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Jugend ohne Gott: Wenn sich jeder selbst der Nächste ist




Die talentiertesten Schüler aus der Abschlussklasse werden eingeladen an einem Hochleistungscamp teilzunehmen. Dort will die renommierte Rowald-Universität entscheiden, wer in diesem Jahr einen der begehrten Studienplätze angeboten bekommt. Mit dabei ist auch Zach (Jannis Niewöhner), der sich seit dem Selbstmord seines Vaters vom Rest der Gruppe abgekapselt hat. In seinem emotionalen Profil wird das als große Schwäche ausgelegt, da er nicht wirklich teamfähig erscheint. Doch auch er bekommt die Chance sich in einer Reihe von Tests zu beweisen – bis eine plötzliche Begegnung ihn vollkommen ablenkt. Mitten im Wald entdeckt Zach eine geheimnisvolle Person (Emilia Schüle), die sich illegal an den Gütern vom Camp bedient. Statt sie zu verraten, möchte er sie viel lieber verstehen lernen und Zeit mit ihr verbringen. Doch als sein Tagebuch verschwindet und ein Mord im Camp geschieht, sind auf einmal alle Augen auf ihn gerichtet. Höchste Zeit endlich für etwas einzustehen, das ihm wirklich wichtig ist!

Einfluss muss man sich verdienen

Nach 80 Jahren hat die gleichnamige Romanvorlage von Ödön von Horváth schon eine ganz schön dicke Staubschicht angesetzt. Der Roman erschien zu Zeiten des Nationalsozialismus und wurde wegen seiner offensichtlichen Systemkritik sogleich verbannt. Zu unserem Glück ist er aber nie in Vergessenheit geraten, denn als Jugendbuch stieß es auch außerhalb von Deutschland auf großes Interesse. Die Filmadaption hat jedoch nicht mehr viel gemeinsam mit dem Original – außer vielleicht der Intensität. Denn Regisseur Alain Gsponer (Heidi) nahm sich bei seiner 2017er-Interpretation von Jugend ohne Gott die Freiheit heraus, die Geschichte in die Jetztzeit zu verlagern. Genauer gesagt: In die greifbar-nahe Zukunft. Dadurch ist der Bezug zu unserer aktuellen Lebenswelt, in der es ebenfalls nur noch darum geht der Beste in allem zu sein, noch viel spürbarer. Wichtigstes Merkmal einer Leistungsgesellschaft ist es Menschen den Aufstieg möglichst schwer zu machen, während der soziale Abstieg nur eine Frage weniger Fehltritte ist. Das sorgt für ein beständiges Ungleichgewicht zwischen den Besserverdienenden und der restlichen Bevölkerung.

Freiheit ist, wenn man selbst entscheiden kann

Der Film wählt die Sichtweise von mehreren Menschen, um die verschiedensten Standpunkte zu untermauern. Zwar geht es immer um Zach, doch um ihn herum tummeln sich auch Mitschüler wie die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg) und sein etwas zu unbeteiligter Lehrer (Fahri Yardim). In halbstündigen Episoden, die immer alle den selben Zeitraum im Camp behandeln werden immer weitere Perspektiven beleuchtet. Kann es überhaupt einen richtigen Umgang mit einem Regime geben, das seinen Einwohnern keinen Raum zum Atmen lässt? Allein Jannis Niewöhner durchlebt eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle, weil sein Charakter so gar nicht in das enge Korsett der Prüfungswelt zu passen scheint. Während sich also nun die verschiedenen Perspektiven zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammensetzen, hält er die Geschichte zusammen. Im Interview mit YAEZ bestätigt er uns ebenfalls, dass er auch persönlich erst durchatmen konnte, als die Schule endlich hinter ihm lag. Mehr dazu liest du in unserem exklusiven Interview mit den Hauptdarstellern Jannis Niewöhner und Emilia Schüle in der nächsten Ausgabe der YAEZ. Das Magazin findest du ab dem 12.09. druckfrisch an deiner Schule!

Fazit

Dank Jugend ohne Gott wissen wir ganz genau, dass wir nicht in einer Welt leben wollen, die den Sozialstaat zugunsten einer Elitegesellschaft aufgibt. Das Drama regt zum Nachdenken an, vermittelt aber keine Lösungsansätze.Deutschland 2017; R: Alain Gsponer; D: Jannis Niewöhner, Fahri Yardim, Emilia Schüle, Alicia von Rittberg, Jannik Schümann, Anna Maria Mühe; FSK 12; Kinostart: 31.08.2017
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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