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Gefällt’s dir noch? Drei Jugendliche über die Bedeutung von Social Media




[pullquote]Ich entfolge Profilen, die mir nicht guttun[/pullquote]
- Ester, 22, hat sich als @ester.fit auf Instagram eine Community aufgebaut. Seit wann bist du auf Instagram aktiv?Ich habe mit meinem Profil 2015 gestartet. Damals war ich noch voll in meiner Essstörung und bin vor allem Mädels gefolgt, die auch magersüchtig waren und sich gegenseitig darin bestärkt haben. Da ging es dann darum, wer am abgemagertsten aussieht, das war natürlich total ungesund. Solche Profile gibt es leider immer noch, aber immerhin bietet Instagram inzwischen automatisch Hilfe an, wenn man zum Beispiel den Hashtag „Magersucht“ verwendet.Wie bist du aus diesem ungesunden Umfeld rausgekommen?Durch den Instagram-Algorithmus wurden mir viele Profile angezeigt, in denen es um Fitness ging. Das waren Mädels, die gesund und fit aussahen – und die gegessen haben. Da habe ich so langsam verstanden, dass Essen nicht mein Feind ist und dass ich nur sportlich sein kann, wenn ich meinen Körper gut behandle. Ich glaube, man kann sagen, dass Instagram für mich der erste Schritt aus der Essstörung war – deshalb habe ich auch angefangen, auf meinem Profil über meine Magersucht zu schreiben.Warum spricht dein Profil so viele junge Frauen an?Ich glaube, das liegt daran, dass ich so offen über meine Vergangenheit spreche und auch darüber, wie ich es aus der Sucht heraus geschafft habe. Ich will meinen Followern zeigen: Das kannst du auch schaffen! Ich poste auch nicht einfach nur ein Bild mit einem fröhlichen Spruch drunter, sondern erzähle auch von Zeiten, in denen es mir nicht so gut ist, und sage, was bei mir nicht so perfekt läuft. Ist es ein komisches Gefühl, dass fremde Menschen so viel über dich wissen?Ich habe kein Problem damit, private Dinge mit meiner Community zu teilen. Das liegt bestimmt auch daran, dass ich noch nie schlechte Erfahrungen mit meinen Followern gemacht habe. Als ich bei einer Fitness-Messe dann aber auf einmal vor so vielen Leuten stand, die mich alle kannten und so viel über mich wussten, war das schon kurz seltsam. Da habe ich realisiert, dass das echte Menschen sind, die hinter der Zahl auf meinem Profil stehen. Gibt es auch etwas auf Instagram, das du kritisch siehst?Wenn ich Bilder poste, die mich in meiner Magersucht-Zeit zeigen, dann kommen manchmal Kommentare, dass ich damals besser aussah. Mir macht das nichts aus, aber ich habe Angst, dass das jemand liest, der in einer kritischen Phase ist und dadurch vielleicht zurück in die Essstörung rutscht. Ansonsten kann ich nur jedem raten, Profile, die einem nicht guttun, zu entfolgen. Ich miste da regelmäßig ganz rigoros aus. Klar, Instagram ist eine Scheinwelt, aber wenn du es richtig nutzt, dann kann es dich auch total motivieren.Momentan folgen Ester auf Instagram knapp 80.000 Menschen. Die Kölnerin postet viele Fitness-Bilder und spricht auf ihrem Account ganz offen über ihre frühere Essstörung – sie möchte anderen jungen Frauen zeigen, dass es einen Weg aus der Magersucht gibt. Gerade macht Ester ihr Abitur nach, sie sagt, dass sie mit Instagram kein Geld verdient und auch nicht vorhat, irgendwann davon zu leben. 
[pullquote]Klar freue ich mich über Reichweite[/pullquote]
- Livia, 17, schreibt auf ihrem Blog liviajosephine.de über Politik, Comics und ihren AlltagVerbringst du viel Zeit mit Social Media?Auf jeden Fall. Schon allein, weil ich so viele Kanäle nutze. Auf YouTube schaue ich zum Beispiel Nachrichtenformate, auf Instagram checke ich, was bei meinen Freunden gerade los ist, und teile Urlaubsbilder und auf Facebook verlinke ich die Artikel aus meinem Blog. Das finde ich aber auch das Spannende an Social Media: Du kannst auf jeder Plattform jemand anders sein und genau das von dir erzählen, was du magst. Deshalb gibt es auf meinem Blog auch keine Beauty-Tipps und Modethemen mehr, das interessiert mich im Moment einfach nicht.Worüber schreibst du denn auf deinem Blog?Seit ich 2015 miterlebt habe, wie die Geflüchteten am Münchner Hauptbahnhof ankamen, sind meine Themen immer politischer geworden. Das Schreiben hilft mir dabei, meine Eindrücke zu ordnen. Gerade habe ich zum Beispiel einen Text geschrieben, in dem es um die Neubewertung des Attentats am Münchner Olympiazentrum geht. Das hat mich damals so erschüttert, weil ich an dem Tag selbst noch dort war. Wenn ich darüber schreibe, verarbeite ich das und gleichzeitig möchte ich damit zeigen, wie wichtig es ist, sich gegen rechtes Gedankengut einzusetzen.Wie wichtig sind dir Kommentare und Likes unter deinen Artikeln?Die interessieren mich nicht. Viel wichtiger ist es mir, dass viele Menschen meine Texte lesen und ich sie dadurch zum Nachdenken bringe oder sie sich sogar in manchen Situationen wiedererkennen. Deshalb freue ich mich, wenn ein Beitrag eine gute Reichweite hat. Manchmal ertappe ich mich aber dabei, dass ich enttäuscht bin, wenn ich auf