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Fußballliebe: Einmal Stadion, immer Stadion




Text: Jana Hofstetter

Ins Stadion zu gehen, bedeutet für mich mehr als nur ein Fußballspiel anzuschauen. Stadion bedeutet für mich Gemeinschaft, Zusammenhalt und Emotionen. Aber das war nicht immer so.

Mein erster Stadionbesuch

Ich habe mich nie wirklich für Fußball interessiert und spielte selbst, außer im Sportunterricht, nie Fußball. Bei uns zuhause lief zwar regelmäßig Bundesliga, doch es gab eindeutig spannenderes im Fernsehen - außer vielleicht bei der WM. Im Stadion landete ich dann aus reinem Zufall. Ein Kumpel hat mich überredet, ihn zu einem Spiel zu begleiten. Es war das letzte Spiel der Saison und dazu ein Derby: Mainz gegen Frankfurt. Skeptisch zog ich mir an diesem Tag den ausgeliehen roten Fan-Schal von FSV Mainz 05 an und war dann doch irgendwie aufgeregt. Da mein Kumpel schon länger in der Fußballszene aktiv ist, standen wir im Stehbereich bei den Ultras, die schon wie wild riesige Fahnen vor sich her schwangen. Wir pressten uns durch die Menschenmengen und stellten uns mitten in das Getümmel, während sich auf dem Rasen die Fußballer schon warm machten. Und dann war er da, dieser unglaubliche Moment, der mich packte und der mich bis heute, fast ein eineinhalb Jahre später, immer noch berührt. Immer dann, wenn alle Ihren Schal hoch halten und mit ganzem Herzen [pullquote]You’ll never walk alone[/pullquote] singen. Genau dann entsteht aus unzähligen Fans ein Zusammenhalt und der Wille, seine Mannschaft zu unterstützen.

Enttäuschung und Freude sind gute Freunde

Vorne im Block stimmt der Vorsänger die Lieder an. Da ich die Lieder nicht kannte, war es erst ein bisschen unangenehm. Doch nach kurzer Zeit konnte man die Texte schon mitsingen. Heute kann ich alle Lieder auswendig und es macht Spaß, mit dem ganzen Block alles für das Team zu geben. Leider gehören auch Niederlagen dazu und als wir mit einem  Rückstand in die Pause gingen, war ich echt enttäuscht. Doch der Vorsänger gab am Anfang der zweiten Halbzeit wieder alles, um die Fans in gute Stimmung zu bringen. Als es dann endlich zu einem Tor kam, rasteten alle um mich herum aus, Becher flogen durch die Gegend und man umarmte sich gegenseitig voller Freude. Ab dem Moment waren das Team und auch die Fans eins. Alle sangen immer lauter und der ganze Block hüpfte. Endlich der erlösende Abpfiff und ein Sieg. Auf einmal rannten alle Fans auf das Spielfeld und sangen Lieder für die Spieler, die auf der Tribüne standen und wir feierten noch ein paar Stunden zusammen. Das war mein erstes, bestes, aber vor allem nicht, letztes Spiel.

Wieso ich es liebe ins Stadion zu gehen

Im Stadion kommen viele unterschiedliche Menschen zusammen. Sie haben teilweise ganz unterschiedliche Charaktere, doch für diesen Moment teilen sie die gleichen Interessen. Sie erleben die gleichen Glücksmomente oder eben die gleiche Enttäuschung. Den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung spürt man bei jedem Spiel. Ich habe mir dieses Jahr eine Dauerkarte gekauft, um so viele Spiele wie möglich zu sehen. Der FSV Mainz 05 ist kein riesiger Verein, was das Ganze für mich sehr persönlich macht. Auf dem jährlichen Weihnachtsmarkt vor dem Stadion kann man Fotos mit den Spielern machen und sich ganz normal mit ihnen unterhalten.

Du gehst ins Stadion? Niemals!

Viele schauen mich komisch an, wenn ich ihnen erzähle, wie gerne ich ins Stadion gehe. Seitdem ich sechs Jahre alt bin tanze ich in der Garde und Show. Das ist und bleibt eine meiner größten Leidenschaften. Viele Freunde sehen mich daher aber nur als Tänzerin und können sich nicht vorstellen, wie ich ins Stadion gehe. Aber das eine schließt das andere doch nicht aus, oder? Im Stadion feuer ich das Team an und rege mich wie alle anderen über einen Strafstoß oder ein Foul auf. Und ein bisschen fühlt sich das auch wie eine Choreografie an: Wir stimmen zusammen die Lieder ein, heben die Schals in die Luft und springen gemeinsam voller Freude in die Höhe. Tanzen und Fußball sind Teamsportarten, bei denen das Team durch gute und schlechte Zeiten geht und gegenseitiges Vertrauen, sowie Unterstützung wichtig sind. [pullquote]Ich bin stolz, ein Teil von beidem zu sein.[/pullquote][yaez-box]Über Jana: Ich heiße Jana, gehe in die 11. Klasse und mache gerade ein Praktikum in der YAEZ-Redaktion. Nichts geht über abenteuerliche Reisen,  bedenkenloses Tanzen, laute Musik und bunte Fastnacht.[/yaez-box] 
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