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Konfetti, Umweltschutz und Liebeskummer: Pohlmann im Interview




Total aufgeregt rief ich bei Pohlmann an. Schließlich war es mein erstes Interview! Nach einer kurzen Begrüßung hab ich ihm das einfach gestanden und seine Reaktion hat mich total überrascht: Er lachte und sang „The first cut is the deepest“. So cool war Pohlmann das ganze Gespräch über. Einen besseren ersten Interview-Partner hätte ich mir nicht vorstellen können.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich hab eine Gitarre im Keller meiner Eltern gefunden. Da hab ich immer drauf rumgezupft. Irgendwann später hab ich dann angefangen, auf dem Fahrrad zu singen; immer wenn keiner hingeguckt hat. Mein Bruder hat mir vorgeschlagen, mal Musik zu machen. Also hab ich mich einer Band angeschlossen und bin nach Münster gezogen. Weiter ging‘s nach Hamburg und dort wurde es sozusagen das erste Mal professionell, mit einem Plattenvertrag.

Hat jemand mal zu dir gesagt, dass du es nicht schaffst?

„Du schaffst es nicht“ hat so direkt niemand zu mir gesagt. Was dir aber immer irgendwann jemand auf dem Weg sagen wird, ist: „Es wird hart.“ (lacht) Es wird nicht leicht, es wird kein heißes Messer, das durch Butter geht. Das kann zwar passieren, es passiert aber nur den allerwenigsten. Du kannst es dir ja vorstellen: Es kann ein unerwartet langer Weg sein, der dir manchmal hart vorkommt, aber eigentlich bist du die ganze Zeit, was du wolltest: ein Musiker. Den ganz großen Durchbruch hatte ich auch nie, aber das ist für mich alles ganz gesund geblieben und ich kann weiter Musik machen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wann hast du dich dazu entschieden, das voll durchzuziehen? Gab es einen Moment, in dem du gesagt hast „Okay, ich probier’s jetzt“?

Als ich noch als Maurer in der Firma meines Vaters gearbeitet habe, wurde ich eigentlich nur ausgelacht. Jeder wollte es mir ausreden. Schließlich hatten sie sich gewünscht, dass ich die Baufirma übernehme. Der erste Erwachsene, der mir gesagt hat, dass es das Richtige für mich sei, war ein Lehrer. Als ich mit 25 Jahren mein Abi nachgemacht habe, fragte er mich: „Wo wollen Sie eigentlich hin, also beruflich? Und was wollen Sie nach dem Abi studieren?“ Und dann meinte ich, dass ich eigentlich gar nicht studieren möchte, eigentlich nur mehr wissen wollte, als das, was ich in der Hauptschule gelernt habe – und Musiker werden möchte. Er sagte dann: „Wissen Sie was, machen Sie das! Irgendwie sind Sie der Typ dafür.“

Du bist auf Twitter und Facebook aktiv. Wie wichtig ist Social Media für dich?

Soziale Medien sind das Kind unserer Zeit, mit dem wir spielen (lacht). Man sollte manchmal fünfmal nachdenken, bevor man etwas postet und dann aber noch mal überlegen, ob es die Welt wirklich interessiert beziehungsweise interessieren sollte. Es passiert in Sozialen Netzwerken einfach immer wieder, dass Ironie nicht ankommt, sondern als Beleidigung aufgefasst und mit Beleidigungen beantwortet wird. So entstehen dann oft unnötige Missverständnisse. Deshalb ist es immer gut, auch persönlich miteinander zu sprechen. Ansonsten ist Social Media eine Möglichkeit, sich selbstständig darzustellen und musikalisch oder künstlerisch was zu machen, das an dem großen Goodwill kommerzieller Möglichkeiten vorbeigeht. Hier kannst du wirklich dein eigenes Ding machen, was ziemlich geil ist.

Und woher bekommst du deine Ideen? Wenn du selbst Liebeskummer hast – oder wie läuft das?

Ja, aus all dem, was ich selbst erlebe oder empfinde. Das ist es ja auch, was so Spaß macht am Musikmachen: da Ergebnisse zu erzielen und Treffer zu landen. Also sich selbst zu treffen. Sei es mit einer Pistole oder Konfetti. Oder mit einer Konfettipistole! (lacht)

Was machst du neben Songschreiben und Musikmachen?

Ich hab keine Hobbys. Ich hab wirklich keine Hobbys: Ich mach Musik. Ich geh raus, ich treffe Menschen, ich hab eine Familie, ich geh auf Tour. Also keine Hobbys –  Philosophie interessiert mich und das ist aber auch kein Hobby oder?

Und die Umwelt: Du engagierst dich für Naturschutz.

Das ist ein starkes Interesse, das man als Mensch haben muss, um sein Überleben zu sichern. Ich denk mir, wir stehen unter Naturschutz, wissen es aber nicht oder nehmen es nicht ernst genug: Die Natur bietet Lebensbedingungen, die uns am Leben halten. Wenn wir nicht mehr unter Naturschutz stehen, dann lacht die Sonne nicht mehr, sondern sie scheint nur noch. Auf relativ trockenen Boden. Da geht’s auch nicht mehr um Jobs bauen (lacht), Jobs sind dann relativ unwichtig. Mit den richtigen Jobs in die Zukunft und das muss Hand in Hand gehen. Deswegen bin ich natürlich für Naturschutz und setze mich dafür ein. Das ist für unsere Zukunft wichtiger als alles andere.

Wie sieht es mit eigenen Projekten aus?

Ich habe ein Ozean Festival ins Leben gerufen, bei dem wir Spenden für Naturschutzprojekte sammeln. Das letzte Mal für die Sea Shepherd. Die versucht die akuten Geschichten zu bekämpfen: zum Beispiel Überfischung oder Walfang. Aber es gibt natürlich auch andere Ansätze: Am besten ist es, wenn man die Voraussetzungen für das Entstehen von Problemen beseitigt. Dafür setzt sich die Jane Goodall Roots & Shoots ein. Naturschutz ohne Bildung in Ländern wie Afrika, Indien oder Südamerika ist nicht möglich. Du musst Naturschutz immer mit den Kindern machen – mit den Menschen, die etwas verändern können.

Welche Ziele hast du dir für die Zukunft gesteckt?

Guten Mutes: Guten Mutes weitermachen. Ich hab keine wirklich persönlichen Ziele. Ich werde weiter Musik machen und es wird sich bestimmt noch einiges in meinem Leben verändern und zu seiner Zeit ergeben. Vielleicht gibt’s größere Ozeanfestivals oder andere Engagements. Ich glaube, dass das Bewusstsein dafür in den letzten fünf Jahren bei mir immer stärker geworden ist – und immer weiter wächst. Irgendwann bewegt man vielleicht mehr als man schon tut. Ich denke, dass es in diese Richtung geht.https://www.youtube.com/watch?v=zbCxpwXAlA8Pohlmanns neues Album Weggefährten ist am 24. März 2017 erschienen. Du willst ihn live sehen? Hier kannst du dir Pohlmanns Tourdaten ansehen!
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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