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Echt „Wach“: Warum Kim Franks Film wichtig ist




Wir sind mit den beiden Schauspielerinnen Jana McKinnon (19) und Alli Neumann (20) von "Wach" zu einem Videocall verabredet. Verbindung da, Verbindung weg, Verbindung da, Verbindung weg. Das Interview spiegelt die Botschaft des Films wider: Wir verlieren immer öfter die Verbindung – zur Realität, zu anderen und auch zu uns selbst.Alli und Jana bei dem Videointerview zu "Wach"Die zwei reden mit uns offen über ihre eigene Schulzeit, das Gefühl der Ziellosigkeit und den Druck von Social Media.[yaez-box]In "Wach" wollen zwei Freundinnen nicht mehr schlafen, so lange es geht – ohne Drogen. Warum? Sie wollen sich lebendig fühlen und etwas anders machen als der Rest. C. (Jana McKinnon) und Nike (Alli Neumann) sind 17, leben in einfachen Verhältnissen, ohne große Perspektive in der Zukunft. Sie nehmen uns mit der Kamera auf eine Reise durch 86 schlaflose Stunden mit. Wird sie die Müdigkeit zurück in die Realität zwingen? Und was bedeutet das Experiment für ihre Jugend und Generation Z?Passend dazu wird der Film heute ab 20 Uhr auf YouTube veröffentlicht und fünf Minuten nach Mitternacht bei ZDF gezeigt.[/yaez-box]Im Film bleiben C. und Nike extra lange wach. Seid ihr schon mal bewusst lange wach geblieben?Jana: Ich kann schon bis 10 Uhr am nächsten Tag wach bleiben. Aber das Längste war glaube ich 30 Stunden bei mir. Ich brauche viel Schlaf, sonst funktioniere ich gar nicht. Alli: Das gemeinsame Bergfest, da waren wir bis sieben wach. Sonst ist bei mir um 0 Uhr eigentlich immer Ende.Generation Z - was bedeutet das für euch? Zählt ihr euch dazu? Alli: Wir haben so viele Möglichkeiten heute und streben alle danach, etwas zu machen, was uns vollkommen erfüllt. Auf der anderen Seite wünschen wir uns auch Sicherheit. Ich unterliege diesem Tauziehen auch oft. [pullquote]Ist es das Richtige, was ich gerade mache?[/pullquote] Möchte ich den sicheren Weg einschlagen oder etwas tun was mich erfüllt? "Wir wollen gesehen werden - durch Shares und Likes“, heißt es im Film. Findet ihr Social Media gefährlich? Jana: Social Media ist ein Werkzeug und es kommt drauf an, wie man es benutzt. Für manche Menschen kann es auf jeden Fall gefährlich werden. Ich habe kein öffentliches Profil. Das ist meine Art von Selbstschutz.Alli: Schädlich ist es für viele Leute. [pullquote]Mich stresst Instagram schon oft.[/pullquote] Es ist immer eine Art Ranking von deinen Erlebnissen in Form von Likes und Reaktionen auf ein Posting. Da kommt man schnell zu dem Gedanken: Wieso interessiert sich keiner für das, was ich tue? Gerade wenn man noch nicht so viele Follower hat. Ich checke immer direkt, wie etwas ankommt, und hole mir auch von meinen Schwestern Feedback: Leute, kann das online bleiben? Es kommt auch vor, dass ich Postings dann wieder lösche. Schon irgendwie peinlich.Der Film erscheint im Fernsehen, aber auch auf YouTube. Werdet ihr euch die Kommentare durchlesen? Jana: So ein direktes Feedback zum Film in Form von Kommentaren zu bekommen, ist etwas komplett Neues für uns. Natürlich hoffen wir, dass der Film den zuschauern, egal welches Medium Spaß macht.Über welche Stellen im Film musstet ihr besonders nachdenken? Welche Momente haben euch an eure Jugend erinnert? Alli: Dieses komplett planlose Rumlaufen in der Stadt. Was haben wir damals eigentlich gemacht? Ich weiß es nicht mehr - aber genauso ist es im Film auch. Diese extremen Emotionen, die man in seiner Jugend hatte, werden richtig gut dargestellt. Manchmal weiß man gar nicht, warum einen etwas so heftig trifft, und kann seine Gefühle gar nicht richtig verstehen.Was habt ihr nach dem Abi gemacht? Alli: Erfolglos Musik. Ich bin mit dem Fahrrad und einer großen Reisetasche in die Regionalbahn gestiegen und wollte ganz groß werden. Gab es Situationen in eurem Leben, in denen ihr nicht weiterwusstet? Was habt ihr dann getan? Alli: [pullquote]Meine Schulzeit war für mich drei Jahre eine Oberkathastrophe.[/pullquote] Ich hatte einen chauvinistischen Lehrer und über den habe ich mich beschwert. Der hatte auch etwas mit Schülerinnen und ist einfach zu weit gegangen. Als er tatsächlich dann von der Schule geflogen ist, hat er mir eine andere Geschichte angehängt und ich wurde drei Monate suspendiert. Danach die drei Jahre hat fast keiner mit mir gesprochen, weil sie dem Lehrer geglaubt haben. Jeder Tag war wirklich schrecklich. Ich war so froh, als Schule endlich vorbei war. Wie hast du es da rausgeschafft? Alli: Ich habe viel geweint, viel Schokolade gegessen und einmal hätte ich fast hingeschmissen mit der Schule. Aber ich wollte unbedingt mein Abi machen und der Gedanke, dass die Schule ja auch nur für eine begrenzte Zeit ist, hat geholfen.Jana, wie war deine Schulzeit?Jana: Wegen diverser Dreharbeiten habe ich viel in der Schule gefehlt. Ich habe mich schon immer viel verbundener zu der Arbeitswelt als zu der Schulwelt gefühlt. Eine Zeit lang habe ich in New York gearbeitet und dann wieder zurück in die Schule zu kommen, war schwierig. Ich wollte etwas Sinnvolles tun und schon etwas bewegen. Aber den Abschluss zu machen, war mir sehr wichtig.