet Klein, Corentin Fila, Alexis Loret; FSK 12; Kinostart: 16.03.2017
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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