Instagram für ein Bild weniger Likes bekomme als sonst. Dann muss ich mich daran erinnern, dass das überhaupt nichts damit zu tun hat, wie schön mein Bild ist.Kannst du die Kritik nachvollziehen, dass wir durch Instagram unzufriedener mit uns selbst werden?Nein, das finde ich überzogen. Wer unzufrieden ist, der wird es auch ohne Social Media sein. Ich habe zum Beispiel auch ein paar Mädels in der Klasse, die total dünn sind. Mit denen hätte ich mich ja genauso gut vergleichen und mich danach zu dick fühlen können. Und die Models in Zeitschriften und auf Plakaten sind ja genauso bearbeitet wie die Influencer auf Instagram, ich denke, die meisten Jugendlichen wissen, dass das eben nicht das echte Leben ist. Genauso wie wir wissen, dass wir nicht wirklich so aussehen, wenn wir einen Snapchat-Filter benutzen – aber witzig ist es trotzdem.Würdest du später gern von deinem Blog leben können?Es wäre natürlich schon cool, Geld damit zu verdienen. Schließlich ist der Blog meine Leidenschaft und ich liebe es, meine Gedanken mit anderen zu teilen. Aber andererseits weiß ich auch, dass ich dadurch meine Unabhängigkeit verlieren würde und vielleicht gar nicht mehr über die Themen schreiben könnte, die mich wirklich interessieren. Auf irgendeine Art möchte ich aber in Zukunft schon mit dem Schreiben Geld verdienen, es muss aber nicht unbedingt mit Social Media sein.Für ihren Blog erhielt Livia 2018 sogar den Young Media Award. Sie wünscht sich, dass sich Jugendliche noch mehr für Themen wie Klimaschutz oder das Wahlrecht ab 16 interessieren. Sie selbst fand das früher überhaupt nicht spannend, bis ihre Eltern sie überredet haben, regelmäßig die Tagesschau anzusehen. 
[pullquote]Ich will ein Zeichen gegen Mobbing setzen[/pullquote]
- Hannes, 24, macht sich auf seinem YouTube-Kanal Dezulian Film gegen Mobbing stark.Wie oft nutzt du Social Media im Alltag?Eigentlich ständig. Meine Eltern sagen sogar, dass ich süchtig bin. Das finde ich etwas übertrieben. Für meine Videoprojekte ist es einfach total wichtig, vernetzt zu sein und mich mit meinem Team abzustimmen. Auch wenn ich noch Helfer für ein Projekt suche, poste ich das zum Beispiel auf Facebook und bitte meine Kontakte, das zu teilen. Ohne Social Media wären viele von meinen Projekten gar nicht zustande gekommen.Du setzt dich gegen Cyber-Mobbing ein, warum ist dir das Thema so wichtig?Weil ich selbst von der fünften Klasse an gemobbt wurde. Zum Glück waren zu der Zeit die sozialen Medien noch nicht so präsent. Ich hatte dann zwar eine miese Zeit in der Schule, aber wenn ich zu Hause war oder im Verein, konnte ich mich davon erholen. Inzwischen haben es Mobbingopfer viel schwerer, denn durch Beleidigungen oder sogar Drohungen in Gruppenchats oder in Social Media sind sie den Schikanen rund um die Uhr ausgesetzt. Dagegen wollte ich ein Zeichen setzen.Du hast dann zwei Videos gedreht. Wie waren denn die Reaktionen darauf?Die waren toll. Was bestimmt auch daran liegt, dass viele große YouTuber und Influencer mitgemacht haben. Ich war selbst überrascht, wie unkompliziert es war, bekannte Leute wie Jonah Püschel oder Unge dafür zu gewinnen. Mich haben auch viele Jugendliche angeschrieben, die selbst gemobbt wurden. Ich bin froh, dass ich denen mit meinen Videos eine Stimme geben kann.Hast du dir mal überlegt, hauptberuflich Videos zu machen?Ich glaube, es ist schon ganz gut so, wie es ist. Denn es gibt einfach wahnsinnig viele Leute, die professionelle Videos machen und damit erfolgreich sein wollen. Jeder kann sich ja inzwischen günstiges Equipment kaufen. Das ist ein hartes Business, und ich hätte auch Angst, dass meine Kreativität irgendwann auf der Strecke bleibt. Deshalb bleibt es für mich einfach eine Leidenschaft, die ich neben meinem Job in der Rathaus-Verwaltung ausleben kann. Werden dir WhatsApp und Co auch manchmal zu viel?Ich fühle mich ab und zu schon unter Druck gesetzt. Irgendwie ist es so in einem drin, dass man auf Nachrichten oder Kommentare sofort antwortet. Ich schalte das Handy dann auf Lautlos oder gehe ohne Smartphone spazieren. Insgesamt bin ich aber ziemlich froh, dass es soziale Medien gibt. Als ich durch das Mobbing Panikattacken hatte und nicht aus dem Haus gehen konnte, waren sie meine einzige Verbindung zur Außenwelt und haben mir geholfen, mit Freunden Kontakt zu halten und mir Hilfe und Rat zu suchen.Hannes wird in zwei seiner Videos von bekannten YouTubern wie MrWissen2go unterstützt. Für ihn ist das ein Weg, seine eigene Erfahrung mit Mobbing zu verarbeiten, er leidet heute noch unter Panikattacken. Außerdem unterstützt der Freiburger soziale Projekte mit seinen Videos und dreht Werbefilme für Kunden.[yaez-box] Wie Du Probleme auf Social Media lösen oder gar vermeiden kannst verrät Social-Media-Expertin Kim von Handysektor in ihrem Beitrag How to Social Media: https://www.yaez.de/leben/how-to-social-media-kim-von-handysektor-ueber-probleme-auf-social-media/[/yaez-box]
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