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Flucht und Migration: Auch bei der 70. Berlinale ein wichtiges Thema




Auch bei der 70. Berlinale, die derzeit in der Hauptstadt stattfindet und am Sonntag zu Ende geht, beschäftigen sich wieder zahlreiche Filme mit den Themen Flucht, Migration und gesellschaftlicher Zusammenhalt. So ist im Wettbewerb, der wichtigsten Sektion, der deutsche Beitrag „Berlin Alexanderplatz“ im Rennen um einen Goldenen Bären zu sehen. Diesen Titel kennen sicher viele aus ihrer Schulzeit, denn der Großstadtroman von Alfred Döblin, 1929 erschienen, zählt zu den Hauptwerken der deutschen Moderne, ist ein wichtiges Zeitzeugnis des Lebens in der Weimarer Republik und gilt immer noch als Pflichtlektüre in der Oberstufe. Der Roman erzählt vom ehemaligen Zement- und Transportarbeiter Franz Biberkopf, der aus dem Gefängnis entlassen wird und ein anständiges Leben führen möchte – dabei aber mit den Herausforderungen der Realität aneinandergerät. In der modernen Adaption des deutsch-afghanischen Filmregisseurs Burhan Qurbani steht Francis (Welket Bungué) im Mittelpunkt der Geschichte, der die Flucht aus Westafrika überlebt hat und nun mit dem für einen Staatenlosen ohne Arbeitserlaubnis erbarmungslosen Leben in Berlin konfrontiert wird.https://www.youtube.com/watch?v=FIzqWz6uheEWeiterer sehenswerter Film, der bei der 70. Berlinale gezeigt wurde, ist „Futur Drei“. Dieser kommt Ende Mai offiziell in die Kinos, sein Regisseur Faraz Shariat wurde bei der Premiere vom Publikum begeistert gefeiert. Der semibiographische Film erzählt die Geschichte des jungen Parvis (Benjamin Radjaipour), dessen iranische Eltern vor Jahrzehnten ihre Heimat verlassen haben, um ihren beiden Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, und die nun mit ihm in der niedersächsischen Provinz leben. Hochgeschnittene Hosen, hautenge T-Shirts, blondgefärbte Haare – dass Parvis auf Jungs steht, überrascht niemanden. Nach einem Ladendiebstahl muss der Paradiesvogel Sozialstunden in einer Flüchtlingsunterkunft ableisten und verliebt sich dabei in Amon, der mit seiner Schwester Banafshe Arezu aus dem Iran geflüchtet ist. Zu dritt erleben sie in diesem Coming-of-Age-Film einen Sommer wild durchfeierter Party-Nächte, der von der Erkenntnis geprägt ist, dass sie auf unterschiedliche Weise nicht in Deutschland zu Hause sind.https://www.youtube.com/watch?v=cZNg8TIKDqQGanz anders wird das Thema Flucht und Migration, das in den zurückliegenden Jahren viele politischen und gesellschaftlichen Debatten in Deutschland geprägt hat, im Film „Im Feuer“ aufgegriffen. Das Drama der deutsch-griechischen Regisseurin Daphne Charizani begleitet die junge Bundeswehrsoldatin Rojda (Almila Bagriacik) mit kurdisch-irakischen Wurzeln, die seit ihrer Kindheit in Deutschland lebt. Sie sucht in einem griechischen Flüchtlingslager nach ihrer Mutter Ferhat, die sie schließlich findet und mit nach Deutschland nimmt. Die Freude ist jedoch getrübt, da ihre Schwester Dilan nicht mit aus dem Irak geflüchtet ist, sondern dort gemeinsam mit kurdischen Kämpferinnen ausharrt. Rojda beschließt, sich als Übersetzerin in die Ausbildungsmission der Bundeswehr im Irak versetzen zu lassen, um auf diese Weise ihre Schwester zu finden. Im Irak angekommen, gewinnt sie bald das Vertrauen der selbstbewussten kurdischen Kämpferinnen, gerät aber bei der Suche nach ihrer Schwester immer weiter zwischen die Fronten. Ein Film, der bewegt.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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