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Jugend ohne Gott: Emilia Schüle und Jannis Niewöhner im Interview




Emilia Schüle (24) stammt aus einer russlanddeutschen Familie und kam als Kleinkind nach Deutschland. Sie arbeitet seit über zehn Jahren als Schauspielerin. Bekannt wurde sie mit dem Film Freche Mädchen. Jannis Niewöhner (25) startete seine Schauspielkarriere als „Tim“ von TKKG. Auch in Freche Mädchen 2 spielte er mit. Im echten Leben waren Jannis und Emilia sieben Jahre lang ein Paar.Worum geht’s im Film?Die Handlung wurde in die Zukunft verlegt. In dem Sci-Fi-Streifen geht es um eine extreme Leistungsgesellschaft, die nur zwischen Gewinnern und Verlierern unterscheidet. Wer die Ranglisten dominiert, lebt im Luxus – alle anderen müssen sich irgendwie durchschlagen. Zum Abschluss ihrer Schullaufbahn stellt sich nun eine Reihe junger Erwachsener dem Auswahltest für die begehrten Studienplätze. Doch jeder trägt seine eigenen Dämonen mit sich, die die Bewältigung der Prüfungen fast unmöglich machen. Der Film läuft bereits. Eine ausführliche Review findet ihr hier.

Die Romanvorlage zu Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth ist schon 80 Jahre alt ist. War das komisch?

Jannis: Nein, denn man denkt nicht, dass der Stoff schon so alt ist, oder? Wer nur das Buch kennt und dann den Trailer sieht, wird überrascht sein, dass der Film in der nahen Zukunft und nicht zu Zeiten des Nationalsozialismus spielt. Dieser Wechsel war uns wichtig, um zu zeigen, dass es ähnliche Machtentwicklungen und -strukturen zu jeder Zeit geben kann.

Im Film gibt es nur wenige Vorbilder unter den Eltern oder Lehrern. Daher müssen die Jungen selbst Ideale entwickeln. Wie war das bei euch?

Emilia: Wichtig sind Nächstenliebe und Zivilcourage. Wer danach lebt, kann wirklich etwas verändern. Ich selbst war mit 14 noch superangreifbar und unsicher. Aber mit der Zeit findet man zu sich und kann daraus eine große Selbstsicherheit entwickeln. Und die einstigen Außenseiter werden später sowieso viel erfolgreicher als die ganzen Mitläufer. (lacht)

Wie habt ihr den Übergang von der Schule in den Beruf erlebt?

Jannis: Ich konnte endlich durchatmen. Dabei haben mir alle gesagt, dass ich die Schule später noch vermissen werde. Aber das ist bis heute nicht der Fall! (lacht) Natürlich war ich auch in der glücklichen Position früh zu wissen, was ich machen will. In der Schule werden einem aber eigentlich zu wenig Freiräume geboten, um das selbst herauszufinden. Dort wird man einmal in eine Schublade gesteckt und bleibt meistens darin gefangen.

Als Schauspieler steht ihr ziemlich in der Öffentlichkeit. Was macht das mit euch?

Emilia: Es gibt auf jeden Fall eine öffentliche und eine private Person. Ich überlege immer zweimal, was ich online teile. Partyfotos gibt es bei mir zum Beispiel nicht zu sehen, weil ich da auch an meine jungen Follower denke. Ich möchte ein gutes Vorbild sein. Obwohl die sozialen Medien nicht Mittelpunkt meines Lebens sind, empfinde ich es als Verpflichtung, mir über mein Online-Auftreten Gedanken zu machen.

Ihr seht Instagram und Co also kritisch?

Jannis: In den sozialen Netzwerken gehören wir auch einem gewissen System an. Indem wir bewusst Dinge zeigen oder weglassen, kreieren wir ein Bild von der Welt. Das findet aber genauso im Privaten statt – nur viel unbewusster. Dort ist es der Freundeskreis, der unser soziales Gefüge festlegt. Das hat Auswirkungen auf unser Verständnis von Schönheit, Engagement oder Perfektion.Emilia: Auf Instagram ist der Wettbewerb riesig. Viele Follower sind da mit dem größten Ansehen und dem höchsten Gehalt gleichzusetzen. Dadurch entsteht ein ganz neuer gesellschaftlicher Druck. Denn man muss sich die Frage stellen, ob man bei dieser permanenten Darstellung nach außen auch mitmacht oder nicht, dabei aber eventuell auch nicht den gleichen Erfolg einfährt wie ein Instagram-Influencer.

In jedem Fall seid ihr mittendrin in diesen Entwicklungen. Würdet ihr euch eher als Technik-Pessimisten bezeichnen?

Jannis: Ich bin genauso pessimistisch wie abhängig. Trotzdem sind ja auch unsere Eltern irgendwie mit einer Landkarte von A nach B gekommen. Und wenn wir ehrlich sind, ist das auch der viel romantischere Weg.Emilia: Auf keinen Fall. Ich bin ein großer Fan der Erleichterungen durch neue Technik. Vor allem, wenn es darum geht, mit anderen zu kommunizieren. Aber genauso schnell kann man eben auch durch seine Laptopkamera beobachtet werden. Ist schon gruselig, oder? Aber ich habe auch nichts davorgeklebt und ich würde nie auf den Laptop verzichten wollen, nur weil damit so einige Gefahren einhergehen. Die gibt es schließlich überall.[yaez-box]Ödön – wer?Jugend ohne Gott - der Filmtitel klingt ganz schön antiquiert und viele von euch kennen ihn wahrscheinlich aus dem Deutschunterricht. Die Romanvorlage von Ödön von Horváth wird gern im Deutschunterricht gelesen (Horváth war zwar Ungar, schrieb aber auf Deutsch). Der Roman erschien 1937 und ist vor allem eine Kritik an der Machtübernahme Hitlers und dem Nationalsozialismus. Nicht überraschend, dass Horváth selbst wenig später aus Deutschland flüchten musste. 1938 verstarb er völlig überraschend, weil er in Paris von einem Ast erschlagen wurde. Er wurde nur 37 Jahre alt.[/yaez-box]
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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