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Empörung: Ein Drama gegen das engstirnige Amerika der 50er




Marcus Messner (Logan Lerman) lebt Anfang der 50er-Jahre in New Jersey und hilft dort in der Metzgerei seines Vaters aus. Aber nicht mehr lange. Denn während um ihn herum immer mehr Freunde und Bekannte in den Koreakrieg eingezogen werden, hat er einen Weg gefunden sich zu drücken: zu studieren. Mit einem schlechten Gewissen lässt er schließlich seine Familie und Heimat hinter sich, um in Ohio damit zu starten. Das Studium liegt ihm, Bestnoten fliegen ihm nur so zu – aber trotzdem hat Dekan Hawes Caudwell (Tracy Letts) etwas zu beanstanden: Seiner Meinung nach bringt sich Marcus zu wenig in die Uni-Gemeinschaft ein. Aber als er Olivia Hutton (Sarah Gadon), eine Studentin mit einem eher zweifelhaften Ruf, kennenlernt, ist damit auch niemand zufrieden. Wie soll er sich denn nur richtig verhalten?

Die Extreme im Ruhigen

Es ist schon unglaublich, wie sich Empörung nach und nach vor einem aufbaut. Ganz langsam erhalten wir immer mehr Einblicke in Marcus’ Leben. Und auch wenn sich das Drama hauptsächlich auf seine Erlebnisse an der Uni fokussiert, bekommen wir doch auch genügend Zeit mit ihm und seiner Familie. Wir spüren die große Angst der Eltern,  dass ihr Sohn der nächste sein könnte, den man beerdigen muss. Denn leider ist es keine Seltenheit, dass ein Nachbarsjunge nicht mehr lebend aus dem Koreakrieg zurückkehrt. Marcus selbst versucht mit viel Verstand gegen die Sorgen seiner Familie anzukämpfen. Auch den Problemen, die sich mit der Zeit am Campus entwickeln, stellt er sich mit klugen Worten und Zitaten entgegen. Vor allem durch seine Wortgewandtheit punktet er immer wieder – und so lässt er auch mal recht unterhaltsam die Engstirnigkeit seiner Mitmenschen auffliegen.   

Die Schwierigkeit der richtigen Inszenierung

Empörung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philip Roth aus dem Jahr 2008. So aufregend im Buch geschildert wird, wie Marcus immer meinungsstärker wird und auf neue Grenzen stößt, so lahm erscheint im Gegensatz dazu die filmische Inszenierung. Die Kamera ist statisch, die Musik absolut zurückgefahren und die einzelnen Szenen sind zu lang. Dadurch wirkt der Film, der eigentlich zeigen soll wie aus einem Jungen ein Erwachsener wird, sehr altmodisch. Ein großer Minuspunkt bei einem Drama, das an sich fantastische Dialoge zu bieten hat. Doch je langatmiger das Ganze erzählt wird, desto weniger Lust hat man, denen zu folgen.

Fazit

Sittsamkeit? Fehlanzeige! Empörung hat für das repressive Amerika der 50er nur den Mittelfinger übrig. Dieser wird aber nicht direkt in die Kamera gehalten. Meist ist nur sehr unterschwellig zu spüren, dass man hier nicht mit dem zufrieden ist, was gerade im Land als normal gilt. Und genau diese unglaubliche Zurückgenommenheit ist auch das Problem: Das Drama will aufrütteln, lädt aber eher zum Einschlafen ein.

https://youtu.be/rsToMeKztKQ

USA 2016; R: James Schamus; D: Logan Lerman, Sarah Gadon, Tracy Letts; FSK 12; Kinostart 16.02.2017

Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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