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Nie erwachsen werden: “Schmutzki ist ein Zustand”




Wir treffen den Sänger Beat Schmutz von Schmutzki am Palast der Republik in Stuttgart. Passt die Location? Auf jeden Fall. Das Gebäude ist ein Statement dafür, Dinge anders zu machen. Aus dem ehemaligen Pissoir hat sich über die Jahre eine Szenekneipe entwickelt, wo Stuttgarter gerne mit einem Bier auf dem Boden sitzen. Die Bierbänke sind mittags noch frei, also nehmen wir Platz und reden direkt ein bisschen über die Vergangenheit.Was hat euch zum Punk Rock gebracht?Die Art von Musik mögen wir alle drei gerne und das passt einfach zu uns. Danny ist noch mehr im Metal verwurzelt, Flo hört auch gerne elektronische Musik, aber in der Schule haben wir halt alle den amerikanischen 90er Jahre Punk Rock gefeiert und wollten auch ein Teil davon werden.Wann habt ihr angefangen? Flo und ich kennen uns seit der 5. Klasse und haben in der 8. oder 9. Klasse unsere erste Band gegründet. Damals hießen wir noch “Mess”, so wie das Chaos. Nach dem Abi sind wir zum Studieren in eine WG nach Stuttgart gezogen. Unser damaliger Bassist ist ausgestiegen und Danny kannten wir noch aus Konstanz. Wir haben uns dann auf einer Party in Stuttgart getroffen und mit Kurzen besiegelt, dass er jetzt bei uns anfängt. Das war 2011 und dann gabs auch direkt den neuen Namen: [pullquote]Schmutzki war geboren.[/pullquote]Also ging das Musikerleben nicht direkt nach dem Abi los?Ne überhaupt nicht. Wir haben erst mal unseren Zivildienst gemacht. Das gab es ja damals noch. Ich habe dann Umweltschutztechnik studiert und Flo Architektur. [pullquote]Es war klar, dass wir irgendwas lernen.[/pullquote]Wie fühlt sich das eigentlich an, der Namensgeber der Band zu sein?Mein Nachname ist ja Schmutz, also bin ich eh nicht ganz Namensgeber. Am Anfang wollte ich das aber gar nicht, ich hatte keine Lust, dass die Band irgendwie meinen Namen enthält. Schmutzki ist irgendwie eher so ein Zustand. [pullquote]Ein bisschen laut, schnell und einfach unordentlich.[/pullquote]Ihr habt schon mal eure Jobs für die Musik geschmissen. Könnt ihr jetzt eure Miete damit bezahlen?Ein bisschen schon. Danny ist Grafikdesigner, Flo ist Architekt und ich arbeite auch in Teilzeit. Beide Standbeine zu haben ist super. Musik nicht als reine Einnahmequelle zu sehen, ist auch irgendwie entspannend. Das ist nicht so kommerziell. Natürlich ist es super, wenn die Kohle stimmt. Aber Dinge zu tun, die wir nicht cool finden, passt einfach nicht zu uns.Was sagt deine Familie eigentlich zu der Band?Als ich meinem Vater erzählt habe, dass ich nach dem Bachelor meinen festen Arbeitsvertrag kündige und jetzt Vollzeit Musik machen möchte, war das erstmal ein kleiner Schock. Ich habe es dann versucht in Fußballsprache zu erklären: Wir haben die Chance in die 2. Liga aufzusteigen. [pullquote]Da muss man alles geben und es einfach wagen.[/pullquote] Euer neues Album heißt "Mehr Rotz als Verstand". Wie kam es zu dem Titel? Der Titel ist aus dem gleichnamigen Lied “Mehr Rotz als Verstand” entstanden. Das Wort Rotz ist im Schwäbischen aber auch doppelt belegt. Zum einen bedeutet es “Rotz”, der halt aus der Nase kommt, zum anderen heißt Rotz auch sowas wie Glück. Die Zeile hieß im Ursprung erst “Mehr Glück als Verstand”. Das hat aber nicht so ganz zu uns gepasst, es sollte etwas derber klingen.

Erwachsen werden? Muss nicht!

