www.yaez.com

Incubus: Aggression passt einfach nicht zu unserem Leben




Um zu erklären, wie sich einige Incubus-Fans derzeit fühlen, plaudere ich mal etwas aus dem Nähkästchen. Unter meinem, bei Facebook geposteten, Incubus-Musikvideo zu „Promises, Promises“ sammelten sich folgende drei Kommentare: „Pop pur“, „Nichts gegen guten Pop, aber Incubus waren früher mal anders als alle anderen. Und ich fänd es einfach schön, wenn das heute noch so wäre.“ und „Alles Schöne hat mal ein Ende. Das sind definitiv nicht mehr Incubus! Wenn man bei dem Song jetzt 3-4 stimmigen Tenorgesang drunterpackt, sind es Take That oder die Backstreet Boys.“ Eigentlich ganz schön harte Worte für eine Band, die sich früher als Crossover-Pioniere nur wenig um Genre-Grenzen und Popmusikgesetze scherte. Mit dieser Tradition bricht Incubus auf „If Not Now, When?“ vollends. Um zu verstehen warum, müssen wir einen Rückblick wagen.

Auszeit mit Studium und Nachbarn

2007 hatte Incubus nach der „Light Grenades“ Tour eine längere Pause angekündigt. Eine Auszeit, die damals dringend nötig war, wie die Musiker heute wissen, „Es gibt eine Menge, die man nicht machen kann, wenn man Musiker ist und um die Welt reist.“ Endlich nicht jeden Tag die Koffer packen müssen und Zeit für sich selbst haben, mit dieser Motivation gingen die fünf Amerikaner ihre eigenen Wege, ohne dabei je den Kontakt zueinander zu verlieren. So begann Gitarrist Mike Einziger ein Musik- und Geschichtsstudium in Harvard und Frontmann und Indie-Posterboy Brandon Boyd widmete sich seiner Familie und der Malerei. Eines Tage habe sie dann die Anziehungskraft der Freundschaft wieder zusammengebracht, erinnert sich Mike Einziger.

Drahtseilakt des Erwachsenwerdens

Auch wenn die Freundschaft in jedem Moment der Auszeit bestand, hat sich doch einiges geändert. Ruhiger und erwachsener sind Incubus geworden, von der Mischung aus Crossover, schnellem Rock und Balladen ist auf „If Not Now, When?“ nichts mehr zu spüren. „Aggressivität und schneller Rock passen gerade nicht in unser Leben“, lautet die durchaus einleuchtende Erklärung. „Vielmehr ist das Album eine romantische Liebeserklärung an die Welt.“ Dass beim Schreibprozess einfach keine harten Songs herausgekommen sind, wird vor allem die männlichen Fans stören, aber die Einfachheit und Nachdenklichkeit des neuen Albums sind vorurteilsfrei gesehen wirklich hörenswert. Denn seien wir mal ehrlich, wer würde denn einer Band das Erwachsenwerden übelnehmen, auch wenn das manchmal ein Drahtseilakt für den Musikgeschmack bedeutet.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
URL: