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„Instagrammable“: Das Leben als Posting




[pullquote]Man fängt schnell an, sich zu vergleichen[/pullquote]

- Lenja, 15, ist von Instagram schnell genervt

Wie viel Zeit nehmen Instagram und YouTube in deinem Leben ein?Bei Instagram checke ich immer direkt nach der Schule, was es Neues gibt. Ich versuche aber auch, das Handy dann wieder wegzulegen. Man fängt schnell an, sich zu vergleichen. Das nervt. Haben die Leute dort Einfluss darauf, was du selbst in deinem Leben machst?Mich interessiert vor allem, was meine Freunde von sich zeigen. Klar, ich folge auch einigen Influencern und Stars, aber da gibt es niemanden, der ein Idol für mich wäre. Am Ende machen doch alle das gleiche. Und es ist so viel gestellt.Gibt es Momente, in denen du neidisch bist? Manchmal. Da finde ich es schade, dass jemand anderes an diesem tollen Ort ist und ich nicht. Aber meistens denke ich, dass jeder so ist, wie er eben ist, und eifere deshalb niemandem nach.Fotografierst du anders, seit du in sozialen Netzwerken unterwegs bist?Ich achte darauf, dass ein Bild gut rüberkommt. Manchmal schieße ich auch Fotos extra für Insta. Wenn ich positive Kommentare bekomme, ist das eine schöne Bestätigung. Likes sind mir relativ wichtig.Könntest du es dir vorstellen, selbst Influencerin zu sein?Auf keinen Fall. Ich würde niemals so viel von mir preisgeben wollen und muss auch nicht alles posten, was ich so mache. Schon jetzt achte ich darauf, dass man nicht zu viel von mir und meinem Gesicht erkennen kann.[pullquote]Ich nutze Insta viel zur Inspiration[/pullquote]

- Emmelie, 16, shoppt coole Looks schon mal nach

Wen schaust du dir bei Insta und Co. an?Ich folge vielen Stars aus der Rapszene. Aber eigentlich mag ich am meisten die Leute, die was zu ihrem Körper posten. Streetlooks finde ich auch spannend. Mir gefällt, wenn jemand einen ausgefallenen Stil hat.Orientierst du dich bei deinem Aussehen an Influencerinnen und Promis?Meine Outfits sind nicht sooo verrückt. Deshalb kopiere ich nichts eins zu eins. Aber einen coolen Look behalte ich im Hinterkopf und probiere dann eher mal aus, ob mir das auch stehen könnte.Löst es bei dir Druck aus, wenn die Leute im Social Web immer gut aussehen? Da zeigen sich alle von ihrer besten Seite, aber man weiß ja nie, was wirklich echt ist. Manche haben einfach viel Geld. Das kann bei mir alles noch kommen. Ich will auf jeden Fall so oft wie möglich verreisen.Denkst du darüber nach, deinen Account zu professionalisieren?Ich lege es nicht darauf an. In meinem Umfeld habe ich mitbekommen, wie sich jemand total dadurch verändert hat. Man muss sich bewusst machen, was man postet. Ich will später nichts bereuen.Scannst du dein Leben auf Momente ab, die instagrammable“ sind?Im Familienurlaub habe ich öfter gedacht, dass es dort tolle Hintergründe für Insta-Pics gibt und richtig posiert. Irgendwann meinten meine Eltern: ,Mensch Emmi, stell dich doch mal natürlicher hin!‘ Manche Posen habe ich durch Instagram schon total verinnerlicht.[pullquote]Man sollte die wirklich wichtigen Dinge nicht aus den Augen verlieren[/pullquote]

- Erik, 20, ist selbst als Influencer erfolgreich

Wie hat sich dein Leben durch Insta und deinen Blog verändert?Ursprünglich komme ich aus einem Dorf in Sachsen. Ich habe ganz normal Abi gemacht und bei Ferienjobs für Geld geschuftet. Mein Sieg bei einem Influencer-Award 2017 war der Startschuss für meine Karriere. Aussehen und eine gute Ernährung sind total wichtig geworden. Ich muss diszipliniert sein.Vergleichst du dich mit Leuten, die erfolgreicher sind als du?Früher habe ich mich gefragt: Warum bekommt der die Kooperation, was habe ich falsch gemacht? Eine gute Bloggerfreundin meinte, ich solle mir keinen Stress machen. Aber es ist harte Arbeit, mit sich zufrieden zu sein.Wie schützt du dich davor, in einer Fake-Welt verloren zu gehen?Man sollte die wirklich wichtigen Dinge nicht aus den Augen verlieren: Familie und Freunde. Ich fahre alle drei Wochen nach Hause.Fällt es dir manchmal schwer, das ,normale Leben‘ zu genießen?Zu Beginn kam es vor, dass ich manche Dinge nicht mehr richtig wertschätzen konnte. Alles musste immer noch besser sein. Ich hatte die typische ,Fear of missing out‘ – die Angst, etwas zu verpassen. Meine Eltern waren meine Wachmacher.Hast du das Gefühl, als Influencer aktiv etwas bewegen zu können?Ich will auch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Politische Themen anzusprechen und mit klaren Statements zu einem offenen Gespräch beizutragen, finde ich wahnsinnig wichtig.Erik ist auf Instagram als @erik unterwegs.[yaez-box]Dr. Claudia Lampert untersucht am Leipniz-Institut für Medienforschung den Einfluss digitaler Medien auf unsere Lebenswelt und verrät, welche Rolle Insta und Co. in unserem Alltag spielen: https://www.yaez.de/leben/ein-like-fuers-leben-der-einfluss-der-influencer/ [/yaez-box]
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