Schmutzki Zu alt? NiemalsDas Album klingt eher danach, dass ihr nicht erwachsen werden wollt. Was möchtest du trotzdem nicht mehr missen?Finanzielle Unabhängigkeit ist eindeutig cool. Auszuziehen und ein eigenes Leben zu beginnen ist einfach ein wichtiger Schritt. [pullquote]Aber man muss ja nicht komplett erwachsen werden.[/pullquote] Was möchtest du dir beibehalten oder nie so machen wie andere?Ich finde es immer schwierig zu sagen, etwas nie zu machen wie andere. Ich kann mir zum Beispiel gerade nicht vorstellen, jemals einen Kredit aufzunehmen oder in ein Reihenhaus in irgendeinem Kaff zu ziehen. Vielleicht mache ich das ja aber doch irgendwann und finde es dann total cool? Wer weiß das schon.Ihr wart Vorband von Die Toten Hosen. Wie war das so?Bei den Hosen war es echt cool und das Feedback vom Publikum war echt toll. Der Funke ist da direkt übergesprungen. Wir waren auch schon mit den Beatsteaks unterwegs. Da war der persönliche Kontakt natürlich ein bisschen enger. Da sitzt du nach dem Konzert noch zusammen und trinkst ein Bierchen.Spielt ihr lieber auf Festivals oder Konzerten? Also beides ist schon mal super. Aber wenn du es schaffst einen Club vollzumachen, ist das natürlich schön. Dann weißt du: Alle sind wegen dir hier und wollen hier sein. SDP ist mit “Deine Freundin” auf dem Ballermann gelandet. Hättet ihr ein Problem damit, wenn eure Lieder irgendwann als Schlager abgespielt werden?Hätten wir schon irgendwie. Also klar, können die da unsere Songs hören, aber wir würden da dann nie für einen Auftritt hinfahren. Bei dem Song “Sauflied” wurden wir ein bisschen kritisiert, dass es in so eine Richtung gehen könnte. Aber das Lied soll ja gerade eine Kritik daran sein. Da haben wir schon gemerkt, dass man manchmal auch einfach aufpassen muss.Funktioniert Punk Rock noch wie damals? Müssen wir überhaupt noch gegen etwas rebellieren?So richtig scheiße sind die Dinge irgendwie gerade nicht. Die Rebellion ist halt nicht mehr so ganz klar. Ich habe das Gefühl, dass alles irgendwie mehr auf Leistung ausgelegt ist. Die Fronten sind nicht so eindeutig. Es ist nicht mehr so einfach zu sagen, wofür oder wogegen man ist.

Das neue Album "Mehr Rotz als Verstand" gibt's dann ab dem 14. September 2018.

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Vorgespult: 12 neue Songs, 12 kleine Storys

Wir haben schon mal in das neue Album von Schmutzki reingehört und zu jedem Lied eine Frage gestellt.

1. Sturmfrei: Was hast du angestellt, als deine Eltern damals nicht zu Hause waren?

Ein ähnliches Szenario wie in dem Song beschrieben. Natürlich haben sie davon nichts mitbekommen.2. Zu jung: Entscheidest du immer spontan? Ich versuche es immer öfter zu tun. Manchmal denke ich zu viel nach.3. Beste Bar der Stadt: Wie oft seid ihr in der besten Bar der Stadt? Das Kap Tormentoso in Stuttgart. Es gab Phasen, wo wir drei mal die Woche da waren. 4. Mr. Dejot: Dein Lieblingstanzmove? Zu welcher Musik tanzt du am liebsten? Ich kenne gar keine Tanzmoves, die ich benennen könnte. Wahrscheinlich trifft es Pogo am besten. 5. Kalifornia: Ihr reimt Kalifornia auf Follower. Was bedeutet Social Media für dich?Fluch und Segen. 6. Mehr Rotz als Verstand: Was wolltest du schon immer Dummes tun, hast es aber noch nicht gemacht?Ich habe schon viel Dummes gemacht. Ich wollte immer mal in ein Schwimmbad nachts einbrechen, das habe ich bisher noch nicht geschafft. Danny letztens schon.7. Gut so: Was soll sich nie ändern?Die Spontanität und die Chance auch mal abstürzen zu können.8. Alles kaputt: Was kann dich richtig demotivieren?Schlechter Schlaf.9. Komaliebe: Welche Geschichte hättest du lieber vergessen?Kein Kommentar. 10. Mein Kind: Ist Punk Rock deine große Liebe?Auf jeden Fall eine sehr große Liebe.11. Das bist nicht du: Was passt gar nicht zu dir?Reihenhaus im Vorort mit Kredit gepumpt.12. Jeder Kater: Was ist keine gute Idee, machst du aber immer wieder?Genau das: Zu viel Alkohol trinken.[/yaez-box]Neue Fans? Wir haben schon 2015 in das Album BÄM von den Jungs reingehört.  
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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