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König Boris: Ich hatte große Lust, neue Stukturen auszuprobieren




Vermisst du die anderen beiden Brote auf Tour?

Ich bin ja erst seit einer Woche auf Tour, gerade ist alles neu und aufregend. Deshalb hatte ich noch keine Zeit etwas zu vermissen (lacht), aber der Unterschied ist schon spürbar. Ich stehe plötzlich ganz alleine vorne auf der Bühne und habe nicht mehr die beiden anderen Entertainment-Wunder neben mir. Fällt mir mal nichts Kluges ein, kriege ich jetzt keine Unterstützung und es herrscht Stille.

Was war bei den Aufnahmen im Studio anders?

Einerseits musste ich keine Kompromisse machen und konnte alles selbst bestimmen. Anderseits hat man in Phasen der Ideenlosigkeit auch hier kaum Hilfe vom Rest der Crew. Aber auf jeden Fall war die Zeit im Studio eine sehr interessante Erfahrung.

Hast du dir von anderen Musikern auf Solopfaden Tipps geholt?

Nein. So lange im Voraus habe ich das Album gar nicht geplant. Ich hatte zwei drei Ideen für Songs und bin damit nach Gießen zu unserem Produzenten Arne Diedrichson gefahren. Beim Aufnehmen habe ich gemerkt, dass es geil klingt und Spaß macht. Also hab ich weiter gemacht und hatte dann plötzlich ein ganzes Album in der Hand. Große Vorplanung oder Vorbereitung gab es also überhaupt nicht.

Hast du die anderen Beiden Brote immer über den Stand der Dinge auf dem Laufenden gehalten oder war das fertige Album eine große Überraschung für sie?

Dr. Renz hat bei zwei Stücken mitgeschrieben und sonst wussten sie natürlich über das Vorhaben Bescheid, waren aber nicht immer tagesaktuell auf dem Laufenden. Irgendwann habe ich sie dann zum Hören des Gesamtwerks ins Studio eingeladen.

Wie war die Reaktion?

(lacht) Sie haben gesagt, dass es ihnen gefällt. Das habe ich einfach mal geglaubt.

Sind diese Songideen schon zu Zeiten von Fettes Brot entstanden oder erst in der Pause?

Die Ideen für einige Songs sind tatsächlich schon auf Tour mit den Jungs entstanden. Die endgültigen Texte und Melodien habe ich dann aber erst in der Pause geschrieben.

Hättest du diese Songs auch mit Fettes Brot umsetzen können?

Das ist eine interessante Frage. Mit der derzeitigen Pause wollen wir in erster Linie verhindern, dass wir mit unserer Musik die Leute zu Tode nerven. Mal ehrlich, nichts ist so langweilig und ermüdend wie die Dauerpräsenz einer Band. Die künstliche Verknappung der Brote war auch jetzt mal wieder nötig und deshalb stellte sich die Frage für mich gar nicht. Außerdem hatte ich große Lust darauf, neue Strukturen auszuprobieren und mal etwas anderes zu erleben. Das kann ja auch neue Impulse für Fettes Brot bringen. Und musikalisch wollte ich auch mal meine anderen Prägungen aus der Jugend ausleben, sprich Punk oder New Wave. Und ein Album von mir, das klingt wie Fettes Brot, hätte doch niemand gebraucht.

Ich finde aber schon, dass man Fettes Brot an einigen Stellen raus hört...

Ich finde es lustig, wie unterschiedlich das wahrgenommen wird. Es gibt zahlreiche Leute, die sagen, dass sie keine Brote auf „Der König tanzt“ raus hören. Aber ich finde es auch nicht schlimm, wenn jemand ein bisschen Fettes Brot in meiner Musik wieder findet. Warum sollte ich denn meine eigene Band verleugnen?

Naja, du hättest ja auch Englisch singen können und so eine klarere Trennung ziehen können.

Die Idee ist mir nie gekommen. Ich kann zwar recht gut Englisch sprechen, aber singen ist doch noch eine ganz andere Sache. Die Qualität meiner Texte sollte natürlich nicht leiden, immerhin lege ich darauf viel Wert.

Wie unterscheidet sich dein Album "König, tanzt“ von anderer aktueller deutscher Popmusik?

Ich habe das Gefühl, dass zurzeit sehr viel Kuschelmusik in Deutschland stattfindet. Gerade junge Männer beschäftigen sich heute musikalisch vor allem mit ihrer Gefühlswelt und den eigenen Befindlichkeiten. Ich wollte lieber etwas machen, was mit dem Hier-und-Jetzt und der Gesellschaft tun hat.

Ist diese musikalische Verpackung dabei die richtige?

Ich habe im Zusammenhang mit der „König tanzt“ sogar von der Einordnung Schlager oder Tanzmusik gelesen. Das habe ich auch schon gehört (lacht). Ich finde die Gleichsetzung von Tanzbarkeit und Belanglosigkeit sehr problematisch. Vielleicht sind es manche Leute einfach nicht mehr gewöhnt, Musik zu hören, die nach vorne geht und richtig Druck hat.

Ärgerst du dich eigentlich noch über schlechte Kritiken in den Medien?

Natürlich fühlt es sich immer am besten an, wenn die Leute deine Platte feiern. Was mich aber viel mehr stört, sind langweilige Verrisse. Etwas mit Leidenschaft scheiße finden, ist doch viel großartiger.

Leute, die deine Platte feiern, ist ein gutes Stichwort. Wie sieht denn dein Publikum aus? Sind das hauptsächlich die altbekannten Fettes-Brot-Fans oder erreichst du auch neue Zielgruppen?

Das ist schwer zu unterscheiden. Klar sieht man schon einige Leute, die auch auf Fettes-Brot-Konzerten zum Inventar gehören. Ob die anderen schon mal Fettes Brot gehört haben, wird aber am Eingang nicht abgefragt. Ich würde mir natürlich wünschen, auch viele neue Leute zu erreichen.

Worin liegen denn die Unterschiede zwischen einem Fettes Brot Konzert und einem Konzert des Königs?

Die Dimensionen sind ganz anders. Bei Fettes Brot steht eine ganz große Maschinerie dahinter und die Konzerte dauern viel länger. Ich habe ja nicht so viele Songs, die Locations sind kleiner und das macht die Konzerte etwas dreckiger - also im besten Sinne.

Wie fühlt sich denn die Rückkehr in diese kleinen Locations an?

Ich genieße es total in diese kleineren Clubs zurückzukehren und all die Mutigen zu treffen, die ohne die ganze Platte zu kennen zu meinen Konzerte kommen.

Bist du durch den großen Erfolg eigentlich entspannter geworden oder hast du noch die gleichen Ansprüche an die Solokarriere?

Ehrgeiz und Biss sind definitiv noch groß und auf der Platte aus meiner Sicht auch hörbar. Ohne hohen Anspruch an den Erfolg bräuchte ich keine Musik machen. Ich will, dass meine Musik geliebt wird - da bin ich null lässig.
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