[yaez-box]Mit "Wach" feiert Kim Frank als Regisseur sein Spielfilm-Debüt. Der ehemalige Sänger der Band "Echt" stand mit 17 bereits auf den großen Bühnen und hing in Poster-Form an den Wänden vieler Jugendlicher. Die Songs "Du trägst keine Liebe in dir" und "Weinst du" haben eine ganze Generation geprägt.[/yaez-box]Kim Frank war mit 17 schon sehr erfolgreich. Ihr spielt im Film auch 17-Jährige. Hat Kim Frank euch viel über seine Jugend erzählt?Alli: Wir haben super offen über alles gesprochen und uns ausgetauscht. Kim war ja auch Kameramann im Film und immer wenn die Kamera ganz nah dran ist, muss man sich vorstellen, dass er da zwischen uns rumturnt. Klar spricht man da viel miteinander.Jana: Viele Dinge hat er im Film versucht nachzubilden. Er hat auch damals in einer Sozialbausiedlung gewohnt und mein Zimmer aus dem Film sieht seinem damaligen ziemlich ähnlich.Ihr spielt im Film beste Freundinnen. Ist das echt?WACH Kim FrankJana: Kim hat uns eine Woche zusammen in ein Haus im Nirgendwo gesteckt. Wir waren dann irgendwo in Brandenburg, wo einfach sonst nichts war - nur wir zwei. Wir haben dann Filme geschaut, gekocht und einfach den Alltag miteinander verbracht.Alli: Wir haben sogar unter einer Decke geschlafen und einfach eine Woche alles zusammen gemacht. [pullquote]Das war wie Freundschaft im Schnelldurchlauf.[/pullquote] Wenn du die Woche immer nur eine Bezugsperson hast, fängst du automatisch an, der Person mehr zu vertrauen und auch anders miteinander umzugehen.Gab es Szenen, die euch trotzdem schwer fielen? Alli: Es gibt eine Szene in der Badewanne, wo Jana und ich zusammen drin hocken und auf total viele Dinge gleichzeitig achten mussten - rauchen, reden und sich auf Bewegungen konzentrieren. Die Zigarette zwischen die Zehen packen, so aufstehen, dass man die Brust nicht sieht - den anderen rasieren, ohne ihn zu verletzten - das war schon schwierig. Was hättet ihr gerne schon in der Schule gewusst? Alli: [pullquote]Nach der Schule ist alles anders.[/pullquote] Schule hat mich wirklich in sehr kritische Phasen gebracht. Im Film ruft C. ihre Mutter an und sie hilft den beiden Mädchen aus der Patsche. Was sagen eure Eltern zu euren Plänen? Jana: Meine Eltern sind total glücklich mit meinen Plänen und unterstützen mich darin. Ich bin finanziell nicht abhängig von ihnen und das ist mir auch sehr wichtig.Alli: Ich komme aus einem Hippie-Künstler-Haushalt, deswegen haben meine Eltern mich auch immer in kreativen Dingen unterstützt. Trotzdem ist natürlich der Gedanke da: Ich will euch nicht enttäuschen. Haben sie euch mal reingeredet? Jana: Wir waren viel auf Reisen, ich komme ja zur Hälfte aus Australien. Meine Eltern waren damals Performance-Künstler und ich bin on the road aufgewachsen. Es war meinen Eltern wichtig, dass ich das mache, worauf ich Lust habe.Alli: Mit der Musik hat es ja nicht so richtig funktioniert und egal, was ich gemacht habe, irgendwie hatte ich das Gefühl: Das wird nichts mehr. Deswegen habe ich mich für Tiermedizin beworben und wurde auch angenommen. Meine Eltern fanden das gar nicht gut und haben mich gefragt: Bist du wahnsinnig geworden? Die wollen, dass ich etwas mache, was zu mir passt.C. und Nike spielen im Film oft das Fragespiel Entweder-Oder. Ich habe da auch ein paar Fragen für euch vorbereitet: [yaez-box]

Entweder-Oder mit Alli Neumann und Jana McKinnon

WACH Kim Frank FilmBühnenlicht oder Neonlicht? Jana: Neonlicht. Ich schauspieler gerne, vor der großen Bühne habe ich noch zu viel Respekt.Alli: Bühnenlicht, wenn ich mir Konzerte anschaue. Ziemlich berühmt arm oder unbekannt reich sein? Alli: Ziemlich berühmt arm sein. Geld verdirbt Menschen oft. Nie wieder chatten oder nie wieder telefonieren können? Jana: Nie wieder chatten.Alli: Ich telefoniere auch viel lieber. Obwohl GIFs manchmal mehr als Worte sagen.Nie wieder flüstern oder nie wieder schreien können?Jana und Alli: Nie wieder schreien.Nur am Tag schlafen können oder für immer wach sein? Jana: Nur am Tag schlafen. Alli: Man muss ja dann nicht den ganzen Tag verschlafen.Nie wieder Bücher lesen oder Filme gucken? Jana: Nie wieder Filme gucken.Alli: Nie wieder Bücher lesen. Aber Zeitung darf ich dann noch, oder? [/yaez-box] 
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