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Glücksmomente: Wie wir lernen können, glücklich zu sein




Als du nach Hause gehst, ist da dieses Kribbeln. Am liebsten würdest du rennen, durch den Schneeregen, durch die Dunkelheit. Im Gesicht zwei strahlende Augen und ein riesengroßes Lächeln. Dabei war der Nachmittag gar nicht mal so spektakulär. Du warst bei einer guten Freundin, ihr habt euch unterhalten – über die Chemieklausur, die bei dir nicht so berauschend gelaufen ist, obwohl du viel dafür gelernt hast. Ob die Note wirklich wichtig ist? Eigentlich willst du später eh nichts in dem Bereich machen, sondern lieber Politik studieren. Deine Freundin hat dich darin bestärkt, Nachfragen gestellt, durch die du ein klareres Bild von deiner Zukunft gewinnen konntest. Bis es für dich an der Zeit war, kurz wieder in der Gegenwart anzukommen und zum Abendessen mit deiner Familie zu verschwinden. Und nun bist du voller Energie, schmiedest Pläne in deinem Kopf und spürst dieses Knistern in der Magengegend. Ist das Glück?

Glück ist manchmal eine Momentaufnahme

 [caption id="attachment_37222" align="aligncenter" width="682"] Lara machen besonders ihre Freunde glücklich.[/caption][pullquote]Glück sieht für jeden anders aus[/pullquote] weiß Dr. Ernst Fritz-Schubert, der sich in mehreren Büchern mit dem Thema Glück auseinandergesetzt hat. „Der gemeinsame Nenner liegt darin, dass etwas als besonders gut und wertvoll erlebt wird. Das können schöne, als glücksbringend empfundene Erlebnisse sein, die sich sowohl zufällig ereignen als auch absichtlich herbeigeführt werden können.“ Wie zum Beispiel dieses schöne Gespräch mit deiner Freundin. Vielleicht hast du im Vorfeld schon geahnt, dass dir ein Treffen mit ihr guttun könnte, und dich deshalb ganz bewusst mit ihr verabredet. Vielleicht hat sich eure Unterhaltung aber auch unerwartet in die Richtung entwickelt, sodass du mit einem angenehm warmen Gefühl im Körper einschläfst. Dass von einem solchen Gefühl nach dem Aufstehen manchmal nichts mehr übrig ist, ist ganz normal. „Die Hochmomente des Glücks dauern üblicherweise nicht so lange an“, bestätigt Fritz-Schubert. Anders verhalte es sich mit dem Lebensglück oder der Lebenszufriedenheit. Die habe weniger mit einzelnen Erlebnissen als mit grundsätzlichen Einstellungen und Haltungen zum Leben zu tun, mit persönlicher Weiterentwicklung. Man müsse sich den Lebensweg wie einen großen Fluss vorstellen, so der Glücks-Experte. Manchmal gebe es reißende Stromschnellen, hohe Wasserfälle oder auch ruhigere Stellen. „Die große Aufgabe für alle ist es, sich in diesem Fluss nicht nur treiben zu lassen und auf das eigene Glück zu warten, sondern ganz bewusst, ganz selbstbestimmt zu schwimmen und auf diese Art Einfluss darauf zu nehmen, in welche Richtung es gehen soll.“

Glück lässt sich lernen

[caption id="attachment_37193" align="aligncenter" width="682"] Nikolai macht es glücklich, wenn er produktiv ist.[/caption]Aber wie findet man nun heraus, welchen Weg man einschlagen soll? Was ist es, das mich am Ende so richtig glücklich macht? Bei der Suche können laut Fritz-Schubert die folgenden Fragen helfen: Wer bin ich, und was brauche ich? Was kann ich? Was will ich wirklich? Das innere Glück ist es, um das man sich aktiv bemühen kann. Oder anders: Glück kann man lernen – indem man sich und sein Handeln reflektiert und die dahinter schlummernden Bedürfnisse erkennt. So denken wir manchmal, dass uns etwas Bestimmtes fehlt, um wirklich glücklich sein zu können. Eine Markenjeans vielleicht. Oder ein neues Tablet.

Auf die innere Stimme hören

[caption id="attachment_37213" align="aligncenter" width="682"] Viktoria nimmt ihr Glück gerne selbst in die Hand.[/caption]„Die Frage ist, welches innere Bedürfnis sich hinter einem materiellen Wunsch verbirgt. Das gilt es herauszufinden und zu reflektieren“, so Ernst Fritz-Schubert. „Glaube ich zum Beispiel, ein ganz spezielles Smartphone zu brauchen, um den Status in meiner Klasse zu sichern? Benötige ich es, um in den sozialen Netzwerken bessere Fotos posten und mich über sie darstellen zu können oder um mich zu amüsieren?“ Um Schüler bei der Selbsterkenntnis zu unterstützen, initiierte er vor zehn Jahren das Schulfach Glück, das mittlerweile an über 100 Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterrichtet wird. „Wenn Schule auf das Leben vorbereiten will, dann muss sie den Schülerinnen und Schülern dabei helfen, alltägliche Dinge zu bewältigen, die mit Mathe, Deutsch oder Chemie nicht zu lösen sind, dafür aber mit starken personalen Kompetenzen“, sagt Fritz-Schubert. Denn eine Sache steht fest: [pullquote]Es ist sehr schwer, das Glück in sich selbst zu finden, aber es ist aussichtslos, es außerhalb von sich zu suchen.[/pullquote] Hier erzählen uns Nikolai, Lara und Viktoria, was für sie Glück ist.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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