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Heimat: Wo fühlst du dich wohl?




Kevine, 14, ist an zwei Orten zu HauseDeine Eltern kommen aus Kamerun. Hast du immer in Deutschland gelebt?Mein eigentliches Leben hier fing mit vier Jahren an. Bis dahin sind wir wegen des Berufs meines Stiefvaters immer wieder umgezogen. Dadurch habe ich auch schon in Marokko und Tunesien gelebt.Was bedeutet zu Hause für dich?Wenn ich bei meiner Oma in Kamerun zur Tür hereinkomme und meine Geschwister sehe. Leider ist das nur einmal im Jahr. Ich verbringe meine kompletten Sommerferien dort. Ansonsten fühle ich mich auch hier zu Hause – wo der größte Teil meiner Freunde lebt.Wie fühlt es sich an, mehr als ein Zuhause zu haben?Früher fand ich es schwer, mich in Kamerun einzufinden. „Die Deutsche ist wieder da“, bekam ich oft zu hören. Seit ich mit meiner Mama darüber gesprochen habe, kann ich besser damit umgehen. Sie hat mir erklärt, dass manche Leute dort denken, wir wären abgehoben, weil wir in Europa leben. Aber das stimmt nicht.Gibt es auch hier Sprüche, die du nicht mehr hören willst?Meine Mama ist Geschäftsfrau. Wir führen ein gutes Leben, gerade in Kamerun. Wenn wer wissen will, ob wir dort in Lehmhütten wohnen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Gar nicht geht, wenn jemand fragt, woher ich komme, oder kommentiert, dass ich gut Deutsch sprechen würde – beides nur, weil ich dunkelhäutig bin. Das ist rassistisch.Linda, 19, fühlt sich deutsch und dänischIst zu Hause für dich ortsgebunden – oder geht es dabei eher um ein Gefühl?Ich würde sagen, zu Hause ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlt, nicht eingeschränkt wird oder sich verstellen muss. Für mich ist das dort, wo ich geboren bin, das Haus meiner Kindheit steht und meine Eltern leben. Zu Hause kann aber auch ein Ort sein, für den ich mich entschieden habe – aktuell ist das meine erste eigene Wohnung in einer neuen Stadt.Wo bist du aufgewachsen?Auf einer kleinen Nordseeinsel – eng verbunden mit der dänischen Minderheit in Deutschland. Ich selbst bin zwar Deutsche, aber immer auf eine dänische Schule gegangen. Dadurch beherrsche ich die Sprache und habe viele dänische Freunde.Bekommst du die Frage gestellt, ob du dich eher deutsch oder eher dänisch fühlst?Häufig. Über Identität diskutiere ich viel, aber für mich geht es dabei nicht um die Frage, ob ich Deutsch oder Dänisch bin. Ich bin irgendwas dazwischen.Wann fühlst du dich wem zugehörig?Das hängt von der Situation ab. Sobald ich bei meiner dänischen Gastfamilie zu Besuch bin, komme ich mir eher deutsch vor – gerade, wenn es ums Essen geht. Wenn ich im Urlaub bin, Dänisch höre und alles verstehen kann, fühle ich mich dänisch.Monir, 15, könnte sich überall zu Hause fühlenWann hast du am meisten das Gefühl, zu Hause zu sein?Theoretisch könnte jeder Ort mein Zuhause sein. Wichtig ist, dass meine Familie dort ist – und mein Freundeskreis. Die meisten sind in Deutschland. Einige Verwandte leben im Libanon.Würdest du sagen, dadurch hast du mehr als ein Zuhause?Nicht wirklich. Meine Eltern sind lange vor meiner Geburt aus dem Libanon nach Deutschland gezogen. Ungefähr alle vier Jahre fliegen wir hin. Der Familie dort bin ich nicht wirklich nahe. Aber wenn ich im Ramadan faste, fühle ich mich der arabischen Kultur verbunden. Außerdem versuche ich, die Sprache zu lernen. Ansonsten komme ich mir ziemlich deutsch vor. Mein Zuhause ist hier.Geben dir manchmal andere das Gefühl, nicht hierher zu gehören?Es gibt immer wieder betrunkene Typen, die sagen, ich solle dahin gehen, wo ich herkomme. Verletzen tut es mich nicht wirklich – komisch ist es schon. Ich reagiere nicht darauf, aber bei mir denke ich, dass ich doch viel eher hierhin gehöre als jemand, der andere beleidigt.Was würdest du dir stattdessen wünschen?Einen respektvollen Umgang miteinander. Ich gebe nichts auf religiöse Unterschiede oder Nationalitäten. Ob man nun deutsch ist, arabisch oder von einem ganz anderen Fleck der Erde kommt – am Ende ist das doch total egal: Die Hauptsache ist, dass man sich versteht.
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