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Klima-Comic: Wenn es gelingt, ein schwieriges Thema einfach zu verpacken




Ein Klimabericht ist nicht gerade eine leichte Bettlektüre. Warum sollte man also nicht einmal versuchen, die komplexen Zusammenhänge der Erderwärmung verständlich und anschaulich zu erklären. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Verlag „Jacoby & Stuart“ hat der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen (kurz: WBGU) genau das probiert und sein letztes Gutachten zum Klimawandel als Comic veröffentlicht. „Die große Transformation“, so der etwas sperrige Titel, nähert sich dem komplexen, wie vielschichtigen Thema auf eine für die Wissenschaft eher ungewöhnliche Weise. Aus den 420 Gutachten-Seiten und den Empfehlungen zur Begrenzung der Erderwärmung wurden 144 Seiten randvoll mit gezeichneten Episoden. Darin folgt der Leser jedem der neun Kommissionsmitglieder auf eine Reise durch seinen Fachbereich. In schwarz-weißen Bildern und eckigen Sprechblasen werden die verschiedenen Blickwinkel auf den Klimawandel erklärt, samt aller Folgen und hoffnungsvoller Lösungsansätze. Damit will man vor allem ein jüngeres Publikum anzusprechen, das sich sonst eher am Rande für Wissenschaft interessiert.

Keine Impulse

Das Ergebnis liest sich ganz ansprechend. So blickt Prof. Dr. Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik auf die Geschichte der großen Gesellschaftswandel und vergleicht die Entdeckung einer nachhaltigen Lebensweise mit der aufkommenden Aufklärung im 17. Jahrhundert. Gleichzeitig fällt seine Analyse der Klimagipfel eher ernüchternd aus. „Von der Aufbruchsstimmung des ersten Erdgipfels von 1992 ist nichts übrig geblieben. Von der Abschlusserklärung in Rio gingen keine Impulse aus und die Vielzahl der aufgerufenen Probleme führte dazu, dass kein Einziges entschlossen angepackt wurde.“ Potential für weltweite Nachahmungseffekte sieht der Wissenschaftler dagegen in der deutschen Energiewende.

Bedrohte Korallen

Etwas greifbarer ist das Kapitel von Herausgeber und Mitinitiator Prof. Dr. Reinhold Leinfelder. Ihm folgt der Leser bei seinem Tauchgang zu den bedrohten Korallenriffen der Tropen. Der Geologe und Paläontologe erforscht den Gesundheitszustand der bei Weitem artenreichsten Ökosysteme der Meere. Man erfährt etwas über den drohenden Kollaps der Riffe und den damit verbundenen Folgen für Menschen und Umwelt. „In 30-50 Jahren könnten fast alle Riffe zerstört sein, weil viele Korallen bei höheren Wassertemperaturen nicht überlebensfähig sind. Dies hat unabsehbare Folgen für den Küstenschutz und den Fischbestand. Für die Ernährung von Millionen von Menschen sind die Riffe unverzichtbar.“

Die Menschen müssen etwas verändern

Weitere Kapitel widmen sich dem Wetter, Energieeinsparungen und einer Welt im Jahre 2050. Zusätzliche Quellenangaben und Literaturtipps sollen den Leser anregen, den eigenen Alltag stärker zu hinterfragen und sich weiter zu informieren. Die Botschaften in den einzelnen Kapiteln sind sehr eindringlich, so wird man das Gefühl nicht los, dass unser System wirklich am Scheidepunkt steht. Nicht umsonst lautet nicht umsonst die Frage im Untertitel auch „Klima - Kriegen wir die Kurve?". Ob das Comic eine „Große Transformation“ der Gesellschaft anschieben kann, ist dennoch schwer zu sagen. Aber immerhin scheint es eine bessere Möglichkeit als das Gutachten selbst zu sein. Die 420 Seiten sind zwar öffentlich zugänglich aber so staubtrocken, dass selbst wissenschaftsaffine Menschen schnell zu spannenderen Lektüren greifen werden.

Alexandra Hamann, Claudia Zea-Schmidt & Reinhold Leinfelder: Die große Transformation. Klima - Kriegen wir die Kurve. Jacoby Stuart, 14,95 Euro.

In folgendem Video wir der Comic vorgestellt, weitere Informationen findet ihr auf dem Comic-Blog.

Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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