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Macherin des Monats: „Wir wollen zusammen einen Alltag leben“




2015, als die erste große Migrationsbewegung aus Syrien zu uns kam, wollten sich in Lüneburg viele junge Menschen engagieren, aber wussten nicht, wie sie das genau anstellen sollten. Kurzerhand habe ich mit einem Freund „Jugend für Geflüchtete“ gegründet, eine Organisation, die als zentrale Anlaufstelle und Plattform Möglichkeiten zum Engagement bündelt. Eine unserer ersten Aktionen war eine Demonstration für ein weltoffenes Lüneburg. Da kamen 500 Menschen, was für unsere Stadt eine ganz schöne Nummer ist! Wir haben die ganze Demo alleine hochgezogen und das hat uns sehr viel öffentliche Wahrnehmung verschafft. So dauerte es nicht lange, bis wir von 15 Gründungsmitgliedern auf über 50 Personen angewachsen sind.Demonstrationen organisieren wir im Schnitt nur einmal im Jahr. Unsere eigentliche, tägliche Arbeit besteht in viel niedrigschwelligeren Aktionen, mit denen wir vor allem junge Lüneburger mit jungen Geflüchteten zusammenbringen. Einmal die Woche laden wir beispielsweise zum Sprach-Tandem ein und zur Hausaufgabenhilfe. Beim monatlichen „Cooking connects“ kochen wir typische Gerichte aus Deutschland und auch aus den Heimatländern der Geflüchteten. Wir spielen einmal im Monat mit Kindern in der benachbarten Flüchtlingsunterkunft. Oder wir gehen raus und zeigen den Neuankömmlingen, in welchen Cafés man hier gut rumhängen kann und welche Bars cool sind.

Ein Netzwerk für Geflüchtete

Klar haben die Geflüchteten auch viele Fragen rund ums Bleiberecht oder zur drohenden Abschiebung. Dafür gibt es in den Unterkünften aber die Sozialarbeiter, die können so etwas viel besser beantworten als wir. Unsere Stärke ist, von Jugendlichen zu Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen, Alltagserfahrungen zu sammeln und Vorurteile abzubauen. Der einzige Weg, zu zeigen, was bei uns Alltag ist, besteht doch darin, gemeinsam mit den Geflüchteten genau diesen Alltag zu leben!Macherin des Monats YAEZ Print[pullquote]"Unsere Stadt soll weltoffen bleiben"[/pullquote]Zum Glück hat Lüneburg nicht so viel Probleme mit Rechtspopulismus wie andere Städte in Deutschland. Dennoch investiere ich in das Projekt „Jugend für Geflüchtete“ pro Woche ein paar Stunden Zeit und bei Großaktionen sogar noch mehr, weil ich wichtig finde, dass unsere Stadt so weltoffen bleibt. Außerdem erreichen wir mit unseren Aktionen auch etwas. Bei uns wurde noch kein einziger Flüchtling abgeschoben. Viele dürfen bleiben, weil sie schnell eine Ausbildung und einen Job finden. Und das geht natürlich nur, wenn die Geflüchteten ein gutes Netzwerk und gute Kontakte haben. Bei uns ist das sicher der Fall: Nach drei Jahren mit „Jugend für Geflüchtete“ sind bei uns schon viele Freundschaften zwischen jungen Menschen entstanden und die beziehen teilweise ganze Familien und Bekanntenkreise mit ein.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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